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	<title>Alexander Jossifidis &#187; Berlin</title>
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		<title>Ach du liebes Blechle</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 14:06:02 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Am Wochenende warben drei Bürgerinitiativen für das Verkehrskonzept Shared Space. Kritik kommt von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung &#160; Die Tram schleicht mit 15 km/h über die Kastanienallee in Prenzlauer Berg. Der Kraftfahrzeugverkehr folgt dem Beispiel, denn regulierende Verkehrsschilder und Ampeln &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=188">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Am Wochenende warben drei Bürgerinitiativen für das Verkehrskonzept Shared Space. Kritik kommt von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung<span id="more-188"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Tram schleicht mit 15 km/h über die Kastanienallee in Prenzlauer Berg. Der Kraftfahrzeugverkehr folgt dem Beispiel, denn regulierende Verkehrsschilder und Ampeln fehlen. Erhöhte Aufmerksamkeit ist gefordert. Einige Verkehrsteilnehmer steuern das Parkhaus am Pratergarten an. Hier befindet sich die einzige Stellfläche für Autos weit und breit.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dieses Zukunftskonzept für die Kastanienallee erklärte Frank Möller am Sonntag knapp 40 Interessierten vor Ort. Er vertritt das Anti-Auto-Aktivisten-Netzwerk CARambolagen. „Unser Ziel ist die Entschleunigung des Verkehrs.“ Die Straße dürfe nicht länger Transitweg sein. Sie müsse zum Raum von hoher Lebensqualität werden. Ein gemeinschaftlich genutzter Raum, ein shared space, im Interesse aller Menschen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Drei Bürgerinitiativen luden zum Shared Space Wochenende in die Kastanienallee und nach Blankenburg. „Wir wollen mit allen Betroffenen alternative Verkehrskonzepte erarbeiten“, betont Möller. Vorbilder gäbe es viele und er zitiert Beispiele aus den Niederlanden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Doch auch in Deutschland gibt es eine erste Gemeinde die das Shared Space Konzept umgesetzt hat. Die Stadtplaner der niedersächsischen Gemeinde Bohmte gestalteten eine zentrale Kreuzung um, indem sie die Verkehrsschilder und die Ampelanlage entfernten. Es entstand ein platzähnlicher Raum von zirka 450 Metern, dem eine klare Trennung von Gehweg und Fahrbahn fehlt. Ausschließlich weiße Straßenrandmarkierungen sorgen für etwas Orientierung. Verkehrsteilnehmer müssen sich nur an die Regel rechts vor links halten. Im Bürgermeisteramt kommentiert Frau Kempin die Umgestaltungsmaßnahme: „Seit der offiziellen Einweihung am 19. Mai vergangenen Jahres gab es keinen Unfall.“ Zuvor wären im Jahresschnitt zwischen 30 und 40 Unfälle gezählt worden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dass eine gefühlte Unsicherheit durch fehlende Verkehrsschilder für mehr Sicherheit sorgen würde, behauptet Claudia Hämmerling (Bündnis90/Die Grünen). Die im Abgeordnetenhaus sitzende Verkehrsexpertin ließ sich in Bohmte das Konzept Shared Space erklären und wirbt für eine Umsetzung auch in Berlin. „Die motorisierten Verkehrsteilnehmer fahren in einem Shared Space schon im eigenen Interesse sehr langsam. Sie müssen Ausschau nach anderen Verkehrsteilnehmern halten, um einen Unfall zu vermeiden. Sie übernehmen Eigenverantwortung.“ Zudem würden mit jeder eingesparten Ampel 18.000 Euro Betriebskosten im Jahr entfallen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Berlin sei nicht Bohmte, betont dagegen Alexander Abel von der Pressestelle der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. „Das Verkehrskonzept Shared Space ist in verkehrsreichen Innenstadtbezirken einer Großstadt nicht zu verwirklichen.“ Man könne sich Shared Space allenfalls in den weniger stark befahrenen Außenbereichen der Stadt vorstellen. Auch der auf der Veranstaltung anwesende Stadtrat Kirchner ist dieser Meinung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Diese Kritik lässt Frank Möller von CARambolagen nicht gelten. „Gerade für die verkehrsreichen Innenstadtquartiere ist Shared Space konzipiert worden.“ Zudem sei die Kastanienallee mit im Schnitt 2220 Kraftfahrzeugen nicht besonders stark befahren. Die Londoner Kensington High Street, die ebenfalls am Shared Space Projekt teilnimmt, sei da eine ganz andere Kategorie. Diese Straße frequentieren 40.000 Fahrzeuge pro Tag.</p>
<p>Nicht veröffentlicht</p>
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		<title>Droht Berlin-Mitte die Alternativlosigkeit?</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 13:58:52 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Mit der Ankündigung einer Räumungsklage geht das alternative Wohn- und Kulturprojekt Schoko-Laden in das neue Jahr. Doch vage Hoffnung bleibt, da die Eigentümerin auch Gesprächsbereitschaft signalisiert &#160; Leichte Verwirrung herrscht im alternativen Wohn- und Kulturprojekt Schoko-Laden. Die Eigentümerin des Hauses &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=182">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Mit der Ankündigung einer Räumungsklage geht das alternative Wohn- und Kulturprojekt Schoko-Laden in das neue Jahr. Doch vage Hoffnung bleibt, da die Eigentümerin auch Gesprächsbereitschaft signalisiert<span id="more-182"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Leichte Verwirrung herrscht im alternativen Wohn- und Kulturprojekt Schoko-Laden. Die Eigentümerin des Hauses in der Ackerstraße 169/170 droht mit einer Räumungsklage, zeigt jedoch auch Gesprächsbereitschaft. Matthias von der Pressegruppe des Vereins Schoko-Laden vermutet öffentlichen Druck hinter diesem Schlingerkurs. Die angebotene Gesprächsbereitschaft möchte er gerne aufnehmen. „Wir werden uns in den kommenden Tagen zusammensetzen, Strategien überlegen und Vorschläge erarbeiten“. Er sieht anstrengenden Wochen entgegen, denn einer Räumungsklage wäre juristisch kaum etwas entgegenzusetzen. In einem solchen Fall hofft er auf die Unterstützung der lokalen Politik. Besser wäre jedoch ein Verhandlungserfolg. Dieser soll die Existenz eines der letzten Standorte alternativer Kultur und Lebensart in Berlin-Mitte sichern.</p>
<p>In einer schriftlichen Stellungnahme gibt der Vertreter der Eigentümerin, Markus Friedrich, bekannt, dass die Beteiligungsgesellschaft Friedrich Trier GmbH und Co. KG bereits in der Vergangenheit mit Stellvertretern des Schoko-Ladens über das Weiterbestehen eines Mietverhältnisses nach der Sanierung des Objektes diskutiert habe. Auch in Zukunft sei man zu konstruktiven Gesprächen bereit. Allerdings habe die Gegenseite bisher kein angemessenes Angebot übermittelt. Dieses müsse sich an marktüblichen Preisen orientieren.</p>
<p>Damit ist der Kern des Problems genannt. Das Mietverhältnis in einem sanierten Altbau in bester Wohnlage übersteigt die finanziellen Möglichkeiten des Schoko-Ladens. Unstrittig präsentiert sich der aus dem Jahr 1881 stammende Altbau in einem traurigen Zustand. Matthias betont daher, dass der Verein Schoko-Laden eine Sanierung unterstützen würde. Doch letztendlich seien es die Ziele beider Parteien, die eine Einigung erschweren. Hier das Engagement für einen Ort alternativer Kultur und Lebensart. Dort das Vorhaben, mit einem sanierten Altbau finanziellen Gewinn einzufahren.</p>
<p>Der Ursprung des Streits führt zurück in eine Zeit, in der das düster wirkende Berlin-Mitte nach Kohleheizung und Aufbruchstimmung roch. Das Quartier der Rosenthaler Vorstadt entdeckten zu Beginn der neunziger Jahre die Hausbesetzerszene und Investoren gleichermaßen. Während die einen alternatives Leben auf ihre Fahnen schrieben, tippten die anderen Gewinnprognosen in ihre Taschenrechner. In einer solchen Atmosphäre besetzten im Sommer 1990 junge Kreative das marode Gebäude in der Ackerstraße. Nach wenigen Monaten eröffneten sie dort das Café Schoko-Laden und entwickelten es zum Mittelpunkt eines alternativen Kulturtreffs. Der Berliner Tradition des Wortspiels folgend, erinnert der Name an die Schokoladenfabrikation, die das Areal bis 1971 prägte.</p>
