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	<title>Alexander Jossifidis &#187; Politik</title>
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		<title>Ich bete für den Frieden</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 13:51:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Seit dem 9. Januar läuft ein einwöchiges Referendum über die politische Zukunft des südlichen Sudan. Die Weichen stehen auf Unabhängigkeit einer Region von der Fläche Frankreichs. Die Menschen des Südsudan sind zumeist Christen oder Anhänger traditioneller afrikanischer Religionen, die Mehrheit &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=176">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Seit dem 9. Januar läuft ein einwöchiges Referendum über die politische Zukunft des südlichen Sudan. Die Weichen stehen auf Unabhängigkeit einer Region von der Fläche Frankreichs. <span id="more-176"></span>Die Menschen des Südsudan sind zumeist Christen oder Anhänger traditioneller afrikanischer Religionen, die Mehrheit der Sudanesen dagegen Muslime. Dieser Gegensatz, aber auch die Diskriminierung der schwarzafrikanischen Bevölkerung durch eine arabische Elite bestimmten einen Jahrzehnte andauernden Bürgerkrieg mit über zwei Millionen Toten. Im Januar 2005 erfolgte ein Friedensvertrag, der nun die Unabhängigkeit des Südens ermöglichen soll.</p>
<p>Der bitterarme Südsudan kann als Startkapital mit reichen Erdölvorkommen aufwarten. Sie umfassen 80 Prozent des sudanesischen Erdöls. Begehrlichkeiten des Nordens wecke dies jedoch nicht, versichert Rodwan Osman Said Ibrahim. Er ist zweiter Sekretär der sudanesischen Botschaft in Berlin und betont vielmehr, dass die Regierung in der Hauptstadt Khartum den Ausgang des Referendums akzeptieren würde. Dabei spiele es keine Rolle, wie das Referendum ausfalle. Ein erneuter Waffengang wäre für alle Seiten ein Fiasko. Eine ökonomische Kooperation sei dagegen die bessere Alternative. „Sie haben das Öl und wir die Pipelines und Häfen für den Export“, bringt es der Diplomat auf den Punkt.</p>
<p>Vor dem Hintergrund der zu erwartenden Unabhängigkeit sind bereits zahlreiche Südsudanesen aus Deutschland in die alte Heimat zurückgekehrt. Dort arbeiten sie zumeist als Fachkräfte oder Berater von Hilfsorganisationen, wie dem World Food Programm der Vereinten Nationen. Ulrich Delius, Sudan-Experte der Gesellschaft für bedrohte Völker in Göttingen, vermutet nur noch zirka 30 Südsudanesen in Deutschland. Ihre Anzahl belief sich jedoch selbst in den Hochzeiten auf kaum mehr als 70 Menschen. Einer von ihnen ist der in Berlin tätige Arzt Arkangelo Modesto. Er ist ehrenamtlicher Präsident des SudanClub, einer Begegnungsstätte für Nord- und Südsudanesen in Charlottenburg. Nach Berlin kam er infolge eines Abkommens, das die DDR mit dem Sudan zur Ausbildung sudanesischer Ärzte geschlossen hatte. Seine Freude über die bevorstehende Unabhängigkeit ist groß. Doch ein wenig Besorgnis bezüglich möglicher Gewalt während der Abstimmung schwingt in seinen Worten mit. „Ich bete für den Frieden und werde während des Referendums meine sudanesischen Freunde treffen.“</p>
<p>Zwar würde der Südsudan als unabhängiger Staat politisch und ökonomisch nicht bei Null beginnen, doch Modesto unterstreicht, dass die Hilfe Europas und der USA in Zukunft unabdingbar seien. Es fehle an Infrastruktur, einem funktionierenden Gesundheitswesen und ausreichend Nahrung für die Menschen. Der sympathische Arzt plant, bald selbst in den Sudan zu reisen. „Gerne möchte ich das Krankenhaus wieder aufbauen, in dem ich früher einmal gearbeitet habe.“</p>
<p>Trotz großer Armut sieht er positiv in die Zukunft. „Wir haben ausreichend qualifizierte Männer und Frauen, die einen funktionierenden Staat aufbauen können.“ Die Stabilität des Staates hänge allerdings auch von demokratischen Strukturen ab, die ebenfalls noch entstehen müssten. Zum Abschied betont er noch, dass trotz der emotionalen Wunden des Bürgerkrieges Nord- und Südsudanesen in guter Nachbarschaft leben sollten. So wie sie es in Berlin praktizieren würden &#8211; von einer friedlichen Nachbarschaft könnten schließlich alle Menschen profitieren. Auch und gerade im Sudan.</p>
<p>Berlin, den 5. Januar 2011 / Erschienen in die kirche</p>
