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	<title>Alexander Jossifidis &#187; Kultur</title>
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		<title>Droht Berlin-Mitte die Alternativlosigkeit?</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 13:58:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit der Ankündigung einer Räumungsklage geht das alternative Wohn- und Kulturprojekt Schoko-Laden in das neue Jahr. Doch vage Hoffnung bleibt, da die Eigentümerin auch Gesprächsbereitschaft signalisiert &#160; Leichte Verwirrung herrscht im alternativen Wohn- und Kulturprojekt Schoko-Laden. Die Eigentümerin des Hauses &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=182">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Mit der Ankündigung einer Räumungsklage geht das alternative Wohn- und Kulturprojekt Schoko-Laden in das neue Jahr. Doch vage Hoffnung bleibt, da die Eigentümerin auch Gesprächsbereitschaft signalisiert<span id="more-182"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Leichte Verwirrung herrscht im alternativen Wohn- und Kulturprojekt Schoko-Laden. Die Eigentümerin des Hauses in der Ackerstraße 169/170 droht mit einer Räumungsklage, zeigt jedoch auch Gesprächsbereitschaft. Matthias von der Pressegruppe des Vereins Schoko-Laden vermutet öffentlichen Druck hinter diesem Schlingerkurs. Die angebotene Gesprächsbereitschaft möchte er gerne aufnehmen. „Wir werden uns in den kommenden Tagen zusammensetzen, Strategien überlegen und Vorschläge erarbeiten“. Er sieht anstrengenden Wochen entgegen, denn einer Räumungsklage wäre juristisch kaum etwas entgegenzusetzen. In einem solchen Fall hofft er auf die Unterstützung der lokalen Politik. Besser wäre jedoch ein Verhandlungserfolg. Dieser soll die Existenz eines der letzten Standorte alternativer Kultur und Lebensart in Berlin-Mitte sichern.</p>
<p>In einer schriftlichen Stellungnahme gibt der Vertreter der Eigentümerin, Markus Friedrich, bekannt, dass die Beteiligungsgesellschaft Friedrich Trier GmbH und Co. KG bereits in der Vergangenheit mit Stellvertretern des Schoko-Ladens über das Weiterbestehen eines Mietverhältnisses nach der Sanierung des Objektes diskutiert habe. Auch in Zukunft sei man zu konstruktiven Gesprächen bereit. Allerdings habe die Gegenseite bisher kein angemessenes Angebot übermittelt. Dieses müsse sich an marktüblichen Preisen orientieren.</p>
<p>Damit ist der Kern des Problems genannt. Das Mietverhältnis in einem sanierten Altbau in bester Wohnlage übersteigt die finanziellen Möglichkeiten des Schoko-Ladens. Unstrittig präsentiert sich der aus dem Jahr 1881 stammende Altbau in einem traurigen Zustand. Matthias betont daher, dass der Verein Schoko-Laden eine Sanierung unterstützen würde. Doch letztendlich seien es die Ziele beider Parteien, die eine Einigung erschweren. Hier das Engagement für einen Ort alternativer Kultur und Lebensart. Dort das Vorhaben, mit einem sanierten Altbau finanziellen Gewinn einzufahren.</p>
<p>Der Ursprung des Streits führt zurück in eine Zeit, in der das düster wirkende Berlin-Mitte nach Kohleheizung und Aufbruchstimmung roch. Das Quartier der Rosenthaler Vorstadt entdeckten zu Beginn der neunziger Jahre die Hausbesetzerszene und Investoren gleichermaßen. Während die einen alternatives Leben auf ihre Fahnen schrieben, tippten die anderen Gewinnprognosen in ihre Taschenrechner. In einer solchen Atmosphäre besetzten im Sommer 1990 junge Kreative das marode Gebäude in der Ackerstraße. Nach wenigen Monaten eröffneten sie dort das Café Schoko-Laden und entwickelten es zum Mittelpunkt eines alternativen Kulturtreffs. Der Berliner Tradition des Wortspiels folgend, erinnert der Name an die Schokoladenfabrikation, die das Areal bis 1971 prägte.</p>
<p>Das Gebäude fand zu Beginn der neunziger Jahre auch das Interesse des aus Trier stammenden Markus Friedrich. Der in der Fliesenbranche tätige Unternehmer kaufte es einer Erbengemeinschaft ab. Dass sich seine Zukunftsvisionen nicht mit denen des Schoko-Ladens deckten, wurde schon bald deutlich. Die taz berichtete bereits 1995 von Streitigkeiten und auslaufenden Mietverträgen. Die ganz große Konfrontation blieb jedoch bis heute aus. Sollte sich dies nun ändern? Von einer Räumung betroffen wäre neben mehreren Ateliers auch der Club der polnischen Versager. Dieser hatte seinen alten Standort in der Torstraße nach ähnlichen Querelen mit dem Vermieter aufgeben müssen. Berlin, den 28.12.2008 / Erschienen in die tageszeitung</p>
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		<title>Synagoge Fraenkelufer. Kleine Gemeinde mit großer Tradition</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 13:54:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die jüdische Gemeinde am Fraenkelufer erinnerte mit einem Festakt an die Wiedereinweihung ihrer Synagoge vor 50 Jahren. Ein Besuch Der Weg zum Festakt führte vorbei an mehreren Sicherheitsbarrieren, quer stehenden Polizeiautos, einer breitschultrigen Security und schließlich der im Eingangsbereich aufgestellten &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=178">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Die jüdische Gemeinde am Fraenkelufer erinnerte mit einem Festakt an die Wiedereinweihung ihrer Synagoge vor 50 Jahren. Ein Besuch<span id="more-178"></span></h2>
<p>Der Weg zum Festakt führte vorbei an mehreren Sicherheitsbarrieren, quer stehenden Polizeiautos, einer breitschultrigen Security und schließlich der im Eingangsbereich aufgestellten elektronischen Sicherheitsschleuse. Erst dann bot sich die Gelegenheit, den zumeist betagten Gemeindemitgliedern zu gratulieren. Im Gegensatz zum grimmigen Sicherheitsregiment vor der Tür, herrschte im Innern der Synagoge ausgelassene Festtagsstimmung. Knapp 100 Gemeindemitglieder feierten gemeinsam mit viel lokaler Prominenz. Lala Süsskind, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin sowie der Bezirksbürgermeister Franz Schulz fanden lobende Worte. Sie erinnerten an eine Synagoge, die ihre erste Einweihung bereits 1916 erlebte. Damals war die Zahl der Berliner Juden durch Zuzug stark angestiegen. Neben jüdischen Deutschen aus den Provinzen des Reiches zählte eine Berliner Statistik von 1910 alleine 13.000 Juden aus Osteuropa. Letztere hatten sich vor Pogromen in Sicherheit bringen können. Um diesem Wachstum Rechnung zu tragen, begannen 1911 Planungen für eine 2000 Menschen fassende Synagoge am damaligen Kottbusser Ufer. Es entstand ein repräsentativer Bau im neoklassizistischen Stil, der primär von orthodox eingestellten Gläubigen aufgesucht wurde. Da die Einweihung des Gotteshauses in die Zeit des Ersten Weltkrieges fiel, waren zahlreiche Reden des Eröffnungstages sehr patriotisch gefärbt. Die Gemeindemitglieder schützte dies jedoch wenig vor antisemitischen Ausfällen nationalistischer Nachbarn. Attacken nahmen in den Nachkriegsjahren rapide zu und fanden im Februar 1930 einen ersten negativen Höhepunkt. Eine Gruppe Männer, die in einer nahe gelegenen SA-Kneipe verkehrte, schmierte breitflächig Parolen wie <em>Judas verrecke</em> an die Synagogenwände. Unheilsboten einer sich stetig feindseliger gebärdenden Umgebung. Mit der so genanten Machtergreifung der Nationalsozialisten bekamen die Schikanen nun auch noch eine staatliche Sanktionierung. Der Verwüstung der Synagoge während der Reichspogromnacht im November 1938 folgte in den kommenden Jahren die Nutzung des Geländes durch städtische und staatliche Stellen. Es entstand eine Lagerhalle für Gegenstände deportierter Berliner und Parkraum für Militärfahrzeuge.</p>
<p>Weitere Zerstörungen resultierten aus alliierten Bombenangriffen während des Zweiten Weltkrieges. So glich die Hauptsynagoge gegen Ende der Kampfhandlungen einer Trümmerlandschaft und wurde schließlich 1959 abgetragen. Dagegen erholte sich das Gemeindeleben rasch wieder. Es fand fortan in der angegliederten kleinen Jugendsynagoge einen neuen Mittelpunkt. Bereits im September 1945 feierten Gläubige dort einen ersten Gottesdienst, an dem jüdische Berliner, aus Konzentrationslagern befreite polnische Juden sowie sowjetische und amerikanische Soldaten teilnahmen. Mittlerweile besteht die Betergemeinschaft primär aus Menschen, deren Familien die KZs und Ghettos in Polen durchlebt hatten und die auf ihren Wegen nach Palästina oder Amerika in Berlin strandeten. In Kreuzberg selbst wohnt leider kaum noch einer von ihnen, doch sie halten der kleinen Synagoge am schönen Landwehrkanal nach wie vor die Treue.</p>