<p>Das Gebäude fand zu Beginn der neunziger Jahre auch das Interesse des aus Trier stammenden Markus Friedrich. Der in der Fliesenbranche tätige Unternehmer kaufte es einer Erbengemeinschaft ab. Dass sich seine Zukunftsvisionen nicht mit denen des Schoko-Ladens deckten, wurde schon bald deutlich. Die taz berichtete bereits 1995 von Streitigkeiten und auslaufenden Mietverträgen. Die ganz große Konfrontation blieb jedoch bis heute aus. Sollte sich dies nun ändern? Von einer Räumung betroffen wäre neben mehreren Ateliers auch der Club der polnischen Versager. Dieser hatte seinen alten Standort in der Torstraße nach ähnlichen Querelen mit dem Vermieter aufgeben müssen. Berlin, den 28.12.2008 / Erschienen in die tageszeitung</p>
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		<title>Synagoge Fraenkelufer. Kleine Gemeinde mit großer Tradition</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 13:54:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die jüdische Gemeinde am Fraenkelufer erinnerte mit einem Festakt an die Wiedereinweihung ihrer Synagoge vor 50 Jahren. Ein Besuch Der Weg zum Festakt führte vorbei an mehreren Sicherheitsbarrieren, quer stehenden Polizeiautos, einer breitschultrigen Security und schließlich der im Eingangsbereich aufgestellten &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=178">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Die jüdische Gemeinde am Fraenkelufer erinnerte mit einem Festakt an die Wiedereinweihung ihrer Synagoge vor 50 Jahren. Ein Besuch<span id="more-178"></span></h2>
<p>Der Weg zum Festakt führte vorbei an mehreren Sicherheitsbarrieren, quer stehenden Polizeiautos, einer breitschultrigen Security und schließlich der im Eingangsbereich aufgestellten elektronischen Sicherheitsschleuse. Erst dann bot sich die Gelegenheit, den zumeist betagten Gemeindemitgliedern zu gratulieren. Im Gegensatz zum grimmigen Sicherheitsregiment vor der Tür, herrschte im Innern der Synagoge ausgelassene Festtagsstimmung. Knapp 100 Gemeindemitglieder feierten gemeinsam mit viel lokaler Prominenz. Lala Süsskind, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin sowie der Bezirksbürgermeister Franz Schulz fanden lobende Worte. Sie erinnerten an eine Synagoge, die ihre erste Einweihung bereits 1916 erlebte. Damals war die Zahl der Berliner Juden durch Zuzug stark angestiegen. Neben jüdischen Deutschen aus den Provinzen des Reiches zählte eine Berliner Statistik von 1910 alleine 13.000 Juden aus Osteuropa. Letztere hatten sich vor Pogromen in Sicherheit bringen können. Um diesem Wachstum Rechnung zu tragen, begannen 1911 Planungen für eine 2000 Menschen fassende Synagoge am damaligen Kottbusser Ufer. Es entstand ein repräsentativer Bau im neoklassizistischen Stil, der primär von orthodox eingestellten Gläubigen aufgesucht wurde. Da die Einweihung des Gotteshauses in die Zeit des Ersten Weltkrieges fiel, waren zahlreiche Reden des Eröffnungstages sehr patriotisch gefärbt. Die Gemeindemitglieder schützte dies jedoch wenig vor antisemitischen Ausfällen nationalistischer Nachbarn. Attacken nahmen in den Nachkriegsjahren rapide zu und fanden im Februar 1930 einen ersten negativen Höhepunkt. Eine Gruppe Männer, die in einer nahe gelegenen SA-Kneipe verkehrte, schmierte breitflächig Parolen wie <em>Judas verrecke</em> an die Synagogenwände. Unheilsboten einer sich stetig feindseliger gebärdenden Umgebung. Mit der so genanten Machtergreifung der Nationalsozialisten bekamen die Schikanen nun auch noch eine staatliche Sanktionierung. Der Verwüstung der Synagoge während der Reichspogromnacht im November 1938 folgte in den kommenden Jahren die Nutzung des Geländes durch städtische und staatliche Stellen. Es entstand eine Lagerhalle für Gegenstände deportierter Berliner und Parkraum für Militärfahrzeuge.</p>
<p>Weitere Zerstörungen resultierten aus alliierten Bombenangriffen während des Zweiten Weltkrieges. So glich die Hauptsynagoge gegen Ende der Kampfhandlungen einer Trümmerlandschaft und wurde schließlich 1959 abgetragen. Dagegen erholte sich das Gemeindeleben rasch wieder. Es fand fortan in der angegliederten kleinen Jugendsynagoge einen neuen Mittelpunkt. Bereits im September 1945 feierten Gläubige dort einen ersten Gottesdienst, an dem jüdische Berliner, aus Konzentrationslagern befreite polnische Juden sowie sowjetische und amerikanische Soldaten teilnahmen. Mittlerweile besteht die Betergemeinschaft primär aus Menschen, deren Familien die KZs und Ghettos in Polen durchlebt hatten und die auf ihren Wegen nach Palästina oder Amerika in Berlin strandeten. In Kreuzberg selbst wohnt leider kaum noch einer von ihnen, doch sie halten der kleinen Synagoge am schönen Landwehrkanal nach wie vor die Treue.</p>
<p>Berlin, den 15. Juni 2009 / Erschienen im Stachel Sommer 2009  www.frieke.de/stachel/2788681.html</p>
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		<title>Ich bete für den Frieden</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 13:51:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
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		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<description><![CDATA[Seit dem 9. Januar läuft ein einwöchiges Referendum über die politische Zukunft des südlichen Sudan. Die Weichen stehen auf Unabhängigkeit einer Region von der Fläche Frankreichs. Die Menschen des Südsudan sind zumeist Christen oder Anhänger traditioneller afrikanischer Religionen, die Mehrheit &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=176">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Seit dem 9. Januar läuft ein einwöchiges Referendum über die politische Zukunft des südlichen Sudan. Die Weichen stehen auf Unabhängigkeit einer Region von der Fläche Frankreichs. <span id="more-176"></span>Die Menschen des Südsudan sind zumeist Christen oder Anhänger traditioneller afrikanischer Religionen, die Mehrheit der Sudanesen dagegen Muslime. Dieser Gegensatz, aber auch die Diskriminierung der schwarzafrikanischen Bevölkerung durch eine arabische Elite bestimmten einen Jahrzehnte andauernden Bürgerkrieg mit über zwei Millionen Toten. Im Januar 2005 erfolgte ein Friedensvertrag, der nun die Unabhängigkeit des Südens ermöglichen soll.</p>
<p>Der bitterarme Südsudan kann als Startkapital mit reichen Erdölvorkommen aufwarten. Sie umfassen 80 Prozent des sudanesischen Erdöls. Begehrlichkeiten des Nordens wecke dies jedoch nicht, versichert Rodwan Osman Said Ibrahim. Er ist zweiter Sekretär der sudanesischen Botschaft in Berlin und betont vielmehr, dass die Regierung in der Hauptstadt Khartum den Ausgang des Referendums akzeptieren würde. Dabei spiele es keine Rolle, wie das Referendum ausfalle. Ein erneuter Waffengang wäre für alle Seiten ein Fiasko. Eine ökonomische Kooperation sei dagegen die bessere Alternative. „Sie haben das Öl und wir die Pipelines und Häfen für den Export“, bringt es der Diplomat auf den Punkt.</p>
<p>Vor dem Hintergrund der zu erwartenden Unabhängigkeit sind bereits zahlreiche Südsudanesen aus Deutschland in die alte Heimat zurückgekehrt. Dort arbeiten sie zumeist als Fachkräfte oder Berater von Hilfsorganisationen, wie dem World Food Programm der Vereinten Nationen. Ulrich Delius, Sudan-Experte der Gesellschaft für bedrohte Völker in Göttingen, vermutet nur noch zirka 30 Südsudanesen in Deutschland. Ihre Anzahl belief sich jedoch selbst in den Hochzeiten auf kaum mehr als 70 Menschen. Einer von ihnen ist der in Berlin tätige Arzt Arkangelo Modesto. Er ist ehrenamtlicher Präsident des SudanClub, einer Begegnungsstätte für Nord- und Südsudanesen in Charlottenburg. Nach Berlin kam er infolge eines Abkommens, das die DDR mit dem Sudan zur Ausbildung sudanesischer Ärzte geschlossen hatte. Seine Freude über die bevorstehende Unabhängigkeit ist groß. Doch ein wenig Besorgnis bezüglich möglicher Gewalt während der Abstimmung schwingt in seinen Worten mit. „Ich bete für den Frieden und werde während des Referendums meine sudanesischen Freunde treffen.“</p>
<p>Zwar würde der Südsudan als unabhängiger Staat politisch und ökonomisch nicht bei Null beginnen, doch Modesto unterstreicht, dass die Hilfe Europas und der USA in Zukunft unabdingbar seien. Es fehle an Infrastruktur, einem funktionierenden Gesundheitswesen und ausreichend Nahrung für die Menschen. Der sympathische Arzt plant, bald selbst in den Sudan zu reisen. „Gerne möchte ich das Krankenhaus wieder aufbauen, in dem ich früher einmal gearbeitet habe.“</p>
<p>Trotz großer Armut sieht er positiv in die Zukunft. „Wir haben ausreichend qualifizierte Männer und Frauen, die einen funktionierenden Staat aufbauen können.“ Die Stabilität des Staates hänge allerdings auch von demokratischen Strukturen ab, die ebenfalls noch entstehen müssten. Zum Abschied betont er noch, dass trotz der emotionalen Wunden des Bürgerkrieges Nord- und Südsudanesen in guter Nachbarschaft leben sollten. So wie sie es in Berlin praktizieren würden &#8211; von einer friedlichen Nachbarschaft könnten schließlich alle Menschen profitieren. Auch und gerade im Sudan.</p>