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		<title>Rezension:  Keith Brown: The past in question: modern Macedonia and the uncertainties of nation.</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 13:44:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<category><![CDATA[makedonische Identität]]></category>

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		<description><![CDATA[Published by Princeton University Press, 41 William Street, Princeton, New Jersey 08540. In the United Kingdom: Princeton University Press, Market Place, Woodstock, Oxfordshire OX20 1SY. ISBN 0-691-09994-4 Copyright 2003. Preis ca. $ 18,95 &#160; Erinnerungen an bedeutsame Ereignisse der Vergangenheit &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=169">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Published by Princeton University Press, 41 William Street, Princeton, New Jersey 08540. In the United Kingdom: Princeton University Press, Market Place, Woodstock, Oxfordshire OX20 1SY. ISBN 0-691-09994-4 Copyright 2003. Preis ca. </strong><strong>$ 18,95<span id="more-169"></span></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Erinnerungen an bedeutsame Ereignisse der Vergangenheit stellen bei der Herausbildung einer <em>kollektiven Identität</em> eine nicht zu vernachlässigende Größe dar. Die in diesem Zusammenhang vorkommenden Schauplätze nehmen ihrerseits eine zentrale Funktion ein, da sie den vergangenen Ereignissen einen Namen geben. Dies führt bisweilen dazu, dass einzelne Orte nicht mehr als Orte an sich wahrgenommen werden, sondern vielmehr als Synonyme für zurückliegende Geschehnisse. Zu den bekanntesten Schauplätzen zählen Städte wie Auschwitz oder Hiroschima, die selbst Nichtbetroffene unwillkürlich an die dort stattgefundenen Ereignisse denken lassen.</p>
<p>Im Rahmen der makedonischen Nationalgeschichte kommt der kleinen Gemeinde Kruševo eine ähnliche Bedeutung zu. In dem nördlich von Bitola gelegenen Bergstädtchen fand eine antiosmanische Erhebung im August 1903 ihren Höhepunkt, als christlich-orthodoxe Aufständische die sogenannte <em>Republik von Kruševo </em>ausriefen. Zwar konnte die osmanische Staatsmacht die Erhebung binnen weniger Wochen niederschlagen, doch überlebte der Mythos dieser <em>Republikgründung</em> die kurze Dauer ihres tatsächlichen Bestehens. So stellt sie mittlerweile einen wichtigen Bestandteil der nationalen makedonischen Historiographie dar, vor allem weil die <em>Republik von Kruševo</em> als früher Versuch einer makedonischen Staatsgründung interpretiert wird.</p>
<p>Die historische <em>Sonderrolle</em> Kruševos veranlasste den ausgewiesenen Makedonien-Experten Keith Brown, die politische Geschichte Makedoniens im 20. Jahrhundert anhand der lokalen Geschehnisse nachzuzeichnen. Sein Buch erzählt eine Stadtchronik, die mit der Proklamation der <em>Republik von Kruševo </em>beginnt und welche in der Jetztzeit endet. Dabei gelingt es ihm besonders eindrucksvoll aufzuzeigen, wie sich die im Laufe der Jahrzehnte ändernden überregionalen Rahmenbedingungen auf das Leben und die gesellschaftspolitischen Einstellungen der Einwohnerschaft auswirkten.</p>
<p>Als Bestandteil des Osmanischen Reiches wurde die Stadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Objekt rivalisierender nationaler beziehungsweise kirchenpolitischer Machtstrategen bulgarischer, griechischer und rumänischer Provenienz. Während der anschließenden Zugehörigkeit zum Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen erfuhr die Einwohnerschaft staatlich gelenkte Serbisierungsmaßnahmen. Denen stellte sich eine <em>IMRO </em>genannte Untergrundorganisation mit terroristischen Mitteln entgegen. Der Zweite Weltkrieg ließ wiederum eine kurze bulgarische Besatzungszeit zu, während derer die neuen Entscheidungsträger den bulgarischen Charakter der <em>Republik von Kruševo</em> besonders hervorhoben. Neben Sympathisanten dieses Regimes gab es in der Gemeinde jedoch auch deren Gegner, die sich schließlich der Partisanenbewegung anschlossen. Es folgte die kommunistisch geprägte Nachkriegszeit in einem Jugoslawien, welches eine makedonische Nation als tragende Säule eines föderal strukturierten Staates bestimmte und gleichzeitig die ökonomischen Lebensgrundlagen radikal änderte. In diese Zeit fiel auch die Errichtung eines in seiner Gestaltung umstrittenen Denkmalparks in Kruševo, das an den Aufstand von 1903 erinnern soll. Mit der Unabhängigkeitserklärung der makedonischen Republik im Jahre 1991 nahmen die Rahmenbedingungen letztmalig einen neuen gesellschaftspolitischen Charakter an. Hier endet die <em>Zeitreise </em>durch das Kruševo des 20. Jahrhunderts.</p>