<p>Berlin, den 15. Juni 2009 / Erschienen im Stachel Sommer 2009  www.frieke.de/stachel/2788681.html</p>
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		<title>Was haben Los Angeles, Windhuk und Jakarta gemein?</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 13:49:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auf den ersten Blick nicht viel, außer dass sie alle Metropolen mit mehr oder weniger klangvollen Namen sind. Ferner unterhalten die drei Städte partnerschaftliche Beziehungen zu Berlin. Ebenso wie 14 weitere Gemeinden. Der am letzten Aprilwochenende stattfindende Welttag der Partnerstädte &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=174">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Auf den ersten Blick nicht viel, außer dass sie alle Metropolen mit mehr oder weniger klangvollen Namen sind. Ferner unterhalten die drei Städte partnerschaftliche Beziehungen zu Berlin. Ebenso wie 14 weitere Gemeinden. Der am letzten Aprilwochenende stattfindende Welttag der Partnerstädte bietet Anlass für einen kleinen außereuropäischen Überblick<span id="more-174"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Unendlich scheint die Stadt. Mehrere Stadtautobahnen durchziehen sie. Autos besitzen unzweifelhaft eine zentrale Bedeutung. Daher ist es kaum vorstellbar, dass Los Angeles in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eines der effizientesten Schienennahverkehrssysteme der Welt besessen haben soll.</p>
<p>In der Ferne zeichnet sich die Hochhaussilhouette im Smog ab, sie ist umgeben von einem Meer an Einfamilienhäusern und Appartementkomplexen. Bereits seit 1967 ist die zweitgrößte Gemeinde der USA Partnerstadt Berlins. Ihr Name gibt Auskunft über eine spanische Vergangenheit: Als die Ortschaft 1781 auf Indianergebiet gegründete wurde, hieß sie zunächst etwas umständlich El Pueblo de Nuestra Señora la Reina de los Ángeles del Río de Porciúncula. Das Dorf entwickelte sich in den kommenden Jahrzehnten zu einem überschaubaren lokalen Zentrum weißer Siedler. In dieser Zeit entwarf der ambitionierte Architekt und Stadtplaner Carl Friedrich Schinkel im weit entfernten Berlin klassizistische Gebäude der preußischen Hauptstadt. Noch um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert hatte Los Angeles gerade einmal die Einwohnerzahl des heutigen Friedrichshains. Dann begann jedoch ein rasanter Bevölkerungszuwachs, der nach wie vor anhält. Gegenwärtig zählt die Stadt circa vier Millionen Einwohner. Das Bevölkerungswachstum geht mit einem Wandel der Bevölkerungszusammensetzung einher. Daher wird in nicht allzu ferner Zukunft Spanisch die am meisten gesprochene Sprache der Stadt sein. Ein Zufall, dass mit Antonio Villaraigosa der erste hispanische Bürgermeister seit 1872 die Geschicke der Stadt regelt?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Zuzug spanischsprachiger Einwohner resultiert insbesondere aus der relativen Nähe zur mexikanischen Grenze. Die Hauptstadt dieses südlichen Nachbarlandes ist ebenfalls eine Berliner Partnerstadt. Allerdings waren die weißen Neuankömmlinge hier keine Gemeindegründer sondern Zerstörer. Tenochtitlán nannten die Azteken ihre über 100.000 Einwohner zählende Metropole, als spanische Eroberer vor den Stadtgrenzen auftauchten. Mit Unterstützung benachbarter Völker, die den Azteken feindlich gesonnenen waren, gelang den Spaniern 1521 die Eroberung. Sie nahmen eine einstmals blühende Gemeinde ein, deren Gründung im 14. Jahrhundert vermutet wird. Unter dem Namen Ciudad de México wurde sie zur Hauptstadt des Vizekönigreichs Neuspanien erklärt. Von hieraus verwalteten die Europäer ein Kolonialgebiet, welches große Teile Mittel- und Nordamerikas sowie mehrere karibische Inseln umfasste. Zu dieser Zeit nahmen sich die Besitzungen der im Berliner Stadtschloss residierenden Monarchen bescheiden aus: Zum Kerngebiet des Kurfürstentums Brandenburg zählte ein dünn besiedeltes Territorium von der Altmark im Westen bis zur Neumark im Osten.</p>
<p>Die politische, ökonomische und kulturelle Sogwirkung von Mexiko-Stadt kann heute vor allem an der Bevölkerungszahl und am anhaltenden Bevölkerungszuzug abgelesen werden. Im Großraum leben zirka 20 Millionen Menschen, womit das Ballungsgebiet zu den bevölkerungsreichsten der Welt zählt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ein weiteres Ballungsgebiet mit annähernd 13 Millionen Einwohnern befindet sich am Río de la Plata. Hier besitzt die Spreemetropole eine dritte Partnerstadt auf dem amerikanischen Doppelkontinent. Bei ihrer Gründung im Jahre 1536 trug die kleine Hafengemeinde den Namen Puerto de Nuestra Señora Santa María del Buen Ayre. Die ersten weißen Siedler mussten sich zunächst einer heftigen Gegenwehr der lokalen Ureinwohner stellen, die Ortschaft aufgegeben und Jahre später neu gründen. Ganz andere Sorgen plagten zu dieser Zeit die jagdbegeisterten Hohenzollern in ihrer Berliner Residenz. Sie ließen einen Reitweg durch morastiges Terrain angelegt, über den der wildreiche Grunewald erreicht werden konnte. Dies war die Geburtsstunde des späteren Kurfürstendamm. Das hier zwei Partnerstädte heranwuchsen, ahnte niemand beiderseits des Atlantiks: Heute zählt Buenos Aires 2,7 Millionen Einwohner und Berlin 3,4 Millionen Menschen. Wobei die Hauptstadt Argentiniens als unbestrittene Metropole des Tangos gilt. Sie ist ferner Heimat auffallend vieler Migranten mit italienischen Wurzeln. Eine italienisch-spanische Mischsprache entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Vielleicht vergleichbar jener türkisch-deutschen Sprachenmixtur die besonders häufig in Neukölln, Kreuzberg oder im Wedding auffällt. Doch auch die deutsche Sprache hat am Río de la Plata ihre Spuren hinterlassen und beispielsweise das Wort <em>Kuchen </em>etabliert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>In einem ganz anderen Maße ist das Deutsche in Berlins kleinster Partnergemeinde präsent. In Namibias Hauptstadt Windhuk erscheint mit der deutschsprachigen <em>Allgemeinen Zeitung</em> die älteste Tageszeitung des Landes. Es gibt Straßennamen und Viertel, die eine deutsche Stadt vermuten lassen. Windhuks heutiges Stadtgebiet besiedelten zunächst afrikanische Völker. Zu ihnen zählten die Herero, welche die Gegend aufgrund heißer Quellen <em>Ort des Dampfes</em> nannten. Ihr Kampf galt im 19. Jahrhundert den Nama, welche ihnen die Vorherrschaft in der Region streitig machten. Das Schicksal der Region wurde allerdings mehrere Tausend Kilometer nördlich, in der Berliner Wilhelmstraße, bestimmt. Dort tagte vom November 1884 bis zum Februar 1885 die so genannte Kongokonferenz. Deren Abschlussdokument die schnelle Aufteilung der noch nicht kolonialisierten Gebiete Afrikas provozierte. Das Deutsche Reich konnte in diesem Kontext seine territorialen Ambitionen in Südwestafrika international absichern. Im Jahr 1890 begann die Gestaltung einer Garnisons- und Verwaltungsstadt. Mehrere Hundert Siedler aus Deutschland zog es in der Folge nach Windhuk. Heute hinterlässt die zirka 250.000 Einwohner zählende Metropole einen leicht kleinstädtischen Eindruck. Die schwarze Bevölkerung dominiert das Leben der Stadt. Deutsche Traditionen bleiben jedoch allgegenwärtig. Der Karneval wird exemplarisch genauso begeistert gefeiert wie am Rhein – allerdings nur von einer kleinen Minderheit. Zumindest hier ähnelt Windhuk seiner Partnerstadt an Spree und Havel.