<p>Berlin, den 5. Januar 2011 / Erschienen in die kirche</p>
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		<title>Was haben Los Angeles, Windhuk und Jakarta gemein?</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 13:49:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auf den ersten Blick nicht viel, außer dass sie alle Metropolen mit mehr oder weniger klangvollen Namen sind. Ferner unterhalten die drei Städte partnerschaftliche Beziehungen zu Berlin. Ebenso wie 14 weitere Gemeinden. Der am letzten Aprilwochenende stattfindende Welttag der Partnerstädte &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=174">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Auf den ersten Blick nicht viel, außer dass sie alle Metropolen mit mehr oder weniger klangvollen Namen sind. Ferner unterhalten die drei Städte partnerschaftliche Beziehungen zu Berlin. Ebenso wie 14 weitere Gemeinden. Der am letzten Aprilwochenende stattfindende Welttag der Partnerstädte bietet Anlass für einen kleinen außereuropäischen Überblick<span id="more-174"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Unendlich scheint die Stadt. Mehrere Stadtautobahnen durchziehen sie. Autos besitzen unzweifelhaft eine zentrale Bedeutung. Daher ist es kaum vorstellbar, dass Los Angeles in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eines der effizientesten Schienennahverkehrssysteme der Welt besessen haben soll.</p>
<p>In der Ferne zeichnet sich die Hochhaussilhouette im Smog ab, sie ist umgeben von einem Meer an Einfamilienhäusern und Appartementkomplexen. Bereits seit 1967 ist die zweitgrößte Gemeinde der USA Partnerstadt Berlins. Ihr Name gibt Auskunft über eine spanische Vergangenheit: Als die Ortschaft 1781 auf Indianergebiet gegründete wurde, hieß sie zunächst etwas umständlich El Pueblo de Nuestra Señora la Reina de los Ángeles del Río de Porciúncula. Das Dorf entwickelte sich in den kommenden Jahrzehnten zu einem überschaubaren lokalen Zentrum weißer Siedler. In dieser Zeit entwarf der ambitionierte Architekt und Stadtplaner Carl Friedrich Schinkel im weit entfernten Berlin klassizistische Gebäude der preußischen Hauptstadt. Noch um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert hatte Los Angeles gerade einmal die Einwohnerzahl des heutigen Friedrichshains. Dann begann jedoch ein rasanter Bevölkerungszuwachs, der nach wie vor anhält. Gegenwärtig zählt die Stadt circa vier Millionen Einwohner. Das Bevölkerungswachstum geht mit einem Wandel der Bevölkerungszusammensetzung einher. Daher wird in nicht allzu ferner Zukunft Spanisch die am meisten gesprochene Sprache der Stadt sein. Ein Zufall, dass mit Antonio Villaraigosa der erste hispanische Bürgermeister seit 1872 die Geschicke der Stadt regelt?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Zuzug spanischsprachiger Einwohner resultiert insbesondere aus der relativen Nähe zur mexikanischen Grenze. Die Hauptstadt dieses südlichen Nachbarlandes ist ebenfalls eine Berliner Partnerstadt. Allerdings waren die weißen Neuankömmlinge hier keine Gemeindegründer sondern Zerstörer. Tenochtitlán nannten die Azteken ihre über 100.000 Einwohner zählende Metropole, als spanische Eroberer vor den Stadtgrenzen auftauchten. Mit Unterstützung benachbarter Völker, die den Azteken feindlich gesonnenen waren, gelang den Spaniern 1521 die Eroberung. Sie nahmen eine einstmals blühende Gemeinde ein, deren Gründung im 14. Jahrhundert vermutet wird. Unter dem Namen Ciudad de México wurde sie zur Hauptstadt des Vizekönigreichs Neuspanien erklärt. Von hieraus verwalteten die Europäer ein Kolonialgebiet, welches große Teile Mittel- und Nordamerikas sowie mehrere karibische Inseln umfasste. Zu dieser Zeit nahmen sich die Besitzungen der im Berliner Stadtschloss residierenden Monarchen bescheiden aus: Zum Kerngebiet des Kurfürstentums Brandenburg zählte ein dünn besiedeltes Territorium von der Altmark im Westen bis zur Neumark im Osten.</p>
<p>Die politische, ökonomische und kulturelle Sogwirkung von Mexiko-Stadt kann heute vor allem an der Bevölkerungszahl und am anhaltenden Bevölkerungszuzug abgelesen werden. Im Großraum leben zirka 20 Millionen Menschen, womit das Ballungsgebiet zu den bevölkerungsreichsten der Welt zählt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ein weiteres Ballungsgebiet mit annähernd 13 Millionen Einwohnern befindet sich am Río de la Plata. Hier besitzt die Spreemetropole eine dritte Partnerstadt auf dem amerikanischen Doppelkontinent. Bei ihrer Gründung im Jahre 1536 trug die kleine Hafengemeinde den Namen Puerto de Nuestra Señora Santa María del Buen Ayre. Die ersten weißen Siedler mussten sich zunächst einer heftigen Gegenwehr der lokalen Ureinwohner stellen, die Ortschaft aufgegeben und Jahre später neu gründen. Ganz andere Sorgen plagten zu dieser Zeit die jagdbegeisterten Hohenzollern in ihrer Berliner Residenz. Sie ließen einen Reitweg durch morastiges Terrain angelegt, über den der wildreiche Grunewald erreicht werden konnte. Dies war die Geburtsstunde des späteren Kurfürstendamm. Das hier zwei Partnerstädte heranwuchsen, ahnte niemand beiderseits des Atlantiks: Heute zählt Buenos Aires 2,7 Millionen Einwohner und Berlin 3,4 Millionen Menschen. Wobei die Hauptstadt Argentiniens als unbestrittene Metropole des Tangos gilt. Sie ist ferner Heimat auffallend vieler Migranten mit italienischen Wurzeln. Eine italienisch-spanische Mischsprache entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Vielleicht vergleichbar jener türkisch-deutschen Sprachenmixtur die besonders häufig in Neukölln, Kreuzberg oder im Wedding auffällt. Doch auch die deutsche Sprache hat am Río de la Plata ihre Spuren hinterlassen und beispielsweise das Wort <em>Kuchen </em>etabliert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>In einem ganz anderen Maße ist das Deutsche in Berlins kleinster Partnergemeinde präsent. In Namibias Hauptstadt Windhuk erscheint mit der deutschsprachigen <em>Allgemeinen Zeitung</em> die älteste Tageszeitung des Landes. Es gibt Straßennamen und Viertel, die eine deutsche Stadt vermuten lassen. Windhuks heutiges Stadtgebiet besiedelten zunächst afrikanische Völker. Zu ihnen zählten die Herero, welche die Gegend aufgrund heißer Quellen <em>Ort des Dampfes</em> nannten. Ihr Kampf galt im 19. Jahrhundert den Nama, welche ihnen die Vorherrschaft in der Region streitig machten. Das Schicksal der Region wurde allerdings mehrere Tausend Kilometer nördlich, in der Berliner Wilhelmstraße, bestimmt. Dort tagte vom November 1884 bis zum Februar 1885 die so genannte Kongokonferenz. Deren Abschlussdokument die schnelle Aufteilung der noch nicht kolonialisierten Gebiete Afrikas provozierte. Das Deutsche Reich konnte in diesem Kontext seine territorialen Ambitionen in Südwestafrika international absichern. Im Jahr 1890 begann die Gestaltung einer Garnisons- und Verwaltungsstadt. Mehrere Hundert Siedler aus Deutschland zog es in der Folge nach Windhuk. Heute hinterlässt die zirka 250.000 Einwohner zählende Metropole einen leicht kleinstädtischen Eindruck. Die schwarze Bevölkerung dominiert das Leben der Stadt. Deutsche Traditionen bleiben jedoch allgegenwärtig. Der Karneval wird exemplarisch genauso begeistert gefeiert wie am Rhein – allerdings nur von einer kleinen Minderheit. Zumindest hier ähnelt Windhuk seiner Partnerstadt an Spree und Havel.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Auf Festivitäten ganz anderer Größenordnung bereitet sich Peking gegenwärtig vor. Berlins Partnergemeinde befindet sich im Olympiafieber. Es wird Allerorten abgerissen und neu gebaut. Leider trifft die Abrissarbeit auch die gemütlich wirkenden Altstadtgassen, die so genannten Hutongs. Sie versprühen einen dörflichen Charme, der nicht so recht zu einer Metropole von zehn Millionen Einwohnern passen will. Doch das Thema Abrisswut und Neugestaltung ist auch in Berlin nicht fremd. Es zieht sich letztlich durch die Geschichte beider Städte. Wobei die Vergangenheit Pekings bis in das 12. Jahrhundert vor Christus reicht. Berlin dagegen erstmals im 13. Jahrhundert nach Christus urkundlich Erwähnung findet. Beide Städte entwickelten sich davon unabhängig zu Kaiserresidenzen. Hier das Stadtschloss auf der Spreeinsel, dort die Verbotene Stadt als symbolisches Zentrum der Welt. Das Ende der jeweiligen Kaiserdynastie erfolgte schließlich zeitnah. Der chinesische Kaiser musste im Februar 1912, als Resultat einer Revolution, seinen Machtanspruch aufgeben. Seinem deutschen Pendant wurde die sich abzeichnende Niederlage gegen Ende des Ersten Weltkrieges 1918 zum Verhängnis. Beide Städte blieben jedoch politische Machtzentren. Bei Peking wird dies bereits am Namen deutlich, der sich mit <em>Nördliche Hauptstadt </em>übersetzen lässt<em>. </em>Mit der <em>Östlichen Hauptstadt </em>unterhält Berlin eine weitere städtepartnerschaftliche Beziehung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Diese östliche Hauptstadt ist besser bekannt unter dem Namen Tokio. Sie ist Zentrum eines Ballungsraumes mit über 30 Millionen Einwohnern. Teilweise gehen die einzelnen Großstädte nahtlos ineinander über. Beengte Wohnverhältnisse sind die Regel, große Grün- und Freiflächen, wie sie Berlin auszeichnen, eher selten.</p>