<p>Keith Brown lässt in seinem Werk fast ausschließlich Zeitzeugen aus der Gemeinde zu Wort kommen. Damit wählt er eine Perspektive auf die Geschehnisse in Kruševo, die nicht durch den Filter wissenschaftlicher Analysen gezogen wurden. Dies führt wiederum dazu, den Facettenreichtum an Interpretationen bezüglich lokaler Ereignisse während wechselnder politischer Rahmenbedingungen aufzuzeigen. Insofern ein durch und durch gelungenes Buch.</p>
<p>Berlin, den 31. März 2004 / Erschienen in Forschungsplattform Südosteuropa 5. April 2004 http://fpsoe.de/index.php?id=52&amp;no_cache=1&amp;tx_fpsoereview_pi1[pointer]=2&amp;tx_fpsoereview_pi1[mode]=1&amp;tx_fpsoereview_pi1[sort]=crdate%3A1&amp;tx_fpsoereview_pi1[showUid]=18&amp;tx_fpsoereview_pi1[dl]=1</p>
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		<title>Buchbesprechung Teil II. Colin Crouch. Postdemokratie.</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 13:42:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Postdemokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Suhrkamp 2008 Bereits in der Ausgabe Winter 2009 besprach der Stachel das Buch Postdemokratie. Die Publikation ist aktueller denn je, wie die politische Entwicklung der letzten Monate zeigt. &#160; Ministerpräsident Roland Koch hatte irgendwann kein Interesse mehr daran, das Land &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=167">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Suhrkamp 2008</strong></p>
<p><strong>Bereits in der Ausgabe Winter 2009 besprach der Stachel das Buch Postdemokratie. Die Publikation ist aktueller denn je, wie die politische Entwicklung der letzten Monate zeigt. <span id="more-167"></span></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ministerpräsident Roland Koch hatte irgendwann kein Interesse mehr daran, das Land Hessen zu regieren. Es zog ihn in die Wirtschaft und so sagte er ohne den Anflug schlechten Gewissens leise servus. Die Bewohnerinnen und Bewohner Hessens hatten ihn zwar gewählt, doch ihr Aufschrei der Entrüstung blieb aus.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Für den Politikwissenschaftler Colin Crouch ist ein solches Verhalten typisch für einen postdemokratischen Staat. Auf der einen Seite stehen Politiker im Sog der Wirtschaft, auf der anderen Seite finden sich politisch apathische Bürgerinnen und Bürger. Sie werden aufgefordert, alle paar Jahre zu den Wahlurnen zu schreiten, um der Welt den Anschein einer Beteiligung am politischen Geschehen vorzugaukeln. Dabei sind die Wahlkämpfe, nach Colin Crouch, lediglich ein Spektakel, in dem konkurrierende Teams von professionellen PR-Strategen Debatten vorgeben. Die Mehrheit der Bevölkerung bleibt außen vor. Sie verhält sich passiv, reagiert allenfalls auf die Themenvorgaben der PR-Strategen oder wendet sich ganz ab. Die geringen Wahlbeteiligungen der vergangenen Jahre sprechen diesbezüglich eine deutliche Sprache.</p>
<p>Aber warum sollte sich die Bevölkerung auch engagieren? Hinter verschlossenen Türen findet, so Colin Crouch, die reale Politik statt. Dort würden die alles entscheidenden Treffen der Regierenden mit den Lobbyisten der Wirtschaft stattfinden. Dabei würde den Politikerinnen und Politikern eingetrichtert, dass eine bedingungslose Unterstützung der Wirtschaft entscheidend für das Allgemeinwohl sei. Doch dem ist tatsächlich nicht so, denn der Markt ist zuvorderst gewinnorientiert und hat daher mit der Fürsorgepflicht des Staates wenig am Hut. Dennoch breitet sich der Markt immer weiter aus und übernimmt allmählich auch öffentliche Bereiche. Als Folge wird der Wohlfahrtsstaat Schritt für Schritt abgeschafft, Sozialleistungen gekürzt. Gleichzeitig scheint es aber Gesetz, den Markt nicht zu kritisieren. Die Botschaft lautet: Der Markt reguliere sich selbst und mache somit alles richtig. Die Parteien seien dagegen die Unkompetenten. Wenn der Markt also angeblich ohne Alternative ist und parallel die Politik bestimmt, warum sollen die Menschen dann überhaupt noch zur Wahl gehen? Mitgestalten können sie ja nicht. Selbst die Politikerinnen und Politiker reagieren letztlich nur noch auf den Markt. Zuletzt ist das besonders dadurch aufgefallen, dass sie Bankenrettungen oder die Finanzkrisenbewältigung diskutierten.