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Auf Festivitäten ganz anderer Größenordnung bereitet sich Peking gegenwärtig vor. Berlins Partnergemeinde befindet sich im Olympiafieber. Es wird Allerorten abgerissen und neu gebaut. Leider trifft die Abrissarbeit auch die gemütlich wirkenden Altstadtgassen, die so genannten Hutongs. Sie versprühen einen dörflichen Charme, der nicht so recht zu einer Metropole von zehn Millionen Einwohnern passen will. Doch das Thema Abrisswut und Neugestaltung ist auch in Berlin nicht fremd. Es zieht sich letztlich durch die Geschichte beider Städte. Wobei die Vergangenheit Pekings bis in das 12. Jahrhundert vor Christus reicht. Berlin dagegen erstmals im 13. Jahrhundert nach Christus urkundlich Erwähnung findet. Beide Städte entwickelten sich davon unabhängig zu Kaiserresidenzen. Hier das Stadtschloss auf der Spreeinsel, dort die Verbotene Stadt als symbolisches Zentrum der Welt. Das Ende der jeweiligen Kaiserdynastie erfolgte schließlich zeitnah. Der chinesische Kaiser musste im Februar 1912, als Resultat einer Revolution, seinen Machtanspruch aufgeben. Seinem deutschen Pendant wurde die sich abzeichnende Niederlage gegen Ende des Ersten Weltkrieges 1918 zum Verhängnis. Beide Städte blieben jedoch politische Machtzentren. Bei Peking wird dies bereits am Namen deutlich, der sich mit <em>Nördliche Hauptstadt </em>übersetzen lässt<em>. </em>Mit der <em>Östlichen Hauptstadt </em>unterhält Berlin eine weitere städtepartnerschaftliche Beziehung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Diese östliche Hauptstadt ist besser bekannt unter dem Namen Tokio. Sie ist Zentrum eines Ballungsraumes mit über 30 Millionen Einwohnern. Teilweise gehen die einzelnen Großstädte nahtlos ineinander über. Beengte Wohnverhältnisse sind die Regel, große Grün- und Freiflächen, wie sie Berlin auszeichnen, eher selten.</p>
<p>Während des Zweiten Weltkrieges wurde auch die japanische Hauptstadt Ziel US-amerikanischer Luftangriffe. Die historische Bebauung fiel einem Flammeninferno zum Opfer. Die Zahl der Toten überschritt die 100.000er Marke. Nach dem Ende des Krieges besetzten US-amerikanische Militärs die Stadt. In Tokio mussten sie ihren Machtanspruch nicht mit anderen Siegermächten teilen. Dies erlaubte es ihnen, ihre Besatzung bereits in den 50er Jahren zu beenden. Während Berlin zum Brennpunkt des Kalten Krieges und des Systemkonfliktes wurde, konnte sich Tokio auf die Modernisierung seiner Industrie- und Dienstleistungszentren konzentrieren. Die Stadt ist folglich heute ein führender Finanzplatz. Die Grundstückspreise gehören zu den Höchsten der Welt.</p>
<p>In der deutschen Hauptstadt hat der aus dem Großraum Tokio stammende Sony Konzern ein architektonisches Ausrufezeichen gesetzt: Die markante Zeltdachkonstruktion am Potsdamer Platz. Sie symbolisiert den Fuji, den für viele Japaner heiligen Berg. Es ist ein nach Europa transferiertes Beispiel dafür, dass sich nach japanischer Auffassung Traditionsbewusstsein und Moderne nicht ausschließen müssen. Sicherlich ein beachtenswerter Aspekt bei der Diskussion zur Neugestaltung Berliner Innenstadtareale.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Berlins Partnerstadt Jakarta liegt ebenfalls auf einer dicht besiedelten Insel. Sie ist die Hauptstadt des größten muslimischen Staates der Welt. Doch in Indonesiens Metropole auf der Insel Java finden sich nicht nur Muslime sondern auch Anhänger der unterschiedlichsten Religionen und Kulturen. Insofern verwundert es nicht, dass im 12. Jahrhundert zunächst Hindus die Geschicke der Gemeinde Sunda Kelapa lenkten. Sie wurden in den zwanziger Jahren des 16. Jahrhunderts durch muslimische Eroberer verdrängt, die auf den Trümmern der zerstörten Ortschaft eine neue Metropole mit dem Namen Jayakarta errichteten. Was mit <em>Großer Sieg</em> übersetzt werden kann. Doch die Freude über diese Eroberung währte keine hundert Jahre, da erschienen an der Küste Niederländer. Sie erkannten den strategischen Wert der Hafenstadt, nahmen sie kurzerhand in ihren Besitz und nannten sie fortan Batavia. Einen Name, den die Stadt bis 1950 tragen sollte.</p>
<p>Während die Gemeinde gegen Ende des Zweiten Weltkrieges gerade einmal etwas mehr als eine halbe Millionen Einwohner zählte, wuchs ihre Bevölkerungszahl in den folgenden Jahrzehnten dramatisch an. Gegenwärtig drängen sich neun Millionen Menschen in der Stadt. Eine Bevölkerungsexplosion, die Berlin bereits in der Hochphase der Industriellen Revolution erlebte. Zur damaligen Zeit vergrößerte sich die Stadt an der Spree um jährlich zirka 100.000 Menschen. Hierunter befanden sich viele Zugezogene, die das Schlagwort vom echten Berliner aus Schlesien prägten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die beengten Wohnverhältnisse, welche Berliner Arbeiter jener Jahre vorfanden, waren sozialistisch motivierten Städteplanern in den darauf folgenden Dekaden ein Dorn im Auge. Wer sich die usbekische Hauptstadt Taschkent vorstellt, denkt zunächst an Seidenstraße und geheimnisvolles Asien, weniger an mächtige Wohnblöcke und breite Boulevards. Tatsächlich haben die Jahre, während derer Taschkent eine der größten urbanen Zentren der Sowjetunion war, das Stadtbild geprägt. Industrie wurde angesiedelt und Menschen aus allen Teilen des Landes fanden in der Metropole mit ihren zwei Millionen Einwohnern eine neue Heimat. Ferner sorgte ein schweres Erdbeben im Jahre 1966 für weiteren Verlust historischer Bausubstanz. In Berlin waren es wiederum der Zweite Weltkrieg und die Abrisswut in den Jahrzehnten danach, welche die Suche nach dem „Alten“ ebenso schwierig gestalten. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass in beiden Partnerstädten ein Fernsehturm aus der Sowjetära zu den zentralen Sehenswürdigkeiten zählt. Der höchste Fernsehturm Zentralasiens ragt 375 Meter in die Höhe. Sein Berliner Gegenstück bringt es immerhin auf 368 Meter.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Neben den beschriebenen Städtepartnerschaften unterhält Berlin in Europa partnerschaftliche Beziehungen zu Paris, London, Moskau, Warschau, Prag, Budapest sowie Istanbul, Madrid und Brüssel. Bei diesen Kontakten soll ein Gedankenaustausch der Metropolen gefördert werden. Der ursprüngliche Versöhnungsaspekt der Nachkriegszeit spielt kaum noch eine Rolle. Zumal Toleranz, Offenheit und gegenseitiges Verständnis jeden Tag auf ein Neues in den Straßen der jeweiligen Stadt geübt und praktiziert werden kann.</p>
<p>Zur Info:</p>
<p>Weltweit werden zirka 15.000 Städtepartnerschaften gepflegt. Die sich dahinter verbergende Idee war in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden. Deutsche und französische Gemeinden bemühten sich um Aussöhnung. Das zumeist negative Bild von einander sollte durch gegenseitiges kennen lernen als irrational begriffen werden. Freundschaften entstanden dort, wo einst tiefe Ablehnung vorherrschte. Da auch die in Deutschland stationierten Militärs auswärtiger Staaten den Versöhnungseffekt erkannten, bemühten sie sich ebenfalls um Städtepartnerschaften mit Heimatgemeinden in beispielsweise England, Belgien oder Kanada.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Berlin, 24. April 2008 / Nicht veröffentlicht</p>
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		<title>Rezension:  Keith Brown: The past in question: modern Macedonia and the uncertainties of nation.</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 13:44:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<category><![CDATA[makedonische Identität]]></category>