<p>Während des Zweiten Weltkrieges wurde auch die japanische Hauptstadt Ziel US-amerikanischer Luftangriffe. Die historische Bebauung fiel einem Flammeninferno zum Opfer. Die Zahl der Toten überschritt die 100.000er Marke. Nach dem Ende des Krieges besetzten US-amerikanische Militärs die Stadt. In Tokio mussten sie ihren Machtanspruch nicht mit anderen Siegermächten teilen. Dies erlaubte es ihnen, ihre Besatzung bereits in den 50er Jahren zu beenden. Während Berlin zum Brennpunkt des Kalten Krieges und des Systemkonfliktes wurde, konnte sich Tokio auf die Modernisierung seiner Industrie- und Dienstleistungszentren konzentrieren. Die Stadt ist folglich heute ein führender Finanzplatz. Die Grundstückspreise gehören zu den Höchsten der Welt.</p>
<p>In der deutschen Hauptstadt hat der aus dem Großraum Tokio stammende Sony Konzern ein architektonisches Ausrufezeichen gesetzt: Die markante Zeltdachkonstruktion am Potsdamer Platz. Sie symbolisiert den Fuji, den für viele Japaner heiligen Berg. Es ist ein nach Europa transferiertes Beispiel dafür, dass sich nach japanischer Auffassung Traditionsbewusstsein und Moderne nicht ausschließen müssen. Sicherlich ein beachtenswerter Aspekt bei der Diskussion zur Neugestaltung Berliner Innenstadtareale.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Berlins Partnerstadt Jakarta liegt ebenfalls auf einer dicht besiedelten Insel. Sie ist die Hauptstadt des größten muslimischen Staates der Welt. Doch in Indonesiens Metropole auf der Insel Java finden sich nicht nur Muslime sondern auch Anhänger der unterschiedlichsten Religionen und Kulturen. Insofern verwundert es nicht, dass im 12. Jahrhundert zunächst Hindus die Geschicke der Gemeinde Sunda Kelapa lenkten. Sie wurden in den zwanziger Jahren des 16. Jahrhunderts durch muslimische Eroberer verdrängt, die auf den Trümmern der zerstörten Ortschaft eine neue Metropole mit dem Namen Jayakarta errichteten. Was mit <em>Großer Sieg</em> übersetzt werden kann. Doch die Freude über diese Eroberung währte keine hundert Jahre, da erschienen an der Küste Niederländer. Sie erkannten den strategischen Wert der Hafenstadt, nahmen sie kurzerhand in ihren Besitz und nannten sie fortan Batavia. Einen Name, den die Stadt bis 1950 tragen sollte.</p>
<p>Während die Gemeinde gegen Ende des Zweiten Weltkrieges gerade einmal etwas mehr als eine halbe Millionen Einwohner zählte, wuchs ihre Bevölkerungszahl in den folgenden Jahrzehnten dramatisch an. Gegenwärtig drängen sich neun Millionen Menschen in der Stadt. Eine Bevölkerungsexplosion, die Berlin bereits in der Hochphase der Industriellen Revolution erlebte. Zur damaligen Zeit vergrößerte sich die Stadt an der Spree um jährlich zirka 100.000 Menschen. Hierunter befanden sich viele Zugezogene, die das Schlagwort vom echten Berliner aus Schlesien prägten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die beengten Wohnverhältnisse, welche Berliner Arbeiter jener Jahre vorfanden, waren sozialistisch motivierten Städteplanern in den darauf folgenden Dekaden ein Dorn im Auge. Wer sich die usbekische Hauptstadt Taschkent vorstellt, denkt zunächst an Seidenstraße und geheimnisvolles Asien, weniger an mächtige Wohnblöcke und breite Boulevards. Tatsächlich haben die Jahre, während derer Taschkent eine der größten urbanen Zentren der Sowjetunion war, das Stadtbild geprägt. Industrie wurde angesiedelt und Menschen aus allen Teilen des Landes fanden in der Metropole mit ihren zwei Millionen Einwohnern eine neue Heimat. Ferner sorgte ein schweres Erdbeben im Jahre 1966 für weiteren Verlust historischer Bausubstanz. In Berlin waren es wiederum der Zweite Weltkrieg und die Abrisswut in den Jahrzehnten danach, welche die Suche nach dem „Alten“ ebenso schwierig gestalten. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass in beiden Partnerstädten ein Fernsehturm aus der Sowjetära zu den zentralen Sehenswürdigkeiten zählt. Der höchste Fernsehturm Zentralasiens ragt 375 Meter in die Höhe. Sein Berliner Gegenstück bringt es immerhin auf 368 Meter.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Neben den beschriebenen Städtepartnerschaften unterhält Berlin in Europa partnerschaftliche Beziehungen zu Paris, London, Moskau, Warschau, Prag, Budapest sowie Istanbul, Madrid und Brüssel. Bei diesen Kontakten soll ein Gedankenaustausch der Metropolen gefördert werden. Der ursprüngliche Versöhnungsaspekt der Nachkriegszeit spielt kaum noch eine Rolle. Zumal Toleranz, Offenheit und gegenseitiges Verständnis jeden Tag auf ein Neues in den Straßen der jeweiligen Stadt geübt und praktiziert werden kann.</p>
<p>Zur Info:</p>
<p>Weltweit werden zirka 15.000 Städtepartnerschaften gepflegt. Die sich dahinter verbergende Idee war in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden. Deutsche und französische Gemeinden bemühten sich um Aussöhnung. Das zumeist negative Bild von einander sollte durch gegenseitiges kennen lernen als irrational begriffen werden. Freundschaften entstanden dort, wo einst tiefe Ablehnung vorherrschte. Da auch die in Deutschland stationierten Militärs auswärtiger Staaten den Versöhnungseffekt erkannten, bemühten sie sich ebenfalls um Städtepartnerschaften mit Heimatgemeinden in beispielsweise England, Belgien oder Kanada.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Berlin, 24. April 2008 / Nicht veröffentlicht</p>
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		<title>Soziales Engagement in Kreuzberg 36</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 13:46:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Kindernotdienst]]></category>
		<category><![CDATA[Kreuzberg]]></category>

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		<description><![CDATA[Beziehungsabbrüche, gewalttätiges Umfeld, sexuelle Übergriffe. Die Gründe für Kinder oder Erwachsene, den Kindernotdienst zu kontaktieren, sind so traurig wie vielfältig. Ein kurzer Besuch bei einer Kreuzberger Institution. &#160; Ein schöner und etwas verwunschen wirkender Altbaukomplex an der Hochbahnlinie 1 zwischen &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=171">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Beziehungsabbrüche, gewalttätiges Umfeld, sexuelle Übergriffe. Die Gründe für Kinder oder Erwachsene, den Kindernotdienst zu kontaktieren, sind so traurig wie vielfältig. Ein kurzer Besuch bei einer Kreuzberger Institution.<span id="more-171"></span></h2>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ein schöner und etwas verwunschen wirkender Altbaukomplex an der Hochbahnlinie 1 zwischen den Stationen Kottbusser Tor und Prinzenstraße unterbricht wohltuend die Tristesse des angrenzenden Hochhausgürtels. Der hier beheimatete Kindernotdienst bietet in hellen, sympathisch gestalteten Räumen eine Anlaufstelle für hilfsbedürftige Kinder, Eltern und Menschen, die sich um Kinder sorgen. Ihnen wird vom ersten Beratungsgespräch bis zur Möglichkeit einer vorübergehenden Unterkunft für die Kinder ein breites Spektrum unterstützender Maßnahmen angeboten. Da die Not der Hilfesuchenden weder Wochenende noch Feierabende kennt, bleibt das Haus in der Gitschiner Str. 49 selbstverständlich rund um die Uhr telefonisch und persönlich erreichbar. Es stellt den rettenden Anker für jährlich circa 2000 Kontaktsuchende dar.</p>