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund wünscht sich Colin Crouch eine neue politische Bewegung. Sie soll die Dominanz der marktorientierten Eliten brechen. In der Vergangenheit hätten die Frauenbewegung und die ökologische Bewegung das politisch Etablierte erschüttert. Nun bräuchte es wieder einen Neuanfang. Die Proteste gegen die Abrissmaßnahmen und Umbauten des Stuttgarter Hauptbahnhofes können durchaus als ein Ausdruck des erstarkenden Widerstandes gewertet werden. Denn längst geht es vielen Protestierenden nicht mehr nur um den Bahnhof selbst. Sie protestieren zuvorderst gegen die Arroganz der Macht. Sorge bereitet Colin Crouch, dass die Unzufriedenheit und Ohnmacht gegenüber den politischen Verhältnissen von extremistischen Gruppen ausgenutzt werden könnte. Dabei verweist er auf das Erstarken rechtspopulistischer Parteien, die den politisch Heimatlosen Antworten und Zukunftsoptionen offerieren würden. Hierzulande konnte ein Thilo Sarrazin mit diskriminierenden Äußerungen tatsächlich seine Popularität extrem steigern. Aus Mitmenschen machte er wieder Ausländer. Eine Vokabel, die längst ausrangiert schien und nun leider Renaissance feiert. Insofern eine spannende Diagnose der westlichen Gesellschaft, die mit Blick auf das Jahr 2010 und die ersten Monate 2011 nichts an ihrer Aktualität eingebüßt hat.</p>
<p>Berlin, den 16. Dezember 2010 / Erschienen im Stachel Frühjahr 2011 www2.frieke.de/uploads/stachel_a3_2011_02.pdf</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Rezension: Heinz A. Richter: Operation Merkur. Die Eroberung der Insel Kreta im Mai 1941. Harrassowitz Verlag Wiesbaden 2011.</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 13:34:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Griechenland]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Kreta]]></category>
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		<description><![CDATA[Vor siebzig Jahren fand auf der Insel Kreta eine der ungewöhnlichsten Schlachten des Zweiten Weltkrieges statt: Es war die erste Luftlandeoperation zur Eroberung eines großflächigen Territoriums. Dabei war die angreifende Partei den Verteidigern nicht nur zahlenmäßig unterlegen. Die Verteidiger kannten &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=165">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Vor siebzig Jahren fand auf der Insel Kreta eine der ungewöhnlichsten Schlachten des Zweiten Weltkrieges statt: Es war die erste Luftlandeoperation zur Eroberung eines großflächigen Territoriums. Dabei war die angreifende Partei den Verteidigern nicht nur zahlenmäßig unterlegen. Die Verteidiger kannten zudem die Angriffspläne und verloren trotzdem.<span id="more-165"></span></p>
<p>Der Griechenland-Experte Heinz A. Richter hat nun ein spannendes Buch hierüber geschrieben. Er schildert fast schon minutiös die Eroberung der Insel Kreta durch die deutsche Wehrmacht und die militärische Unterstützung seitens ihres italienischen Verbündeten. Dem Autor ist hoch anzurechnen, dass bei seinen Ausführungen keine zweifelhafte Landserromantik bedient wird. Hierfür sorgt schon alleine ein Perspektivwechsel, der auch der britischen Kriegspartei und ihren Verbündeten breiten Raum zugesteht.</p>
<p>Zu den Verteidigern der Insel zählten Irreguläre, kretische Partisanen, welche aufgrund ihrer schlechten Bewaffnung deutsche Soldaten zumeist aus dem Hinterhalt attackierten. Was als Reaktion wiederum so genannte Sühnemaßnahmen provozierte. Spätestens hier sieht Heinz A. Richter aus einem „sauberen“ Feldzug einen „schmutzigen“ Krieg werden. Wobei natürlich diskutiert werden kann, wo die Grenzen zu ziehen sind zwischen erlaubten und nicht erlaubten Töten. Mit anderen Worten: Gibt es überhaupt „saubere“ Feldzüge?</p>
<p>Abseits dieser Frage schlüsselt das Buch den Sinn und Zweck der Eroberung Kretas auf. Heinz A. Richter erklärt die strategische Bedeutung der fünftgrößten Mittelmeerinsel und bettet gekonnt das dargestellte Kriegsgeschehen in eine Analyse der politischen Rahmenbedingungen. Auf diese Weise entsteht ein Gesamtüberblick, der <em>Operation Merkur</em> nicht nur für Militärhistoriker lesenswert macht. Das Buch ist vielmehr allen Interessierten am Verlauf des Zweiten Weltkrieges zu empfehlen.</p>