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		<description><![CDATA[Published by Princeton University Press, 41 William Street, Princeton, New Jersey 08540. In the United Kingdom: Princeton University Press, Market Place, Woodstock, Oxfordshire OX20 1SY. ISBN 0-691-09994-4 Copyright 2003. Preis ca. $ 18,95 &#160; Erinnerungen an bedeutsame Ereignisse der Vergangenheit &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=169">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Published by Princeton University Press, 41 William Street, Princeton, New Jersey 08540. In the United Kingdom: Princeton University Press, Market Place, Woodstock, Oxfordshire OX20 1SY. ISBN 0-691-09994-4 Copyright 2003. Preis ca. </strong><strong>$ 18,95<span id="more-169"></span></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Erinnerungen an bedeutsame Ereignisse der Vergangenheit stellen bei der Herausbildung einer <em>kollektiven Identität</em> eine nicht zu vernachlässigende Größe dar. Die in diesem Zusammenhang vorkommenden Schauplätze nehmen ihrerseits eine zentrale Funktion ein, da sie den vergangenen Ereignissen einen Namen geben. Dies führt bisweilen dazu, dass einzelne Orte nicht mehr als Orte an sich wahrgenommen werden, sondern vielmehr als Synonyme für zurückliegende Geschehnisse. Zu den bekanntesten Schauplätzen zählen Städte wie Auschwitz oder Hiroschima, die selbst Nichtbetroffene unwillkürlich an die dort stattgefundenen Ereignisse denken lassen.</p>
<p>Im Rahmen der makedonischen Nationalgeschichte kommt der kleinen Gemeinde Kruševo eine ähnliche Bedeutung zu. In dem nördlich von Bitola gelegenen Bergstädtchen fand eine antiosmanische Erhebung im August 1903 ihren Höhepunkt, als christlich-orthodoxe Aufständische die sogenannte <em>Republik von Kruševo </em>ausriefen. Zwar konnte die osmanische Staatsmacht die Erhebung binnen weniger Wochen niederschlagen, doch überlebte der Mythos dieser <em>Republikgründung</em> die kurze Dauer ihres tatsächlichen Bestehens. So stellt sie mittlerweile einen wichtigen Bestandteil der nationalen makedonischen Historiographie dar, vor allem weil die <em>Republik von Kruševo</em> als früher Versuch einer makedonischen Staatsgründung interpretiert wird.</p>
<p>Die historische <em>Sonderrolle</em> Kruševos veranlasste den ausgewiesenen Makedonien-Experten Keith Brown, die politische Geschichte Makedoniens im 20. Jahrhundert anhand der lokalen Geschehnisse nachzuzeichnen. Sein Buch erzählt eine Stadtchronik, die mit der Proklamation der <em>Republik von Kruševo </em>beginnt und welche in der Jetztzeit endet. Dabei gelingt es ihm besonders eindrucksvoll aufzuzeigen, wie sich die im Laufe der Jahrzehnte ändernden überregionalen Rahmenbedingungen auf das Leben und die gesellschaftspolitischen Einstellungen der Einwohnerschaft auswirkten.</p>
<p>Als Bestandteil des Osmanischen Reiches wurde die Stadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Objekt rivalisierender nationaler beziehungsweise kirchenpolitischer Machtstrategen bulgarischer, griechischer und rumänischer Provenienz. Während der anschließenden Zugehörigkeit zum Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen erfuhr die Einwohnerschaft staatlich gelenkte Serbisierungsmaßnahmen. Denen stellte sich eine <em>IMRO </em>genannte Untergrundorganisation mit terroristischen Mitteln entgegen. Der Zweite Weltkrieg ließ wiederum eine kurze bulgarische Besatzungszeit zu, während derer die neuen Entscheidungsträger den bulgarischen Charakter der <em>Republik von Kruševo</em> besonders hervorhoben. Neben Sympathisanten dieses Regimes gab es in der Gemeinde jedoch auch deren Gegner, die sich schließlich der Partisanenbewegung anschlossen. Es folgte die kommunistisch geprägte Nachkriegszeit in einem Jugoslawien, welches eine makedonische Nation als tragende Säule eines föderal strukturierten Staates bestimmte und gleichzeitig die ökonomischen Lebensgrundlagen radikal änderte. In diese Zeit fiel auch die Errichtung eines in seiner Gestaltung umstrittenen Denkmalparks in Kruševo, das an den Aufstand von 1903 erinnern soll. Mit der Unabhängigkeitserklärung der makedonischen Republik im Jahre 1991 nahmen die Rahmenbedingungen letztmalig einen neuen gesellschaftspolitischen Charakter an. Hier endet die <em>Zeitreise </em>durch das Kruševo des 20. Jahrhunderts.</p>
<p>Keith Brown lässt in seinem Werk fast ausschließlich Zeitzeugen aus der Gemeinde zu Wort kommen. Damit wählt er eine Perspektive auf die Geschehnisse in Kruševo, die nicht durch den Filter wissenschaftlicher Analysen gezogen wurden. Dies führt wiederum dazu, den Facettenreichtum an Interpretationen bezüglich lokaler Ereignisse während wechselnder politischer Rahmenbedingungen aufzuzeigen. Insofern ein durch und durch gelungenes Buch.</p>
<p>Berlin, den 31. März 2004 / Erschienen in Forschungsplattform Südosteuropa 5. April 2004 http://fpsoe.de/index.php?id=52&amp;no_cache=1&amp;tx_fpsoereview_pi1[pointer]=2&amp;tx_fpsoereview_pi1[mode]=1&amp;tx_fpsoereview_pi1[sort]=crdate%3A1&amp;tx_fpsoereview_pi1[showUid]=18&amp;tx_fpsoereview_pi1[dl]=1</p>
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		<title>Rezension: „Die Kinderfrau“ von Petros Markaris</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 13:28:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Griechenland]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Istanbul]]></category>
		<category><![CDATA[Krimi]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Grieche auf Mörderjagd in Istanbul Der Krimiautor Petros Markaris ist Schöpfer des leicht missmutigen Kommissars Kostas Charitos. Der bekämpft das Verbrechen für gewöhnlich in Athen und ermöglicht kenntnisreiche Blicke hinter die Kulissen einer gesichtslosen Betonwüste. Sie liegt fernab uriger &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=157">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Grieche auf Mörderjagd in Istanbul<span id="more-157"></span></p>
<p>Der Krimiautor Petros Markaris ist Schöpfer des leicht missmutigen Kommissars Kostas Charitos. Der bekämpft das Verbrechen für gewöhnlich in Athen und ermöglicht kenntnisreiche Blicke hinter die Kulissen einer gesichtslosen Betonwüste. Sie liegt fernab uriger Altstadttavernen und antiker Baudenkmäler.</p>
<p>Im neuen Fall „Die Kinderfrau“ verbringt Kommissar Charitos seinen Urlaub in der türkischen Kulturmetropole Istanbul. Hier sucht er Abstand von Streitigkeiten mit seiner Tochter, die partout nicht kirchlich heiraten möchte. Während seines Aufenthalts beginnt eine Mordserie im Milieu der kleinen griechischen Minderheit der Stadt. Gemeinsam mit dem türkischen Kollegen Murat Saglam folgt Charitos der Spur eines Mörders, dessen Taten alptraumhafte Erinnerungen an historisches Unrecht wachrufen.</p>
<p>Petros Markaris entstammt einer griechisch-armenischen Familie Istanbuls und präsentiert einen Roman, der mehr sein möchte als die Jagd nach einem Mörder. Markaris legt vielmehr das von Misstrauen und Vorurteilen geprägte griechisch-türkische Verhältnis offen. Wohltuend dabei, seine emotionsfreie Distanz zu geäußerten Verdächtigungen und historischen Ereignissen. Er zeichnet das spannende Porträt einer griechischen Gemeinde, die Istanbul zur Heimat hat. Ihre Angehörigen besitzen keine türkische Identität, doch auch mit den Griechen aus Griechenland verbindet sie wenig.</p>
<p>Diesem Identitätswirrwarr stellt Markaris ein türkisches Pendant gegenüber, den im Fall ermittelnden Murat Saglam. Seine Vita beginnt in Deutschland. Deutscher ist er deshalb noch lange nicht. Doch auch am Bosporus bleibt er ein Mensch, den die Einheimischen nicht als einen der ihren erkennen.</p>
<p>„Die Kinderfrau“ ist ein flott zu lesender Roman. Für einen Krimi jedoch ein wenig zu spannungsarm. Die Identität des Mörders und seine Motivation sind schnell ermittelt. Dennoch ist es ein hervorragendes Buch für all diejenigen, die mehr über die Hintergründe der griechisch-türkischen Animositäten erfahren möchten und dabei gerne auf pro-griechische oder pro-türkische Parteilichkeit verzichten können.</p>
<p>Berlin, 15. August 2009 / Nicht erschienen</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Petros Markaris: Die Kinderfrau. Ein Fall für Kostas Charitos. Diogenes Verlag AG Zürich 2009 ISBN 978 3 257 06696 8</p>