<p>Die einprägsame Nummer 610061 wird folglich nicht ausschließlich von Kindern gewählt, sondern auch von besorgten Erwachsenen aus deren Umfeld. Glücklicherweise gelingt es dem Beratungsteam in circa der Hälfte aller Fälle eine Entwicklung anzustoßen, die eine Rückkehr der Kinder in die jeweiligen Familien nach bereits wenigen Gesprächen möglich macht. Andererseits wird der Kindernotdienst auch mit Schicksalen konfrontiert, welche sofortige Schutzmaßnahmen für die betroffenen Heranwachsenden erfordern. Hier bietet die Gitschiner Straße 49 eine erste Adresse, sollte das Jugendamt nicht erreichbar oder eine Unterbringung sofort nötig sein.</p>
<p>Frau Köhn, engagierte Koordinatorin des Hauses, beobachtet Tendenzen einer zunehmenden Verarmung. So sei es beispielsweise eine traurige Entwicklung, dass häufig Familien im Bezirk medizinische Leistungen für ihre Kinder nicht in Anspruch nehmen und auch nicht krankenversichert sind. Hilferufe kommen zudem vermehrt aus Haushalten, die aus Alleinerziehenden, meist der Mutter, bestehen. Armut und Überforderung würden psychischen Krisen und Notlagen fördern, so Frau Köhn.</p>
<p>Auffallend ist ferner die geringe Zahl Ratsuchender mit Migrationshintergrund, was in einem multikulturellen Umfeld, wie es Kreuzberg darstellt, überrascht. Als eine mögliche Erklärung nennt die Koordinatorin des Hauses das Bemühen der Betroffenen, familiäre Probleme ohne Hilfe von Außen innerhalb des Familienverbandes zu lösen. Um dies ein Stück weit zu ändern, würde sie sich einen größeren Bekanntheitsgrad des Kindernotdienstes und anderer Beratungsstellen innerhalb der türkischsprachigen oder arabischsprachigen Gemeinschaft wünschen.</p>
<p>Im kommenden Mai wird das aus 28 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bestehende Personal den 30. Geburtstag der Institution feiern. Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg als Träger der Einrichtung hat dessen Existenz gesichert. So begrüßenswert dieser Sachverhalt auch ist, so traurig bleibt die Notwendigkeit von Notdiensten für Kinder und Jugendliche.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Zur Info:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Jugendnotdienst (0-24 Uhr)</strong> 61 00 62</p>
<p><strong>Kindernotdienst (0-24 Uhr)</strong> 61 00 61</p>
<p><strong>Hotline-Kinderschutz </strong>61 00 66</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Berlin, den 21. November 2007 / Erschienen im Stachel Winter 2007 www.frieke.de/stachel/824054.html</p>
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		<title>Man mordet das Volk! Zu den Waffen!</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 13:08:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Revolution 1848]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor 160 Jahren erfasste eine Revolutionswelle mehrere Staaten Europas. Im deutschsprachigen Raum lagen die Schwerpunkte zumeist südlich des Mains und westlich der Elbe. Doch auch in Berlin wurde verbissen um eine politische Neugestaltung gekämpft. Der 17 jährige Schlosserlehrling Ernst Zinna &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=142">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Vor 160 Jahren erfasste eine Revolutionswelle mehrere Staaten Europas. Im deutschsprachigen Raum lagen die Schwerpunkte zumeist südlich des Mains und westlich der Elbe. Doch auch in Berlin wurde verbissen um eine politische Neugestaltung gekämpft.<span id="more-142"></span></p>
<p>Der 17 jährige Schlosserlehrling Ernst Zinna griff nach dem Säbel seines Großvaters. Dann eilte er zur Barrikade, welche Aufständische in der Jägerstraße, unweit des Gendarmenmarktes, errichtet hatten. Soldaten des preußischen Königs näherten sich der Sperre. Als deren Verteidiger die Übermacht des Militärs erkannten, beschlossen sie den Rückzug. Einzig Ernst Zinna und dessen Freund Heinrich Glasewaldt suchten den Kampf. Ein blutiger Schlagabtausch folgte, den der junge Schlosserlehrling nicht überlebte.</p>
<p>Ernst Zinna ahnte an diesem 18. März des Jahres 1848 wohl kaum, dass ausgerechnet er in ferner Zukunft eine Symbolfigur des Aufstandes gegen die herrschenden Verhältnisse werden sollte. Was trieb ihn damals auf die Straße?</p>
<p><strong>Eine Stadt in Armut und mit politischem Elan</strong></p>
<p>Berlin war zu jener Zeit eine von Armut geprägte Stadt mit über 400.000 Einwohnern. Hungerrevolten führten zu Plünderungen von Marktständen, Bäckereien, Fleischereien und Kaffeehäusern. Auch das noble Café Kranzler blieb hiervon nicht verschont. Es zog jedoch nicht nur Plünderer an, sondern diente auch als Treffpunkt politisch interessierter Bürger. Diese konnten sich mit Hilfe der ausliegenden Zeitungen über das Geschehen im In- und Ausland informieren. Neben dem Kranzler boten beinahe 100 weitere Kaffeehäuser und Konditoreien der Stadt Zeitungen an und entwickelten sich daher zu vergleichbaren Treffpunkten. Ferner warb eine Berliner Lesehalle mit mehreren Dutzend Zeitungstiteln um ein wissbegieriges Publikum. Auf diese Weise erfuhren die Menschen von revolutionären Vorgängen in anderen Teilen Europas: Bereits im November 1847 hatte es in der Schweiz einen Bürgerkrieg gegeben, in welchem sich eine liberale Partei gegen einen konservativen Widerpart durchsetzen konnte. Die Ausarbeitung einer liberalen Verfassung folgte. Eine solche Staatsordnung wünschten auch viele Berliner Zeitungsleser für Preußen. Kaum stand die Schweiz nicht mehr in den Schlagzeilen, da brach im Januar 1848 im süditalienischen Palermo eine Revolution aus. Sie zwang den dortigen König ebenfalls zur Ausarbeitung einer Verfassung. Nur wenige Wochen später überschlugen sich die Ereignisse erneut: In Frankreich revoltierten Studenten, Handwerker, Arbeiter und ein liberal geprägtes Bürgertum gemeinsam gegen die Staatsmacht. Die Berliner erfuhren Ende Februar vom Rücktritt des französischen Monarchen. In den Kaffeehäusern und Konditoreien Unter den Linden, am Gendarmenmarkt und anderswo diskutierten die Menschen begeistert und erregt über die Nachrichten aus dem Ausland. Die Emotionen der politisierenden Bewohner erfuhren eine weitere Steigerung, als Demonstrationen für Reformen aus Mannheim, Heidelberg, Stuttgart und Darmstadt gemeldet wurden. Waren die Tage der Monarchie gezählt?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die Tage vor dem Bürgerkrieg</strong></p>
<p>Auch in der preußischen Hauptstadt rumorte es: Ein Ort, der unzufriedene Berliner scheinbar magisch anzog, lag im Tiergarten, unweit des Hauses der Kulturen der Welt (der ehemaligen Kongresshalle). <em>In den Zelten</em> nannte sich das Areal mit Biergartenatmosphäre und Konzertbühne. Hierhin strömten die Menschen, um über politische Veränderungen zu debattieren und Petitionen zu verfassen. Am 13. März war ihre Zahl bereits auf zirka 20.000 Köpfe angewachsen. Unter den Versammelten befanden sich auffallend viele Arbeiter und Handwerker. Sie mahnten nicht nur politische Reformen an, sondern forderten auch ökonomische Verbesserungen. Ihr Engagement unterstrich, dass die Protestbewegung auf einer breiten gesellschaftlichen Basis stand. Diese brachte sowohl liberal orientiertes Bürgertum als auch sozialistisch motivierte Arbeiterschaft zusammen.</p>
<p>Im Schloss herrschte Uneinigkeit über das Vorgehen gegen die Protestbewegung. König Friedrich Wilhelm IV. war umgeben von Hardlinern und dialogbereiten Ratgebern. Während die Ersten militärisches Eingreifen empfahlen, mahnten die Letzten, der politisch aufbegehrenden Bevölkerung Gesprächsbereitschaft zu signalisieren.</p>
<p>Am 15. März erreichten Nachrichten Berlin, die den Sturz des erzkonservativen österreichischen Staatskanzlers Metternich beinhalteten. Dieser hatte sich in der Vergangenheit bei der Unterdrückung liberaler Kräfte hervorgetan. Seine Flucht aus Wien wurde im Berliner Schloss als Warnung verstanden: Ein militärischer Schlagabtausch musste nicht zwangsläufig von Erfolg gekrönt sein. Folglich rang sich Friedrich Wilhelm IV. dazu durch, die volle Pressefreiheit und eine Verfassung für Preußen zu versprechen. Am Morgen des 18. März 1848 wurden diese Zugeständnisse in der Stadt verbreitet. Es war der Tag, an dem politisch aufbegehrende Berliner eine Kundgebung vor dem Schloss vereinbart hatten. Bereits um die Mittagszeit strömten die ersten Menschen zum repräsentativen Bau auf die Spreeinsel.</p>
<p><strong>Der Bürgerkrieg</strong></p>