<p>Heute lohnen Besuche der nachdenklich stimmenden Soldatenfriedhöfe und Gedenkorte Kretas, die an die Kämpfe von vor siebzig Jahren erinnern. Das eigentliche Geschehen ist dagegen immer weniger Menschen bekannt. Das Buch von Heinz A. Richter ist ein Beitrag, um dieses Kapitel deutscher, griechischer und angelsächsischer Geschichte wieder in Erinnerung zu rufen.</p>
<p>Berlin, 10. Februar 2011 / Erschiene in Griechenland Zeitung</p>
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		<title>Rezension: Heinz A. Richter Geschichte der Insel Zypern Band IV: 1965-1977 (Teil 1 und 2)</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 13:33:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Zypern]]></category>

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		<description><![CDATA[Ruhpolding: Verlag Franz Philipp Rutzen 2009 In Kommission bei Harrassowitz Verlag Wiesbaden, Seiten 735 ISBN 978-3-939646-33-5 ISBN 978-3-447-05943-5 &#160; &#160; Im vierten Band seiner lesenswerten Geschichte der Insel Zypern bespricht Heinz A. Richter die Entwicklung des Landes vom Ende des &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=163">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ruhpolding: Verlag Franz Philipp Rutzen 2009<br />
In Kommission bei Harrassowitz Verlag Wiesbaden, Seiten 735<br />
ISBN 978-3-939646-33-5<br />
ISBN 978-3-447-05943-5</p>
<p><span id="more-163"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Im vierten Band seiner lesenswerten Geschichte der Insel Zypern bespricht Heinz A. Richter die Entwicklung des Landes vom Ende des zypriotischen Bürgerkrieges 1965 bis zum Tod des langjährigen zypriotischen Präsidenten Makarios im Jahr 1977. Der Band gliedert sich in vier Teile, die wiederum vier Perioden der zypriotischen Geschichte entsprechen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Zunächst beleuchtet Heinz A. Richter die späten 60er Jahre und legt dabei die politische Instabilität des Landes offen. Staatschef Makarios bekannte in dieser Phase öffentlich, dass die von vielen griechischen Zyprioten gewünschte Vereinigung Zyperns mit Griechenland aufgrund vorherrschender Realitäten nicht machbar sei. Ein Kurswechsel, der zu Spannungen mit Befürwortern der Vereinigung führte. In einem nationalistisch aufgeladenen politischen Klima torpedierten radikale Kräfte durch gewalttätige Übergriffe das Bemühen eines interkommunalen Dialogs zwischen griechischen und türkischen Inselbewohnern und schreckten selbst vor einem Attentat auf Makarios nicht zurück.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die zweite Periode kann mit dem Weg in die Katastrophe überschrieben werden. Heinz A. Richter schildert anschaulich die terroristischen Aktivitäten der griechisch-zypriotischen Untergrundbewegung EOKA B, deren Ziel eine Vereinigung Zyperns mit Griechenland war. Die blutige Kampagne der EOKA B spaltete nicht nur die griechisch-zypriotische Gemeinschaft in die Fraktionen der Makarios-Anhänger und Makarios-Gegner sondern stärkte gleichzeitig auch die Verfechter separatistischer Losungen innerhalb der türkisch-zypriotischen Bevölkerung.</p>
<p>In die Auseinandersetzungen mischte sich schließlich die Athener Junta ein. Um ihre schwindende Macht in Griechenland zu stoppen, setzte sie auf einen außenpolitischen Erfolg und organisierte einen Putsch auf Zypern. Dessen Abschluss, sofern erfolgreich, zur Vereinigung der Insel mit Griechenland führen sollte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Im dritten Teil seines Bandes beschreibt Heinz A. Richter den dramatischen Verlauf und die tragischen Konsequenzen des von griechisch-zypriotischen Nationalgardisten ausgeführten Umsturzes. Präsident für kurze Zeit wurde der als Türkenkiller berüchtigte Nikos Sampson. Neben den türkischen Zyprioten reagierte auch die türkische Regierung in Ankara besorgt. Wissend, dass die US-amerikanische Außenpolitik die Türkei als strategischen Partner in der Region benötigte und daher nicht eingreifen würde, ließ sie die Interventionsoperation Attila anlaufen. Sie führte zur Besetzung eines Teils der Insel und war begleitet von Gräueltaten auf beiden Seiten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Heinz A. Richter schließt seinen Band mit einer Beschreibung der Verhandlungen über die politische Zukunft Zyperns in den ersten Jahren nach der Besetzung. Hier