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		<title>Als Kollektiv kommen wir ohne Chefs aus</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 13:06:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Alternatives Leben]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Regenbogenfabrik in Kreuzberg feiert 30jähriges Bestehen. Was mit der Besetzung einer leer stehenden Chemiefabrik und eines benachbarten Wohnhauses begann, ist heute ein lebendiges Kultur- und Nachbarschaftszentrum In einer kleinen, gemütlichen Remise sitzt Andy, hinter ihm an der Wand hängt &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=140">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Regenbogenfabrik in Kreuzberg feiert 30jähriges Bestehen. Was mit der Besetzung einer leer stehenden Chemiefabrik und eines benachbarten Wohnhauses begann, ist heute ein lebendiges Kultur- und Nachbarschaftszentrum<span id="more-140"></span></strong></p>
<p>In einer kleinen, gemütlichen Remise sitzt Andy, hinter ihm an der Wand hängt die Weltkarte. „In der Regenbogenfabrik bin ich verantwortlich für Verwaltung und nennen wir es mal Sonstiges“, sagt er lachend. Der sympathische und jugendlich wirkende Mann mit grauem Zopf war in seinem früheren Leben Drucker und Industrieelektroniker. „Doch das ist mittlerweile verjährt“, bemerkt er schmunzelnd. Seit fünf Jahren engagiert er sich nun auf dem Gelände an der Lausitzer Straße. Einen Bezug zur Regenbogenfabrik hatte er aber bereits seit den 80er Jahren. „Damals besuchte hier meine Tochter die Kita und außerdem komme ich selbst aus der Hausbesetzerszene.“ Von den Bewohnerinnen und Bewohnern der ersten Jahre seien vielleicht noch zirka zehn Mitstreiterinnen und Mitstreiter vor Ort. Insgesamt würden 80 Personen das Areal mit Leben füllen. Es ähnelt einem kleinen Dorf, in dem es neben der besagten Kita ein Kino, ein Hostel, ein Café und eine so genannte Selbsthilfewerkstatt für Fahrräder gibt.</p>
<p>Natürlich seien mit der Aufrechterhaltung des Betriebes auch Kosten verbunden und soziale Projekte mittlerweile nur noch schwer finanzierbar, gibt Andy zu bedenken. „Daher bemühen wir uns verstärkt, ökonomisch zu arbeiten. Wir müssen unser Geld selbst erwirtschaften.“ Immerhin kann dabei ein wenig helfen, dass das Kino unter Berliner Cineasten einen guten Ruf genießt und sich Besuchergruppen aus dem In- und europäischen Ausland fast wöchentlich zu Führungen anmelden, sich gewissermaßen die Klinke in die Hand geben. „Früher kamen vielleicht alle paar Monate interessierte Menschen vorbei.“ Sie alle wollen sich das Lebensgefühl einer selbstverwalteten Gemeinschaft erklären lassen: „Bei uns wird alles im Kollektiv entschieden. Als Kollektiv kommen wir ohne Chefs aus und das ist uns sehr wichtig. Anders ausgedrückt sind wir alle Chefs“, unterstreicht Andy stolz.</p>
<p>Gegenwärtig bemühe man sich um einen Erwerb des Grundstücks. „Wir stehen mit dem Bezirk, dem das Areal gehört, in Verhandlungen und könnten uns einen Erbpachtvertrag vorstellen“, bemerkt er, möchte dann aber nicht ins Detail gehen. Würden die Verhandlungen zu einem erfolgreichen Abschluss kommen, wäre das der krönende Höhepunkt im Jubiläumsjahr. „Die 30 Jahre Regenbogenfabrik haben wir ja bereits ausgiebig gefeiert. Mit einer Lesung im Café zum Häuserkampf in Berlin, mit einem Sektempfang für politische Unterstützerinnen und Unterstützer, mit einer Filmvorführung zur solidarischen Ökonomie und natürlich mit unserem Hoffest, das sehr gut besucht wurde.“ Tatsächlich scheint die Regenbogenfabrik einer der immer weniger werdenden Orte im Bezirk zu sein, in dem alternatives Leben noch möglich ist. „Die Oranienstraße ist mittlerweile eine Rennbahn. Dort spielt sich viel ab. Dort hat sich viel verändert. Wir liegen da doch zu abseits und können unser Konzept gut behaupten“, erklärt Andy die Resistenz der Regenbogenfabrik gegen die zu beobachtenden Tendenzen der Gentrifizierung.</p>
<p>Beim Verlassen des Geländes fällt der Schornstein ins Auge, der das Grundstück prägt. Er stammt noch aus einer Zeit, als hier ein Dampfsägewerk betrieben wurde. Der Schornstein steht unter Denkmalschutz und wirkt damit wie ein Leuchtturm, der anzeigt, dass hier an der Lausitzer Straße noch immer alternative Freiräume zu finden sind, die den Bezirk bereichern.</p>
<p>Berlin, den 13. März 2011 / Erschienen im Stachel Frühling 2011 www2.frieke.de/uploads/stachel_2011_04.pdf</p>
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		<title>Ein dreiblättriges Kleeblatt das Glück verheißt</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 13:04:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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		<description><![CDATA[Der ruhmreiche Athener Sportklub Panathinaikos feiert in diesem Jahr sein 100jähriges Bestehen. In die Freude und den Stolz hierüber mischen sich allerdings auch Ernüchterung und Enttäuschung. Gerade die Fußballabteilung konnte ihren Ansprüchen in der jüngeren Vergangenheit nur selten gerecht werden. &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=138">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Der ruhmreiche Athener Sportklub Panathinaikos feiert in diesem Jahr sein 100jähriges Bestehen. In die Freude und den Stolz hierüber mischen sich allerdings auch Ernüchterung und Enttäuschung. Gerade die Fußballabteilung konnte ihren Ansprüchen in der jüngeren Vergangenheit nur selten gerecht werden. Fanproteste im Jahr des Jubiläums bildeten den traurigen Höhepunkt. Ein kurzes Porträt <span id="more-138"></span></em></p>
<p>Es begann vor etwas mehr als 100 Jahren. Athen war ein gemütliches Städtchen, die Millionengrenze noch in weiter Ferne. Da entdeckte der Leichtathlet Giorgos Kalafatis seine Leidenschaft für den Fußballsport. Im Verein Panellinios eingetragen, hielten die dortigen Verantwortlichen jedoch wenig von diesem proletarischen Spiel. Kalafatis ergriff daraufhin Eigeninitiative. Gemeinsam mit Freunden und Verwandten gründete er im Jahr 1908 den Athener Fußballverein. Es folgten mehrere Namensumbenennungen und erst 16 Jahre später trat der Klub endgültig als Panathinaikos auf. Seine Sportler waren zunächst auch bei der Wahl der Vereinsfarben wenig konsequent. Der Vorfall, der sie vom Tragen roter Hemden Abstand nehmen ließ, ist Legende. Während eines Fußballspiels der so gekleideten Mannschaft stürmte das Rindvieh einer benachbarten Weide den Platz. Die Spieler mussten schnell feststellen, dass es der Bulle insbesondere auf die roten Leibchen abgesehen hatte. Panikartig rissen sie sich diese vom Körper und sollten sie fortan auch nie mehr tragen.</p>
<p>Etwas entspannter ging schließlich die Wahl der Vereinsfarbe Grün vonstatten. Während einer Mitgliederversammlung im Jahr 1919 schlug der Athlet und spätere Präsident Michalis Papazoglou neben dieser Farbe auch ein dreiblättriges Kleeblatt als Emblem vor. Sie erinnerten beide an seinen Konstantinopler Stammverein Chalkidona.</p>
<p>In diesem Outfit traten die Spieler von Panathinaikos Jahrzehnte später an, um die erste Griechische Meisterschaft zu gewinnen. Die Saison 1959/60 stellte für alle beteiligten Teams Neuland dar. Der Athener Klub konnte Dimitris Domazos im Tausch für ein Paket Sportkleidung verpflichten. Das 17jährige Talent hatte zuvor beim benachbarten Amateurverein Amina Ambelokipon gegen den Ball getreten. Bei Panathinaikos entwickelte sich der junge Mann zu einem der besten griechischen Fußballer aller Zeiten. Seine Schwindel erregenden Dribblings und präzisen Pässen machten ihn zum Gehirn und Herzen einer Mannschaft, die schon bald <em>grüner Mythos </em>genannt werden<em> </em>sollte. Die Saison 1963/64 ging ohne ein verlorenes Spiel zu Ende. Im folgenden Jahr verhinderte wiederum die Defensivabteilung 1088 Minuten ein Gegentor.</p>
<p>Auch international erregte der Klub Aufmerksamkeit. Als erste und einzige Mannschaft Griechenlands erreichte Panathinaikos das Finale des Europapokals der Landesmeister. Eines Pokals der heute in der Champions League ausgespielt wird. Im legendären Wembley-Stadion hieß der Gegner am 2. Juni 1971 Ajax Amsterdam. Zirka 20.000 griechische Anhänger hatten den Weg in den Londoner Nordwesten gefunden, um ihr Team zu unterstützen. Doch die Jungs von Trainer Ferenc Puskas mussten gegen die favorisierten Niederländer Lehrgeld bezahlen und verloren 0:2.</p>