<p>Da sich die Zugeständnisse der Regierung herumgesprochen hatten, war von einer angespannten Stimmung auf dem Schlossplatz zunächst nichts zu spüren. Stattdessen brach großer Jubel aus, als sich Friedrich Wilhelm IV. auf dem Balkon seiner Residenz der Menge zeigte. Staatsminister von Bodelschwingh verlas die Zugeständnisse der Regierung. Alles schien sich in Wohlgefallen aufzulösen. Doch dann bemerkten Demonstranten die zahlreichen Soldaten in der Nähe des Schlosses. Unruhe machte sich breit. In den vergangenen Tagen hatte es immer wieder blutige Zwischenfälle zwischen Zivilisten und Militärs gegeben. Sprechchöre gegen die Soldaten wurden angestimmt. Hier und da kam es zu Tumult. Dies veranlasste den König schließlich, die Räumung des Platzes zu befehlen. Die Soldaten der Kavallerie zückten ihre Säbel und begannen mit der gewaltsamen Auflösung der Versammlung. Panik brach aus. Die Menschen flohen in die umliegenden Straßen und errichteten in aller Eile Barrikaden. Soldaten, welche die Hindernisse wieder abbauen sollten, wurden von den umliegenden Fenstern und Häuserdächern mit allen erdenklichen Wurfgeschossen attackiert. Neue Sperren entstanden. Eine dieser Barrieren versuchte Ernst Zinna zu verteidigen. Der Bürgerkrieg tobte: Über 14 Stunden bekriegten sich geschätzte 4000 bis 10000 Zivilisten und 12000 Soldaten.</p>
<p>Friedrich Wilhelm IV. suchte schließlich die Deeskalation. Er ließ eine Proklamation „An meine lieben Berliner“ verbreiten, in welcher er seine Verhandlungsbereitschaft betonte und den Rückzug der Soldaten versprach. Die Aufständischen akzeptierten das Angebot des Monarchen. Die Kämpfe wurden eingestellt.</p>
<p><strong>Berlin nach den Unruhen</strong></p>
<p>Tatsächlich zeigte die Regierung ihren Versöhnungswillen. Sie amnestierte alle politischen Gefangenen und hisste auf dem Schloss sogar die schwarz-rot-goldene Flagge der Barrikadenkämpfer.</p>
<p>Die ehemaligen Aufständischen organisierten am 22. März einen Trauerzug für ihre erschossenen, erstochenen oder erschlagenen Freunde und Bekannten. Unter den 183 Toten befand sich auch Ernst Zinna. Er wurde vom Gendarmenmarkt zum Friedhof in den Friedrichshain getragen. Dieser lag damals noch außerhalb der Stadtmauern und sollte in den folgenden Jahren zu einem zentralen Erinnerungsort der Berliner Märzrevolution werden. Der Trauerzug selbst kam einer politischen Machtdemonstration gleich. Nicht von ungefähr führte die Route am Stadtschloss vorbei. Hier sah sich Friedrich Wilhelm IV. gezwungen, den Toten seine Ehre zu erweisen.</p>
<p>Der kurze Bürgerkrieg forderte letztlich zirka 300 Menschenleben. Viele Berliner erlagen erst in den Tagen nach den Unruhen ihren Verletzungen. Unter den Toten befanden sich um die 60 Militärs. Für sie wurden Gräber auf dem Invalidenfriedhof ausgehoben.</p>
<p>Die Zugeständnisse der Monarchie animierten zahlreiche Menschen, ein politisches Engagement an den Tag zu legen. Schriften, die in die Hunderte gingen, wurden verfasst und ungezählte Veranstaltungen luden zum politischen Debattieren ein.</p>
<p>Auf der höheren politischen Ebene manifestierte sich der Wandel durch die Wahl einer konstituierenden preußischen Nationalversammlung. Dabei erinnerte der Wahlmodus an US-amerikanische Prozeduren, zumal auch hier Wahlmänner zwischengeschaltet wurden. Das Ergebnis der Auszählungen führte erwartungsgemäß zu einer Sitzverteilung mit vielen liberalen Abgeordneten. In der Konsequenz verfasste die Nationalversammlung mehrere Resolutionen, welche die Monarchie in ihrer bisherigen Form in Frage stellten: Es wurden das Gottesgnadentum des Königs kritisiert und die Unterordnung der Armee unter eine zukünftige Verfassung gefordert. Der Widerstand des Königs wuchs und zwang zu Kompromissen. Überarbeitungen folgten, welche ihrerseits Diskussionsbedarf provozierten. Folglich wurde die seit September im Konzerthaus auf dem Gendarmenmarkt tagende Nationalversammlung nur ansatzweise ihrer Rolle als Reformmotor gerecht. Während hinter klassizistischen Fassaden das Bürgertum debattierte, erfuhren die Arbeiter und Handwerker, die immerhin das Gros der Barrikadenkämpfer gestellt hatten, keine ökonomischen Verbesserungen. Dementsprechend frustriert reagierten viele. Sie fühlten sich weder vom konservativen Königshaus noch vom liberalen Bürgertum vertreten. Schriften, die in dieser Zeit beispielsweise Karl Marx verfasste und die den politischen Kampf der Arbeiterschaft unterstützten, fanden dagegen eine immer größere Resonanz.</p>
<p>Die Nationalversammlung verlor bezeichnenderweise kontinuierlich an politischem Gewicht. Von der Monarchie nicht wirklich akzeptiert, von den meisten ehemaligen Barrikadenkämpfern als keine große Hilfe wahrgenommen, erfolgte ihre plötzliche Auflösung am 9. November 1848 nahezu ohne Tumult. Das Könighaus hatte die Auflösung beschlossen und beorderte zur Sicherheit General von Wrangel in die Stadt. Er sollte mit seiner Armeeeinheit Ruhe und Ordnung garantieren. Ein zweiter Bürgerkrieg brach trotz des Protestes der Abgeordneten nicht aus.</p>
<p>Stattdessen bemühte sich eine kleine Gruppe gegen Ende des Monats, die Nationalversammlung in der Stadt Brandenburg an der Havel neu zu etablieren. Dieser Versuch scheiterte kläglich und am 5. Dezember erfolgte die endgültige Auflösung.</p>
<p>Mehrere Dutzend politisch denkende Menschen verließen nun das Land. Diejenigen, die diesen Schritt nicht gingen, wurden vom Staat bespitzelt. Sie mussten akzeptieren, dass bei jeder politisch motivierten Veranstaltung ein Polizist zugegen war, die Pressefreiheit Einschränkungen erfuhr und selbst das Schmücken von Gräbern getöteter Märzrevolutionäre Strafen nach sich ziehen konnte.</p>
<p>Der Symbolwert Ernst Zinnas und der anderen getöteten Märzrevolutionäre stellte folglich auch in den ersten Jahren nach dem Aufstand eine Bedrohung für den preußischen Staat dar. Ob Ernst Zinna das ahnte, als er am 18. März den Säbel seines Großvaters griff und entschlossen zur Barrikade in die Jägerstraße eilte?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p align="center">Die Märzrevolution des Jahres 1848</p>
<p>Die Märzrevolution war der Versuch eines politisch heterogenen Bündnisses, Widerstand gegen die Machtdominanz des Adels zu organisieren. Eine Verfassung sollte politische Mitsprache und Rechtstaatlichkeit ermöglichen. Ausgelöst durch politische Unterdrückung und eine Wirtschaftskrise, radikalisierten sich Teile des Bürgertums, der Arbeiterschaft und des Bauernstandes. Die Revolutionsbewegung erreichte alle deutschen Staaten, wobei ihre Zentren in Baden, Bayern, Österreich, Preußen und Sachsen lagen. Als überregionales Ergebnis erzwangen die Aufständischen freie Wahlen zur deutschen Nationalversammlung. Sie tagte ab Mai 1848 in der Frankfurter Paulskirche und erarbeitete eine Verfassung. Neben der Verankerung von Grundrechten war eine konstitutionelle Monarchie für ein deutsches Reich geplant. Den Fürsten gelang es jedoch, ihre militärische und politische Macht zu reorganisieren. Das Parlament wurde aufgelöst und republikanische Bewegungen gewaltsam bekämpft. Der Grund für den Erfolg des Adels korrespondierte mit der Furcht des wohlhabenden Bürgertums vor den aufständischen Arbeitern, Bauern und Kleinbürgern. In der Folge kam es immer häufiger zu Kooperationen zwischen Bürgertum und Adel. Die Revolution war gescheitert.</p>
<p>Berlin, den 25. April 2008 / Nicht erschienen</p>
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		<title>Als Kollektiv kommen wir ohne Chefs aus</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 13:06:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Regenbogenfabrik in Kreuzberg feiert 30jähriges Bestehen. Was mit der Besetzung einer leer stehenden Chemiefabrik und eines benachbarten Wohnhauses begann, ist heute ein lebendiges Kultur- und Nachbarschaftszentrum In einer kleinen, gemütlichen Remise sitzt Andy, hinter ihm an der Wand hängt &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=140">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Regenbogenfabrik in Kreuzberg feiert 30jähriges Bestehen. Was mit der Besetzung einer leer stehenden Chemiefabrik und eines benachbarten Wohnhauses begann, ist heute ein lebendiges Kultur- und Nachbarschaftszentrum<span id="more-140"></span></strong></p>