wurden Grundlagen geschaffen, die noch heute das Leben auf der Insel prägen. Ferner analysiert er die Rolle, die Makarios, eine herausragende Persönlichkeit der zypriotischen Politik dieser Zeit, spielte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Autor zählt zu den wenigen deutschen Experten der zypriotischen Geschichte. Bereits seit Jahrzehnten setzt er sich kenntnisreich mit den politischen Entwicklungen auf der Mittelmeerinsel auseinandersetzt. Dies ist der Abhandlung deutlich anzumerken. Der vierte Band der Geschichte der Insel Zypern ist ein faktenreich und spannend zu lesendes Standardwerk. Die Darstellung konzentriert sich nicht ausschließlich auf den engen innerzypriotischen Kontext. Sie bindet gleichermaßen außerzypriotische Akteure mit ein. Auf diese Weise entsteht ein umfassendes Bild der damaligen Ereignisse. Der Band beschreibt sie detailliert und bleibt trotzdem ein kurzweilig zu lesendes Werk von 735 Seiten. Zur besseren Handhabung ist es aufgeteilt auf zwei Bücher. Der vierte Band der Geschichte der Insel Zypern ist eine Empfehlung für all diejenigen, welche die entscheidenden Jahre der jüngeren zypriotischen Geschichte rekapitulieren und dadurch mehr über die Ursprünge der heutigen Situation auf der Insel erfahren möchten.</p>
<p>Berlin, den 20. Mai 2009 Erschienen in den Südosteuropa Mitteilungen</p>
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		<title>Rezension: Heinz A. Richter Geschichte der Insel Zypern Band III: 1959-1965</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 13:30:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Zypern]]></category>

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		<description><![CDATA[Ruhpolding: Verlag Franz Philipp Rutzen 2007, Seiten 644 ISBN 3-938646-12-5 &#160; &#160; Heinz A. Richter bespricht in seinem dritten Band der Geschichte der Insel Zypern die ersten Jahre des unabhängigen Staates. Zu Beginn seiner Analyse zeigt er, dass Zypern mit &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=160">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ruhpolding: Verlag Franz Philipp Rutzen 2007, Seiten 644<br />
ISBN 3-938646-12-5</p>
<p><span id="more-160"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Heinz A. Richter bespricht in seinem dritten Band der Geschichte der Insel Zypern die ersten Jahre des unabhängigen Staates. Zu Beginn seiner Analyse zeigt er, dass Zypern mit schweren politischen Hypotheken in die Unabhängigkeit von Großbritannien entlassen wurde. Die ehemalige Kolonialmacht sicherte sich flächenmäßig ausgedehnte Militärbasen. Darüber hinaus war es auch Griechenland und der Türkei erlaubt, Militär auf der Mittelmeerinsel zu stationieren. Allen drei Mächten stand zudem ein Interventionsrecht zu. Von einem wirklich unabhängigen Staat konnte vor diesem Hintergrund nur ansatzweise gesprochen werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ferner war die ausgearbeitete Verfassung darauf ausgerichtet, den türkischen Zyprioten, die 18 Prozent der griechisch dominierten Inselgesellschaft ausmachten, große Mitsprachemöglichkeiten einzuräumen. Eine Festlegung, die bei vielen Menschen der griechischen Mehrheitsgesellschaft großen Unmut auslöste. Konflikte traten vor allem in den von beiden Volksgruppen geprägten Städten auf. Dort richteten sie getrennte Stadtverwaltungen ein.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Im zweiten Teil seiner Abhandlung beschreibt Heinz A. Richter ein weiteres Manko des jungen unabhängigen Staates. Er wurde von einer Mehrheit der Bevölkerung in seiner als aufoktroyiert empfundenen Gestalt abgelehnt. Die griechischen Zyprioten wünschten sich in großer Zahl die Vereinigung mit dem griechischen Mutterland. Was wiederum türkische Zyprioten ablehnten. Sie diskutieren stattdessen die Teilung der Insel und den Anschluss des türkisch geprägten Territoriums an die Türkei. Während Athen und Ankara ihren Einfluss auf die Inselpolitik verstärkten, steuerte Präsident Makarios außenpolitisch einen blockfreien Kurs. In einem solchen Wirrwarr verwundert es nicht, dass sich die beiden Volksgruppen für die voraussehbaren Konflikte rüsteten. Waffen wurden ins Land geschmuggelt und paramilitärische Organisationen gebildet.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Im dritten Teil seines Bandes diskutiert der Autor den schon fast erwartbaren Bürgerkrieg der Jahre 1963 und 1964. Einer britischen Peace-Keeping-Force gelang vorerst eine Trennung der Konfliktaustragenden. Die UNO formierte ihrerseits die UNFICYP, deren Personal fortan für Ruhe und Ordnung sorgen sollte. In dieser von Gewalt geprägten Phase vollzog sich eine forcierte Binnenmigration türkischer Zyprioten und es entstanden türkische Siedlungszentren.</p>