<p>Mit dem Finaleinzug stieg das Anspruchsdenken der Verantwortlichen im Verein. National besaß Panathinaikos nach wie vor eine der besten Mannschaften. International konnte das Team allerdings nicht mit den Schwergewichten des europäischen Fußballs konkurrieren. Zudem geriet der Klub in eine finanzielle Schieflage. In der Not sprang die einflussreiche Industriellenfamilie Vardinogiannis ein. Sie erwarb den Klub im Jahr 1979 und sorgte für die nötige ökonomische Stabilität. Eine europäische Spitzenmannschaft aus Panathinaikos zu formen, gelang jedoch auch ihrem Engagement nicht. Ganz im Gegenteil. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr 2008 zeigten die Kicker eine durchschnittliche Leistung. Die Fans reagierten Mitte April auf das Dargebotene und zogen protestierend durch Athen. „Haut ab, lasst Panathinaikos seinen Weg finden“, riefen viele der zirka 30.000 Anhänger. Womit sie primär die Eigentümer des Vereins, die Familie Vardinogiannis, meinten. In deren großem Einfluss sie den Hauptgrund für die Miesere erkannten.</p>
<p>Tatsächlich stehen dem Klub Zeiten des Umbruchs bevor. An einer goldenen Zukunft wird seit September im wahrsten Sinne des Wortes gebaut. Das altehrwürdige Apostolos-Nikolaidis-Stadion – benannt nach dem ehemaligen Athleten, Spieler und Präsidenten von Panathinaikos – fällt Abrissmaßnahmen zum Opfer. Die Zukunft besteht aus einer schönen aber auch verwechselbaren Fußballarena. Versehen mit einem Sponsorennamen wird sie lange brauchen, um dem alten Stadion im Quartier in direkter Nähe des Lykavitos emotional Paroli bieten zu können. Sie ist vielmehr Bestandteil eines modernen Sportkomplexes, der anzeigt, dass Panathinaikos mit seinen über 20 Sportabteilungen nicht ausschließlich ein Fußballverein ist. Doch gerade dieser liegt den meisten <em>Grünen</em> am Herzen. Und so werden sie auch zum neuen Stadion pilgern und das Vereinslied anstimmen: „Σύλλογος μεγάλος δεν υπάρχει άλλος“ („Einen Verein so groß wie dich, gibt es nicht…“).</p>
<p>Berlin, den 17. November 2008 / Erschienen in der Griechenland Zeitung</p>
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		<title>„Ich habe die Orthodoxie für mich entdeckt“</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 13:02:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
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		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Bulgarisch-Orthodoxe Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Griechisch-Orthodoxe Kirche]]></category>
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		<description><![CDATA[Orthodoxe Kirchen feiern das Osterfest in diesem Jahr zeitgleich mit den Westkirchen. Aufgrund unterschiedlicher Kalender ist dies eine Ausnahme, aber auch ein schöner Anlass vorab drei kleinen christlich-orthodoxen Gemeinden Berlins einen Besuch abzustatten In der ehemaligen Friedhofskapelle an der Neuköllner &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=136">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Orthodoxe Kirchen feiern das Osterfest in diesem Jahr zeitgleich mit den Westkirchen. Aufgrund unterschiedlicher Kalender ist dies eine Ausnahme, aber auch ein schöner Anlass vorab drei kleinen christlich-orthodoxen Gemeinden Berlins einen Besuch abzustatten<span id="more-136"></span></strong></p>
<p>In der ehemaligen Friedhofskapelle an der Neuköllner Hermannstraße ist es klirrend kalt. Das Gebäude stammt noch aus der Kaiserzeit. Erzpriester Ljubomir Leontinov führt zu einem Heizungsschacht aus dem warme Luft strömt. Eine mit Schal und Winterjacke dick eingepackte Frau zündet Kerzen an. Sie tauchen den Raum allmählich in goldenes Licht. Herr Leontinov ist Gründer der seit 1994 bestehenden bulgarisch-orthodoxen Gemeinde in Berlin. „Die Kapelle haben wir vor acht Jahren von der Evangelischen Kirche gepachtet. Damals fehlte neben der Heizung auch das Dach.“ Nötige Sanierungen finanzieren der bulgarische Staat und spendenfreudige Gemeindemitglieder. Dennoch ist der jugendlich wirkende Geistliche frustriert. „Die Instandsetzung des maroden Hauses kostet schon jetzt 100.000 Euro mehr als ursprünglich berechnet. Vielleicht wäre ein Neubau die bessere Alternative gewesen.“ Er berichtet von ständigen Kurzschlüssen und deutet auf die prächtigen Wandmalereien, die bei genauem Hinsehen unter dem feuchten Mauerwerk leiden.</p>
<p>Von den über 5000 in Berlin lebenden Bulgaren besuchen maximal 50 regelmäßig die Gottesdienste. „Nur an hohen Feiertagen reicht der Platz in unserer Kirche des Heiligen Zaren Boris des Täufers nicht aus. Dann kommt sogar die Polizei, um ein drohendes Verkehrschaos vor dem Gotteshaus zu verhindern.“ Zudem bestehen gute Kontakte zur serbisch-orthodoxen Gemeinde, da beide ihren Gottesdienst auf Altkirchenslawisch feiern. „Wir Geistlichen vertreten uns im Notfall gegenseitig.“ Herr Leontinov greift nach einem Gesangsbuch und zeigt seltsam geschwungene Musiknoten. Deren Verwendung war im Mittelalter üblich. Heute können sie nur noch speziell ausgebildete Sänger lesen. Zu den größeren Kirchen der Stadt unterhalte man dagegen kaum Beziehungen. Verlegen bemerkt der Erzpriester, dass die Evangelische Kirche sehr gerne einen vertiefenden Dialog führen würde. „Wir haben hierfür jedoch keine personellen Kapazitäten. Gegenwärtig fließt unsere gesamte Energie in die Sanierung der Kirche.“ Ergänzend erzählt er von der früheren Heimatlosigkeit seiner Gemeinde. „Wir waren Gast anderer Kirchen und sind vier- bis fünfmal umgezogen. Jetzt haben wir endlich unser eigenes Gotteshaus.“ Dann berichtet er von dem großen Kellergeschoss. Nach der Instandsetzung könnten dort interkonfessionelle Veranstaltungen stattfinden. Immerhin sei der einmal im Monat auftretende ökumenische Kirchenchor ein Anfang, ebenso die Teilnahme an der langen Nacht der Kirchen.</p>
<p><strong>Wir sind kein abgeschotteter Kreis</strong></p>
<p>Geldnöte kennt auch die rumänisch-orthodoxe Kirchengemeinde. Seit der Wirtschaftskrise hält der rumänische Staat zugesagte Finanzmittel für einen Kirchenneubau zurück. Gegenwärtig ist das Gotteshaus der Gemeinde ein unscheinbarer Flachdachbau der 60er Jahre, der zunächst als Wohnhaus genutzt wurde. Er liegt an der viel befahrenen Heerstraße in Westend. „Wir haben die Baugenehmigung und einen deutschen Architekten, der uns eine repräsentative Kirche im mittelalterlichen moldawischen Stil mit einem 27 Meter hohen Turm bauen könnte“, schwärmt Florea Eremia, Vorsitzender der Gemeinde. Sein Stellvertreter, Sascha Goretzko, zeigt sich jedoch verhalten pessimistisch. „Neben der Wirtschaftskrise herrscht in Bukarest zurzeit politisches Durcheinander. Ob und wann zugesagte Gelder fließen, bleibt daher ungewiss.“ Herr Goretzko ist Deutscher und war früher protestantischer Christ. „Bei meinen zahlreichen Reisen nach Rumänien habe ich irgendwann die Orthodoxie für mich entdeckt.“ In Berlin genieße er die Atmosphäre der Gemeinde, der auffallend viele junge Menschen angehörten. „Sie sehen in der Kirche der Erzengel Michael und Gabriel auch einen kulturellen Treffpunkt fernab der Heimat.“ Immerhin seien viele der geschätzten 2500 Rumänen Berlins erst seit wenigen Jahren in der Stadt. Ein abgeschotteter Kreis wäre die Gemeinde aber nicht. „Wir sind sehr an Kontakten zu anderen Kirchen interessiert“, betont Herr Goretzko „Neben freundschaftlichen Beziehungen zu den orthodoxen Kirchen pflegen wir den Kontakt zur Evangelischen Kirche und organisieren gemeinsame Feste.“ Zudem würde der neue Pfarrer Clement den Gottesdienst teilweise auf Deutsch feiern, um nicht-rumänische Freunde und Ehepartner der Gemeindemitglieder einzubinden. Der aus Leipzig kommende Clement ist Nachfolger des im vergangenen Sommer tödlich verunglückten Pfarrers Constantin. Dieser war bei Abrissarbeiten am Gemeindehaus von herabstürzendem Mauerwerk erschlagen worden. Auch er träumte von einen neuen Gotteshaus.</p>
<p><strong>Mit Freude zum Ökumenischen Kirchentag nach München</strong></p>