<p>In einer kleinen, gemütlichen Remise sitzt Andy, hinter ihm an der Wand hängt die Weltkarte. „In der Regenbogenfabrik bin ich verantwortlich für Verwaltung und nennen wir es mal Sonstiges“, sagt er lachend. Der sympathische und jugendlich wirkende Mann mit grauem Zopf war in seinem früheren Leben Drucker und Industrieelektroniker. „Doch das ist mittlerweile verjährt“, bemerkt er schmunzelnd. Seit fünf Jahren engagiert er sich nun auf dem Gelände an der Lausitzer Straße. Einen Bezug zur Regenbogenfabrik hatte er aber bereits seit den 80er Jahren. „Damals besuchte hier meine Tochter die Kita und außerdem komme ich selbst aus der Hausbesetzerszene.“ Von den Bewohnerinnen und Bewohnern der ersten Jahre seien vielleicht noch zirka zehn Mitstreiterinnen und Mitstreiter vor Ort. Insgesamt würden 80 Personen das Areal mit Leben füllen. Es ähnelt einem kleinen Dorf, in dem es neben der besagten Kita ein Kino, ein Hostel, ein Café und eine so genannte Selbsthilfewerkstatt für Fahrräder gibt.</p>
<p>Natürlich seien mit der Aufrechterhaltung des Betriebes auch Kosten verbunden und soziale Projekte mittlerweile nur noch schwer finanzierbar, gibt Andy zu bedenken. „Daher bemühen wir uns verstärkt, ökonomisch zu arbeiten. Wir müssen unser Geld selbst erwirtschaften.“ Immerhin kann dabei ein wenig helfen, dass das Kino unter Berliner Cineasten einen guten Ruf genießt und sich Besuchergruppen aus dem In- und europäischen Ausland fast wöchentlich zu Führungen anmelden, sich gewissermaßen die Klinke in die Hand geben. „Früher kamen vielleicht alle paar Monate interessierte Menschen vorbei.“ Sie alle wollen sich das Lebensgefühl einer selbstverwalteten Gemeinschaft erklären lassen: „Bei uns wird alles im Kollektiv entschieden. Als Kollektiv kommen wir ohne Chefs aus und das ist uns sehr wichtig. Anders ausgedrückt sind wir alle Chefs“, unterstreicht Andy stolz.</p>
<p>Gegenwärtig bemühe man sich um einen Erwerb des Grundstücks. „Wir stehen mit dem Bezirk, dem das Areal gehört, in Verhandlungen und könnten uns einen Erbpachtvertrag vorstellen“, bemerkt er, möchte dann aber nicht ins Detail gehen. Würden die Verhandlungen zu einem erfolgreichen Abschluss kommen, wäre das der krönende Höhepunkt im Jubiläumsjahr. „Die 30 Jahre Regenbogenfabrik haben wir ja bereits ausgiebig gefeiert. Mit einer Lesung im Café zum Häuserkampf in Berlin, mit einem Sektempfang für politische Unterstützerinnen und Unterstützer, mit einer Filmvorführung zur solidarischen Ökonomie und natürlich mit unserem Hoffest, das sehr gut besucht wurde.“ Tatsächlich scheint die Regenbogenfabrik einer der immer weniger werdenden Orte im Bezirk zu sein, in dem alternatives Leben noch möglich ist. „Die Oranienstraße ist mittlerweile eine Rennbahn. Dort spielt sich viel ab. Dort hat sich viel verändert. Wir liegen da doch zu abseits und können unser Konzept gut behaupten“, erklärt Andy die Resistenz der Regenbogenfabrik gegen die zu beobachtenden Tendenzen der Gentrifizierung.</p>
<p>Beim Verlassen des Geländes fällt der Schornstein ins Auge, der das Grundstück prägt. Er stammt noch aus einer Zeit, als hier ein Dampfsägewerk betrieben wurde. Der Schornstein steht unter Denkmalschutz und wirkt damit wie ein Leuchtturm, der anzeigt, dass hier an der Lausitzer Straße noch immer alternative Freiräume zu finden sind, die den Bezirk bereichern.</p>
<p>Berlin, den 13. März 2011 / Erschienen im Stachel Frühling 2011 www2.frieke.de/uploads/stachel_2011_04.pdf</p>
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		<title>„Ich habe die Orthodoxie für mich entdeckt“</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 13:02:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Bulgarisch-Orthodoxe Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Griechisch-Orthodoxe Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Rumänisch-Orthodoxe Kirche]]></category>

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		<description><![CDATA[Orthodoxe Kirchen feiern das Osterfest in diesem Jahr zeitgleich mit den Westkirchen. Aufgrund unterschiedlicher Kalender ist dies eine Ausnahme, aber auch ein schöner Anlass vorab drei kleinen christlich-orthodoxen Gemeinden Berlins einen Besuch abzustatten In der ehemaligen Friedhofskapelle an der Neuköllner &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=136">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Orthodoxe Kirchen feiern das Osterfest in diesem Jahr zeitgleich mit den Westkirchen. Aufgrund unterschiedlicher Kalender ist dies eine Ausnahme, aber auch ein schöner Anlass vorab drei kleinen christlich-orthodoxen Gemeinden Berlins einen Besuch abzustatten<span id="more-136"></span></strong></p>
<p>In der ehemaligen Friedhofskapelle an der Neuköllner Hermannstraße ist es klirrend kalt. Das Gebäude stammt noch aus der Kaiserzeit. Erzpriester Ljubomir Leontinov führt zu einem Heizungsschacht aus dem warme Luft strömt. Eine mit Schal und Winterjacke dick eingepackte Frau zündet Kerzen an. Sie tauchen den Raum allmählich in goldenes Licht. Herr Leontinov ist Gründer der seit 1994 bestehenden bulgarisch-orthodoxen Gemeinde in Berlin. „Die Kapelle haben wir vor acht Jahren von der Evangelischen Kirche gepachtet. Damals fehlte neben der Heizung auch das Dach.“ Nötige Sanierungen finanzieren der bulgarische Staat und spendenfreudige Gemeindemitglieder. Dennoch ist der jugendlich wirkende Geistliche frustriert. „Die Instandsetzung des maroden Hauses kostet schon jetzt 100.000 Euro mehr als ursprünglich berechnet. Vielleicht wäre ein Neubau die bessere Alternative gewesen.“ Er berichtet von ständigen Kurzschlüssen und deutet auf die prächtigen Wandmalereien, die bei genauem Hinsehen unter dem feuchten Mauerwerk leiden.</p>
<p>Von den über 5000 in Berlin lebenden Bulgaren besuchen maximal 50 regelmäßig die Gottesdienste. „Nur an hohen Feiertagen reicht der Platz in unserer Kirche des Heiligen Zaren Boris des Täufers nicht aus. Dann kommt sogar die Polizei, um ein drohendes Verkehrschaos vor dem Gotteshaus zu verhindern.“ Zudem bestehen gute Kontakte zur serbisch-orthodoxen Gemeinde, da beide ihren Gottesdienst auf Altkirchenslawisch feiern. „Wir Geistlichen vertreten uns im Notfall gegenseitig.“ Herr Leontinov greift nach einem Gesangsbuch und zeigt seltsam geschwungene Musiknoten. Deren Verwendung war im Mittelalter üblich. Heute können sie nur noch speziell ausgebildete Sänger lesen. Zu den größeren Kirchen der Stadt unterhalte man dagegen kaum Beziehungen. Verlegen bemerkt der Erzpriester, dass die Evangelische Kirche sehr gerne einen vertiefenden Dialog führen würde. „Wir haben hierfür jedoch keine personellen Kapazitäten. Gegenwärtig fließt unsere gesamte Energie in die Sanierung der Kirche.“ Ergänzend erzählt er von der früheren Heimatlosigkeit seiner Gemeinde. „Wir waren Gast anderer Kirchen und sind vier- bis fünfmal umgezogen. Jetzt haben wir endlich unser eigenes Gotteshaus.“ Dann berichtet er von dem großen Kellergeschoss. Nach der Instandsetzung könnten dort interkonfessionelle Veranstaltungen stattfinden. Immerhin sei der einmal im Monat auftretende ökumenische Kirchenchor ein Anfang, ebenso die Teilnahme an der langen Nacht der Kirchen.</p>
<p><strong>Wir sind kein abgeschotteter Kreis</strong></p>
<p>Geldnöte kennt auch die rumänisch-orthodoxe Kirchengemeinde. Seit der Wirtschaftskrise hält der rumänische Staat zugesagte Finanzmittel für einen Kirchenneubau zurück. Gegenwärtig ist das Gotteshaus der Gemeinde ein unscheinbarer Flachdachbau der 60er Jahre, der zunächst als Wohnhaus genutzt wurde. Er liegt an der viel befahrenen Heerstraße in Westend. „Wir haben die Baugenehmigung und einen deutschen Architekten, der uns eine repräsentative Kirche im mittelalterlichen moldawischen Stil mit einem 27 Meter hohen Turm bauen könnte“, schwärmt Florea Eremia, Vorsitzender der Gemeinde. Sein Stellvertreter, Sascha Goretzko, zeigt sich jedoch verhalten pessimistisch. „Neben der Wirtschaftskrise herrscht in Bukarest zurzeit politisches Durcheinander. Ob und wann zugesagte Gelder fließen, bleibt daher ungewiss.“ Herr Goretzko ist Deutscher und war früher protestantischer Christ. „Bei meinen zahlreichen Reisen nach Rumänien habe ich irgendwann die Orthodoxie für mich entdeckt.“ In Berlin genieße er die Atmosphäre der Gemeinde, der auffallend viele junge Menschen angehörten. „Sie sehen in der Kirche der Erzengel Michael und Gabriel auch einen kulturellen Treffpunkt fernab der Heimat.“ Immerhin seien viele der geschätzten 2500 Rumänen Berlins erst seit wenigen Jahren in der Stadt. Ein abgeschotteter Kreis wäre die Gemeinde aber nicht. „Wir sind sehr an Kontakten zu anderen Kirchen interessiert“, betont Herr Goretzko „Neben freundschaftlichen Beziehungen zu den orthodoxen Kirchen pflegen wir den Kontakt zur Evangelischen Kirche und organisieren gemeinsame Feste.“ Zudem würde der neue Pfarrer Clement den Gottesdienst teilweise auf Deutsch feiern, um nicht-rumänische Freunde und Ehepartner der Gemeindemitglieder einzubinden. Der aus Leipzig kommende Clement ist Nachfolger des im vergangenen Sommer tödlich verunglückten Pfarrers Constantin. Dieser war bei Abrissarbeiten am Gemeindehaus von herabstürzendem Mauerwerk erschlagen worden. Auch er träumte von einen neuen Gotteshaus.</p>