<p>Die Auseinandersetzungen auf der Insel beeinflussten auch die Beziehungen der Mutterländer. Spannungen zwischen den beiden NATO-Staaten Griechenland und Türkei konnten jedoch den Vereinigten Staaten in Zeiten des Kalten Krieges nicht recht sein. Es folgte als Konsequenz eine vermehrte Einmischung Washingtons in die Konflikte vor Ort.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Abschließend untersucht Heinz A. Richter die Zeit nach dem Bürgerkrieg. Sie ist geprägt von zahlreichen Vermittlungsversuchen von Seiten der USA und der UNO. Letztlich gab es jedoch ausreichend viele Akteure vor Ort, welche diese Bemühungen zum Scheitern bringen wollten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Heinz A. Richter gelingt es, in seinem dritten Band der Geschichte der Insel Zypern die komplizierte politische Gemengelage während der ersten Jahre der zypriotischen Unabhängigkeit anschaulich dazustellen. Ausführlich beschreibt er, dass neben den unterschiedlichen lokalen politischen Interessengruppen auch regionale und global agierende Akteure die Politik des Staates bestimmen bzw. beeinflussen wollten. Eine Destabilisierung des politischen Systems der Insel war die zwangsläufige Folge. Die Politik fand folglich keine Lösung, die bestehenden Konflikte auf der Insel friedlich zu regeln. Doch wie sollte es ihr auch gelingen? Heinz A. Richter bringt es auf den Punkt, wenn er schreibt, dass sich damals keine zypriotische nationale Identität etablierte, die dem Staat seine Legitimation gegeben hätte. Stattdessen gab es griechische und türkische Zyprioten und sie betonten vielmehr ihr Griechisch- bzw. Türkischsein. Vielleicht der entscheidende Aspekt der profunde dargestellten Krise.</p>
<p>Berlin, den 23. Juni 2008 / Erschienen in Südosteuropa Mitteilungen</p>
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		<title>DVD Besprechung: Die 4. Revolution</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 13:26:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Solarenergie]]></category>
		<category><![CDATA[Windenergie]]></category>

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		<description><![CDATA[Ist es möglich, die Welt zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien zu versorgen? Der Dokumentarfilm Die 4. Revolution zeigt Wege zur Energiewende, von fossil-atomaren zu erneuerbaren Energiequellen &#160; Das imposante Lichtermeer der Megapolis Los Angeles, eine Fläche so groß wie &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=155">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Ist es möglich, die Welt zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien zu versorgen? Der Dokumentarfilm <em>Die 4. Revolution </em>zeigt Wege zur Energiewende, von fossil-atomaren zu erneuerbaren Energiequellen<span id="more-155"></span></h2>
<p>&nbsp;</p>
<p>Das imposante Lichtermeer der Megapolis Los Angeles, eine Fläche so groß wie Flandern, ein Verbrauch fossiler Energie so weit das Auge reicht – mit diesen Bildern beginnt der Film <em>Die 4. Revolution.</em> Es folgt ein Schnitt: Gezeigt wird nun das ländliche Mali. Mühsam quälen sich wenige Autos über kaum vorhandene Pisten. Sie steuern die Geburtsstation eines kleinen Dorfes an, in dem Hebammen notfalls mit Taschenlampen zwischen Schulter und Kinn geklemmt Geburten begleiten. Sie gehören zu den weltweit rund zwei Milliarden Menschen, die über kein elektrisches Licht verfügen, gewissermaßen im Dunkeln sitzen. Doch ein malischer Ingenieur bringt Hilfe in Form von Solartechnik. Diese ermöglicht in den ländlichen Gebieten Malis einen Entwicklungsschub. Und das wird mit sauberer, bezahlbarer Technologie erreicht. Eine Technologie, die zudem eine Energieautonomie von zumeist teuer importierten fossilen Ressourcen garantiert.</p>