<p>Die griechisch-orthodoxe Gemeinde in Steglitz plant keinen Kirchenwechsel. Ihr Gotteshaus ist ein einstöckiger Bau im 70er Jahre Stil, den die Evangelische Kirche zur Verfügung gestellt hat. Am Sonntag nach dem Fest der Wasserweihe ist das Gebäude mit über einhundert Gläubigen bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Wasserweihe erinnert an die Taufe Jesu im Jordan und wurde im Januar erstmals auch an der Spree gefeiert. Weihrauch liegt in der Luft. Pfarrer Emmanuel Sfiatkos berichtet sichtlich zufrieden von der großen Medienpräsenz während der Wasserweihe. Begeistert lädt er alle Anwesenden zur Teilnahme im kommenden Jahr ein. Dann sollen an der Zeremonie weitere christliche Gemeinschaften teilnehmen.</p>
<p>Seine Gemeinde besteht seit den 60er Jahren. Sie ist das christlich-orthodoxe Zentrum der zirka 10.000 Griechen Berlins. „Unsere Kirche der Himmelfahrt Christi ist ein Bindeglied in die alte Heimat“, betont Herr Sfiatkos nach dem Gottesdienst in seinem Büro. Da er selbst aus Duisburg stammt und in München studiert hat, unterstreicht er aber auch, dass die Gemeinde in Deutschland angekommen sei. „Bei uns gibt es nicht mehr den klassischen Gastarbeiter.“ Als stellvertretender Vorsitzender des Ökumenischen Rates Berlin Brandenburg setze er sich persönlich sehr stark für den interkonfessionellen Dialog ein. Im Mai reise er deshalb mit Freude zum Ökumenischen Kirchentag nach München. Dabei dürfe, seiner Meinung nach, die soziale Arbeit in der Gemeinde nicht vernachlässigt werden. „Ich verstehe meine Hauptaufgabe als Dienst an der Gemeinde.“ Weshalb mittellose Mitglieder das Monatsticket der bvg bezahlt oder gespendete Weihnachtsgeschenke erhalten würden. „Das alles funktioniert aber nur mit Hilfe der vielen engagierten Ehrenamtlichen.“ Einer davon steht plötzlich im Büro. Er möchte darauf hinweisen, dass er nun Schnee schippen wird. Der Alltag nach der ersten Wasserweihe Berlins hat spätestens jetzt auch Herrn Sfiatkos wieder.</p>
<p><strong>Kasten:</strong> Die Kalender der West- und Ostkirche</p>
<p>Papst Gregor XIII. ließ 1582 eine Kalenderreform durchführen. Der nach ihm benannte Gregorianische Kalender bedeutete das Überspringen von zehn Tagen: Dem 4. Oktober folgte unmittelbar der 15. Oktober. Aufgrund ihrer Konkurrenz zur katholischen Kirche verweigerten orthodoxe Kirchen die Übernahme dieses Kalenders und hielten am Julianischen Kalender fest, der von Julius Caesar eingeführt worden war. Auf einer Konferenz im syrischen Aleppo im Jahr 1997 diskutierten Teilnehmer die Festlegung eines gemeinsamen Osterdatums. Eine Einigung konnte jedoch bis heute nicht erzielt werden.</p>
<p><strong>Kasten: </strong>Die orthodoxen Kirchengemeinden Berlins</p>
<p>Die christlich-orthodoxe Gemeinschaft besteht aus mehreren selbst verwalteten Kirchen. Diese sind landsmannschaftlich organisiert. Im multikulturellen Berlin bestehen für nahezu alle christlich-orthodoxen Gläubigen solchermaßen organisierte Kirchengemeinden. Die bulgarisch-, griechisch- und rumänisch-orthodoxen Gemeinden feierten gemeinsam die Wasserweihe. Daher galt ihnen der Besuch.</p>
<p>Berlin, den 15. Januar 2010 / Erschienen in &#8222;die kirche XX&#8220;</p>
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		<title>„Mein Gott, wie sieht das denn hier aus“</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 12:57:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Kreuzberg; Islamophobie]]></category>
		<category><![CDATA[Tourismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit Thilo Sarrazins Beitrag zum vermeintlichen Integrationsunwillen türkisch- und arabischstämmiger Menschen häufen sich Ressentiments bei Stadtrundfahrten durch Kreuzberg. Die Erfahrungen eines Stadtführers Die Umar-Ibn-Al-Khattab-Moschee hat sich architektonisch hervorragend dem Straßenbild angepasst. Lediglich die angedeuteten Minarette auf dem Dach und der &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=129">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Seit Thilo Sarrazins Beitrag zum vermeintlichen Integrationsunwillen türkisch- und arabischstämmiger Menschen häufen sich Ressentiments bei Stadtrundfahrten durch Kreuzberg. Die Erfahrungen eines Stadtführers<span id="more-129"></span></strong></p>
<p>Die Umar-Ibn-Al-Khattab-Moschee hat sich architektonisch hervorragend dem Straßenbild angepasst. Lediglich die angedeuteten Minarette auf dem Dach und der orientalische Touch lassen erkennen, dass es sich bei dem Gebäude um eine Moschee handelt. Es ist die zweitgrößte der Stadt. Viel Glas vermittelt Transparenz und tatsächlich sind Interessierte im Gotteshaus jederzeit herzlich willkommen. Wenn etwas stört, dann vielleicht die Deutschlandfahne vor der Moschee. Sie will nicht so recht zum politisch links geprägten Quartier rund um den Görlitzer Bahnhof passen.</p>
<p>Birol Ucan vom Vorstand für Öffentlichkeitsarbeit ist sichtlich Stolz auf das schöne Haus, das im vergangenen Jahr Eröffnung feierte. Islamophobe Sprüche seien ihm noch nicht zu Ohren gekommen und Drohungen habe seine Moschee bisher auch noch keine erhalten. Die Besuchergruppen, mit denen er sprechen würde, seien eher gegen die Thesen Sarrazins.</p>
<p>Er kennt die Kommentare der Touristen nicht, die in Reisebussen sein Gotteshaus passieren. Es ist zwar nur eine Minderheit, die sich abfällig bis hasserfüllt äußert. Doch ihre Zahl ist seit Thilo Sarrazins Thesen vom Integrationsunwillen türkisch- und arabischstämmiger Menschen merklich gestiegen. „Die gehört hier nicht hin“, ist schnell dahin gesagt. „Das hier ist nicht mehr Deutschland“, ein anderes häufig gehörtes Statement. „Die sollen abhauen, dorthin, wo sie herkommen“, hat dann schon einen aggressiveren Unterton.</p>
<p>Was ist passiert? Vergessen der Sommer der Fußball-WM in Südafrika, als Mesut Özil erfolgreich für Deutschland gegen den Ball trat. Als die größte Deutschlandfahne in Neukölln hing und sich die kritisch beäugten Kopftuchmädchen die deutschen Farben auf ihre Wangen malten? Jetzt sind sie wieder ganz normale Kopftuchmädchen, so genannte „Pinguine“, die zwar in Berlin geboren wurden, aber nach Ansicht so mancher Touristen nicht nach Berlin gehören.</p>
<p>Immerhin ist das Interesse an Kreuzberg und Neukölln bei vielen Reisegruppen gestiegen: „Wir wollen mal dahin, wo die ganzen Türken wohnen“, ist ein immer wieder geäußerter Wunsch. Eine gewisse Enttäuschung folgt, wenn sich dann kein Ghetto auftut, das von finster dreinblickenden Menschen bewohnt wird.</p>
<p>Doch hartnäckig werden Ressentiments gepflegt und längst Überholtes zum Besten gegeben.</p>
<p>Selbst der Klassiker, dass Türken massenhaft nach Deutschland einwandern würden, um schmarotzend die Sozialleistungen einzufordern, ist wieder zu hören. Tatsächlich verlassen mehr türkischstämmige Deutsche das Land als Türken einwandern. Sorgen machen sollte es vielmehr, dass diejenigen, die gehen, zum großen Teil hoch qualifiziert sind. Sowie der Sachverhalt, dass von den hoch qualifizierten Neubürgern viele nicht die Anstellung finden, die ihrer Ausbildung entsprechen müsste.</p>
<p>Stattdessen hat ein Biedermann und ein Brandstifter in den letzten Monaten dafür gesorgt, dass viele Menschen ein Gefühl des nicht erwünscht seins beschlich. Andere hat der Biedermann darin bestärkt „endlich mal sagen zu dürfen, was sowieso alle denken: Wir habe zu viele Ausländer.“ Und so verwundert es nicht, dass eine Frau in den Bus ruft: „Mein Gott, wie sieht das denn hier aus!“ Doch diesmal muss ich ein wenig in mich hineinlachen. Wir erreichen gerade von Friedrichshain kommend das von Gentrifizierung bedrohte Quartier rund um die Oberbaumbrücke. Junge Menschen aus aller Welt bestimmen das Straßenbild. Es sind Touristen, Studenten, Kreative und Überlebenskünstler. Eine Szene voll pulsierenden Lebens. So wie man sie sich in einer modernen Metropole nur wünschen kann und weshalb so viele Menschen nach Berlin kommen. Da war die Frau wohl ein bisschen voreilig.</p>
<p>Berlin, XX / Erschienen im Stachel XX</p>
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		<title>„Wir können nicht nur Toleranz einfordern, wir müssen sie auch leben“</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 12:44:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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		<category><![CDATA[Sport]]></category>