<p><strong>Mit Freude zum Ökumenischen Kirchentag nach München</strong></p>
<p>Die griechisch-orthodoxe Gemeinde in Steglitz plant keinen Kirchenwechsel. Ihr Gotteshaus ist ein einstöckiger Bau im 70er Jahre Stil, den die Evangelische Kirche zur Verfügung gestellt hat. Am Sonntag nach dem Fest der Wasserweihe ist das Gebäude mit über einhundert Gläubigen bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Wasserweihe erinnert an die Taufe Jesu im Jordan und wurde im Januar erstmals auch an der Spree gefeiert. Weihrauch liegt in der Luft. Pfarrer Emmanuel Sfiatkos berichtet sichtlich zufrieden von der großen Medienpräsenz während der Wasserweihe. Begeistert lädt er alle Anwesenden zur Teilnahme im kommenden Jahr ein. Dann sollen an der Zeremonie weitere christliche Gemeinschaften teilnehmen.</p>
<p>Seine Gemeinde besteht seit den 60er Jahren. Sie ist das christlich-orthodoxe Zentrum der zirka 10.000 Griechen Berlins. „Unsere Kirche der Himmelfahrt Christi ist ein Bindeglied in die alte Heimat“, betont Herr Sfiatkos nach dem Gottesdienst in seinem Büro. Da er selbst aus Duisburg stammt und in München studiert hat, unterstreicht er aber auch, dass die Gemeinde in Deutschland angekommen sei. „Bei uns gibt es nicht mehr den klassischen Gastarbeiter.“ Als stellvertretender Vorsitzender des Ökumenischen Rates Berlin Brandenburg setze er sich persönlich sehr stark für den interkonfessionellen Dialog ein. Im Mai reise er deshalb mit Freude zum Ökumenischen Kirchentag nach München. Dabei dürfe, seiner Meinung nach, die soziale Arbeit in der Gemeinde nicht vernachlässigt werden. „Ich verstehe meine Hauptaufgabe als Dienst an der Gemeinde.“ Weshalb mittellose Mitglieder das Monatsticket der bvg bezahlt oder gespendete Weihnachtsgeschenke erhalten würden. „Das alles funktioniert aber nur mit Hilfe der vielen engagierten Ehrenamtlichen.“ Einer davon steht plötzlich im Büro. Er möchte darauf hinweisen, dass er nun Schnee schippen wird. Der Alltag nach der ersten Wasserweihe Berlins hat spätestens jetzt auch Herrn Sfiatkos wieder.</p>
<p><strong>Kasten:</strong> Die Kalender der West- und Ostkirche</p>
<p>Papst Gregor XIII. ließ 1582 eine Kalenderreform durchführen. Der nach ihm benannte Gregorianische Kalender bedeutete das Überspringen von zehn Tagen: Dem 4. Oktober folgte unmittelbar der 15. Oktober. Aufgrund ihrer Konkurrenz zur katholischen Kirche verweigerten orthodoxe Kirchen die Übernahme dieses Kalenders und hielten am Julianischen Kalender fest, der von Julius Caesar eingeführt worden war. Auf einer Konferenz im syrischen Aleppo im Jahr 1997 diskutierten Teilnehmer die Festlegung eines gemeinsamen Osterdatums. Eine Einigung konnte jedoch bis heute nicht erzielt werden.</p>
<p><strong>Kasten: </strong>Die orthodoxen Kirchengemeinden Berlins</p>
<p>Die christlich-orthodoxe Gemeinschaft besteht aus mehreren selbst verwalteten Kirchen. Diese sind landsmannschaftlich organisiert. Im multikulturellen Berlin bestehen für nahezu alle christlich-orthodoxen Gläubigen solchermaßen organisierte Kirchengemeinden. Die bulgarisch-, griechisch- und rumänisch-orthodoxen Gemeinden feierten gemeinsam die Wasserweihe. Daher galt ihnen der Besuch.</p>
<p>Berlin, den 15. Januar 2010 / Erschienen in &#8222;die kirche XX&#8220;</p>
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		<title>„Mein Gott, wie sieht das denn hier aus“</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 12:57:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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		<category><![CDATA[Kreuzberg; Islamophobie]]></category>
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		<description><![CDATA[Seit Thilo Sarrazins Beitrag zum vermeintlichen Integrationsunwillen türkisch- und arabischstämmiger Menschen häufen sich Ressentiments bei Stadtrundfahrten durch Kreuzberg. Die Erfahrungen eines Stadtführers Die Umar-Ibn-Al-Khattab-Moschee hat sich architektonisch hervorragend dem Straßenbild angepasst. Lediglich die angedeuteten Minarette auf dem Dach und der &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=129">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Seit Thilo Sarrazins Beitrag zum vermeintlichen Integrationsunwillen türkisch- und arabischstämmiger Menschen häufen sich Ressentiments bei Stadtrundfahrten durch Kreuzberg. Die Erfahrungen eines Stadtführers<span id="more-129"></span></strong></p>
<p>Die Umar-Ibn-Al-Khattab-Moschee hat sich architektonisch hervorragend dem Straßenbild angepasst. Lediglich die angedeuteten Minarette auf dem Dach und der orientalische Touch lassen erkennen, dass es sich bei dem Gebäude um eine Moschee handelt. Es ist die zweitgrößte der Stadt. Viel Glas vermittelt Transparenz und tatsächlich sind Interessierte im Gotteshaus jederzeit herzlich willkommen. Wenn etwas stört, dann vielleicht die Deutschlandfahne vor der Moschee. Sie will nicht so recht zum politisch links geprägten Quartier rund um den Görlitzer Bahnhof passen.</p>
<p>Birol Ucan vom Vorstand für Öffentlichkeitsarbeit ist sichtlich Stolz auf das schöne Haus, das im vergangenen Jahr Eröffnung feierte. Islamophobe Sprüche seien ihm noch nicht zu Ohren gekommen und Drohungen habe seine Moschee bisher auch noch keine erhalten. Die Besuchergruppen, mit denen er sprechen würde, seien eher gegen die Thesen Sarrazins.</p>
<p>Er kennt die Kommentare der Touristen nicht, die in Reisebussen sein Gotteshaus passieren. Es ist zwar nur eine Minderheit, die sich abfällig bis hasserfüllt äußert. Doch ihre Zahl ist seit Thilo Sarrazins Thesen vom Integrationsunwillen türkisch- und arabischstämmiger Menschen merklich gestiegen. „Die gehört hier nicht hin“, ist schnell dahin gesagt. „Das hier ist nicht mehr Deutschland“, ein anderes häufig gehörtes Statement. „Die sollen abhauen, dorthin, wo sie herkommen“, hat dann schon einen aggressiveren Unterton.</p>
<p>Was ist passiert? Vergessen der Sommer der Fußball-WM in Südafrika, als Mesut Özil erfolgreich für Deutschland gegen den Ball trat. Als die größte Deutschlandfahne in Neukölln hing und sich die kritisch beäugten Kopftuchmädchen die deutschen Farben auf ihre Wangen malten? Jetzt sind sie wieder ganz normale Kopftuchmädchen, so genannte „Pinguine“, die zwar in Berlin geboren wurden, aber nach Ansicht so mancher Touristen nicht nach Berlin gehören.</p>
<p>Immerhin ist das Interesse an Kreuzberg und Neukölln bei vielen Reisegruppen gestiegen: „Wir wollen mal dahin, wo die ganzen Türken wohnen“, ist ein immer wieder geäußerter Wunsch. Eine gewisse Enttäuschung folgt, wenn sich dann kein Ghetto auftut, das von finster dreinblickenden Menschen bewohnt wird.</p>
<p>Doch hartnäckig werden Ressentiments gepflegt und längst Überholtes zum Besten gegeben.</p>
<p>Selbst der Klassiker, dass Türken massenhaft nach Deutschland einwandern würden, um schmarotzend die Sozialleistungen einzufordern, ist wieder zu hören. Tatsächlich verlassen mehr türkischstämmige Deutsche das Land als Türken einwandern. Sorgen machen sollte es vielmehr, dass diejenigen, die gehen, zum großen Teil hoch qualifiziert sind. Sowie der Sachverhalt, dass von den hoch qualifizierten Neubürgern viele nicht die Anstellung finden, die ihrer Ausbildung entsprechen müsste.</p>
<p>Stattdessen hat ein Biedermann und ein Brandstifter in den letzten Monaten dafür gesorgt, dass viele Menschen ein Gefühl des nicht erwünscht seins beschlich. Andere hat der Biedermann darin bestärkt „endlich mal sagen zu dürfen, was sowieso alle denken: Wir habe zu viele Ausländer.“ Und so verwundert es nicht, dass eine Frau in den Bus ruft: „Mein Gott, wie sieht das denn hier aus!“ Doch diesmal muss ich ein wenig in mich hineinlachen. Wir erreichen gerade von Friedrichshain kommend das von Gentrifizierung bedrohte Quartier rund um die Oberbaumbrücke. Junge Menschen aus aller Welt bestimmen das Straßenbild. Es sind Touristen, Studenten, Kreative und Überlebenskünstler. Eine Szene voll pulsierenden Lebens. So wie man sie sich in einer modernen Metropole nur wünschen kann und weshalb so viele Menschen nach Berlin kommen. Da war die Frau wohl ein bisschen voreilig.</p>
<p>Berlin, XX / Erschienen im Stachel XX</p>
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