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		<category><![CDATA[Juden]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Fußballmannschaft von Makkabi Berlin geht ihrem Tagesgeschäft in der Verbandsliga nach. Bei Heimspielen verirren sich nur wenige Enthusiasten im weiten Rund der Julius-Hirsch-Sportanlage. Dennoch ist Makkabi Fußballkennern ein Begriff. Ein Interview mit dem Vorsitzenden Tuvia Schlesinger über die wichtigste &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=127">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;" align="center"><strong>Die Fußballmannschaft von Makkabi Berlin geht ihrem Tagesgeschäft in der Verbandsliga nach. Bei Heimspielen verirren sich nur wenige Enthusiasten im weiten Rund der Julius-Hirsch-Sportanlage. Dennoch ist Makkabi Fußballkennern ein Begriff. Ein Interview mit dem Vorsitzenden Tuvia Schlesinger über die wichtigste Nebensache der Welt<a href="http://www.jossifidis.de/?attachment_id=220" rel="attachment wp-att-220"><img class="alignright size-medium wp-image-220" title="Makkabi Berlin" src="http://www.jossifidis.de/wp-content/uploads/2012/02/Makkabi-Berlin-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a></strong> <span id="more-127"></span></p>
<p>JZ: Herr Schlesinger, bevor wir über Fußball reden, eine Frage: Sie wurden in Haifa geboren und sind 1959 im Alter von sieben Jahren nach Berlin gekommen. Was verschlug Ihre Familie zu dieser Zeit ausgerechnet nach Berlin?</p>
<p>Schlesinger: Meine Mutter kam aus Berlin. Sie hatte meinen Vater, dessen Familie wiederum aus Wien stammte und vollkommen ausgelöscht wurde, in Israel kennen gelernt. Insofern war Berlin für unsere Familie auch Heimatstadt.</p>
<p>JZ: Und Sie gehörten 1970 bei der Vereinsgründung von Makkabi Berlin zu den ersten Spielern und Mitgliedern. Wer bildete die Gründergeneration?</p>
<p>Schlesinger: Zunächst einmal muss man sagen, dass der Verein wieder gegründet wurde. Er sieht sich in der Tradition eines jüdischen Klubs, den es in der Stadt bereits vor dem Krieg gab. Die Vereinsgründer waren zumeist ältere Menschen, die nach dem Krieg nach Berlin zurückkehrten. Sie wollten mit Hilfe des Sports eine Brücke der Verständigung zwischen Juden und Nichtjuden schlagen.</p>
<p>JZ: Wie wurde die Vereinsgründung damals in der Öffentlichkeit diskutiert?</p>
<p>Schlesinger: Eher neutral, wenn überhaupt. Wir spielten in den untersten Ligen und waren dort eine von vielen Mannschaften. Natürlich haben einige Politiker positiv reagiert: Berlin hatte wieder einen jüdischen Verein. Vor dem Krieg existierten zirka ein Dutzend jüdischer Sportvereine in der Stadt.</p>
<p>JZ: Makkabis Bekanntheit wuchs in den folgenden Jahren. Wie sieht die aktuelle Mitgliederzahl aus und welche Sportabteilung dominiert?</p>
<p>Schlesinger: Da Fußball mit Abstand die beliebteste Sportart in Deutschland ist, haben wir natürlich auch hier unsere größte Abteilung. Insgesamt zählt unser Verein zwischen 480 und 500 Mitglieder.</p>
<p>JZ: Makkabis Herrenmannschaft spielt in der Verbandsliga. Welche langfristigen sportlichen Ziele halten Sie für realistisch?</p>
<p>Schlesinger: Zu Beginn der Saison war das Ziel ein einstelliger Tabellenplatz. Den haben wir nun sicher. Natürlich möchte man in einem nächsten Schritt um den Aufstieg mitspielen. Allerdings fragen wir uns, ob ein Aufstieg in die Oberliga vor dem Hintergrund der negativen Ereignisse der letzten Wochen wirklich wünschenswert wäre.</p>
<p>JZ: Sie sprechen die Vorfälle mit antisemitischen Parolen während mehrerer Fußballspiele an. In vorangegangenen Interviews bemerkten sie ein Ansteigen antisemitischer Entgleisungen bei Auswärtsspielen. Wie macht sich das bemerkbar? Immerhin, Borussenfront und ähnliche Vereinigungen waren bereits ein Phänomen der 80er Jahre.</p>
<p>Schlesinger: Da gebe ich Ihnen Recht. Doch früher war alles eher unterschwellig. Man hat sein antisemitisches Gedankengut in der Regel nicht in die Öffentlichkeit getragen. Heute ist es durch politische und gesellschaftliche Entwicklungen jedoch wieder gang und gäbe. Eine Studie der Friedrich Ebert Stiftung hierzu besagt beispielsweise, dass zirka 25 Prozent der Deutschen antisemitische Ansichten vertreten. Wenn man diese Zahlen kennt und seine Erfahrungen in der jüngsten Vergangenheit gemacht hat, dann fragt man sich natürlich, ob es wünschenswert ist, die eigene Mannschaft zu Oberliga-Auswärtsfahrten in Regionen außerhalb von Berlin zu schicken.</p>
<p>JZ: Makkabi wird in der Öffentlichkeit als jüdischer Verein wahrgenommen. Doch wie viele Spieler in der Fußball-Herrenmannschaft gehören überhaupt noch zur jüdischen Glaubensgemeinschaft?</p>
<p>Schlesinger: In unserer Jugendabteilung sind sehr viele Kicker jüdischen Glaubens. Bei unserer zweiten Herrenmannschaft sind es so zwischen 60 und 70 Prozent. Nur bei unserer in der Verbandsliga spielenden Mannschaft sind es gerade einmal zwei Spieler. Dennoch müssen sich die Spieler Pöbeleien wie „Scheiß Jude“ gefallen lassen. Die einen wollen da nicht mehr mit machen, die anderen identifizieren sich dadurch eher noch mehr mit dem Verein.</p>
<p>Der Grund für die wenigen jüdischen Spieler im Verbandsligateam geht damit einher, dass hier leistungsbezogen gearbeitet wird. Man trifft sich in kurzen Abständen, um hart zu trainieren. Folglich ist das kein entspannter Hobbyfußball mehr und das schreckt natürlich viele aus dem Nachwuchs ab.</p>
<p>JZ: Makkabis Fußballmannschaft zählt in dieser Saison zu den Spitzenteams der Liga. Dennoch hält sich das Zuschauerinteresse in Grenzen. Beim Spitzenspiel gegen die Reinickendorfer Füchse sah man im heimischen Stadion beispielsweise mehr Auswärtsfans. Woran könnte das liegen?</p>
<p>Schlesinger: Wir sind einfach zu schnell gewachsen, hatten zu schnell Erfolg. Es fehlt an vielen Dingen. Sehen Sie sich die Infrastruktur an: Wir haben keinen Stadionsprecher. Keine Musik während der Pause. Alles Dinge, die einen Besuch ein wenig komfortabler gestalten. Ferner können wir noch mehr für uns werben.</p>
<p>JZ: Zum Fußball gehören Rivalitäten und Freundschaften zu anderen Teams. Wie sieht es da bei Makkabi aus?</p>
<p>Schlesinger: In der Verbandsliga sind alle Mannschaften Konkurrenten. Doch da wir gute Kontakte zum Berliner SC haben, hoffe ich, dass er die Klasse wird halten können. In der Oberliga haben wir wiederum ein gutes Verhältnis zu Türkiyemspor.</p>
<p>JZ: Türkiyemspor und Makkabi haben sich in der Vergangenheit auch bei Veranstaltungen engagiert, die sich gegen Homophobie im Sport wenden. Stichwort respect gaymes. Wie kam es dazu?</p>
<p>Schlesinger: Wir können nicht immer nur Toleranz von anderen einfordern, wir müssen sie auch leben. Daher haben wir uns selbstverständlich gerne bei der Initiative gegen Homophobie im Sport beteiligt.</p>
<p>JZ: Makkabi folgt zionistischen Idealen…</p>
<p>Schlesinger: …Das hört sich so nach Imperialismus an. Tatsächlich hat beispielsweise Jerusalem in unseren Gebeten eine zentrale Bedeutung. Und dann möchte ich an die Verfolgungen der Vergangenheit erinnern. Es ist ein beruhigendes Gefühl, zu wissen, dass es da einen Staat gibt, den man bei Gefahr immer aufsuchen kann.</p>
<p>JZ: Abschließend zwei Fragen: Welcher höherklassigen Vereinsmannschaft drücken Sie die Daumen und wer wird Europameister?</p>
<p>Schlesinger: Meine Sympathien gehören den Bayern und im europäischen Fußball zusätzlich auch Real Madrid. Und wer Europameister wird? Schwierig zu sagen, aber ich hoffe auf Deutschland.</p>
<p>JZ: Herr Schlesinger, vielen Dank für das Gespräch.</p>
<p style="text-align: left;" align="center"> <strong>Zur Person:</strong></p>
<p style="text-align: left;" align="center"><strong>Tuvia Schlesinger arbeitet als Polizeibeamter im gehobenen Dienst. Seit 1970 ist er Makkabi-Mitglied. Er war zunächst als Fußballer im Verein aktiv, später in der Funktion eines Vorstandsmitglieds und ist heute Vorsitzender des Vereins. Berlin, den 15.03.2008 / Nicht veröffentlicht </strong></p>
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