<p>Dass eine solche Autonomie nicht nur auf Dorfebene möglich ist, zeigt der nächste Stopp: Dänemark. Durch die Ölkrise ausgelöst setzten die Menschen einer dänischen Region bereits vor Jahrzehnten auf alternative Energien. Mittlerweile beziehen im Nordwesten Dänemarks 50.000 Einwohner ihren Strom komplett aus Windenergie.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Ein Wettstreit zwischen Vernunft und Profit</h3>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Film möchte mit seinen Beispielen aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt Mut zur Energiewende machen. Er verzichtet weitestgehend darauf, drohende Schreckensszenarien und Umweltkatastrophen darzustellen. Stattdessen werden Fakten geliefert, die das Mögliche aufzeigen, um eine so genannte vierte Revolution zu beginnen. Eine Revolution, die Wind und Sonne gegen Öl, Gas, Uran und Kohle in Stellung bringt.</p>
<p>Gleichzeitig nennt der Film die Gegenspieler einer solchen Umwälzung. Sie heißen zum Beispiel <em>OPEC</em> (<em>Organisation Erdöl exportierender Länder</em>) oder <em>Internationale Energieagentur</em>. Deren Chef-Ökonom sieht in der Atomenergie eine saubere Energie. Angesichts der Atomkatastrophe in Japan eine seltsam anachronistisch erscheinende Meinung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Die ersten Schritte zur Revolution</h3>
<p>&nbsp;</p>
<p>Im benachbarten China ist es Gewissheit, dass das aufstrebende Land einer Energiewende folgen muss. Zwar steckt auch hier noch vieles in den vorrevolutionären Kinderschuhen. Doch nicht von ungefähr kommt der Weltmarktführer in der Herstellung von Solarzellen aus dem Land der Mitte.</p>
<p>Zum Schluss geht es zurück nach Los Angeles. Kann eine solche Stadt überhaupt mit erneuerbaren Energien versorgt werden? „Ja“, ist die überraschend kurze Antwort eines Solarexperten, der auf die großen Wüstenflächen um L.A. verweist und hier einen idealen Standort für Solaranlagen sieht. Insofern steht der vierten Revolution nichts mehr im Wege. Weder in Los Angeles noch anderswo. Sie muss nur noch in Angriff genommen werden. Ein beeindruckender Film, der unbedingt zu empfehlen ist.</p>
<p>Unter <em>www.energyautonomy.org </em>sind Filmvorführungen aufgelistet.</p>
<p>Berlin, den XX / Erschienen im Stachel XX</p>
<p><em><br />
</em></p>
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		<title>Rezension: Claus Leggewie &amp; Harald Welzer: Das Ende der Welt, wie wir sie kannten. Klima, Zukunft und die Chancen der Demokratie.</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 13:22:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Klimawandel]]></category>

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		<description><![CDATA[S. Fischer, Frankfurt am Main 2009. 278 Seiten. 19,95 Euro &#160; Der gescheiterte Klimagipfel von Kopenhagen treibt immer noch vielen Beobachterinnen und Beobachtern die Zornesröte ins Gesicht: Wie können Menschen, die an den Hebeln der Macht sitzen, eine sich anbahnende &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=149">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>S. Fischer, Frankfurt am Main 2009. 278 Seiten. 19,95 Euro<span id="more-149"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der gescheiterte Klimagipfel von Kopenhagen treibt immer noch vielen Beobachterinnen und Beobachtern die Zornesröte ins Gesicht: Wie können Menschen, die an den Hebeln der Macht sitzen, eine sich anbahnende Klimakatastrophe geschehen lassen? Wie können sie durch ihr Handeln bzw. Nicht-Handeln ruhigen Gewissens zukünftigen Generationen großen Schaden zufügen? Das Buch von Claus Leggewie und Harald Welzer gibt hierüber in beeindruckender Weise Auskunft. Die beiden Wissenschaftler des Kulturwissenschaftlichen Instituts in Essen beschreiben die Psychologie menschlichen Handelns. Sie zeigen dabei auf, dass es nicht ausschließlich skrupellose Politiker oder Wirtschaftslobbyisten sind, die an einem <em>weiter so</em> festhalten. Ein großes Stück Mitverantwortung an der Klimakrise trägt auch eine nur mühsam zum Umdenken bereite Gesellschaft, die ihre komfortablen Lebensumstände beibehalten möchte. So düster die Zukunft auch bei einem <em>weiter so </em>aussehen mag. Die Autoren liefern bezüglich dieser Schwerfälligkeit zum notwendigen Wandel mehrere verblüffende Beispiele aus der Geschichte und aus Alltagssituationen. In einem Blick zurück nennen sie exemplarisch das Unvermögen der Wikinger, sich während ihrer Besiedlung Grönlands den Gegebenheiten vor Ort anzupassen. So hielten die ersten Siedlergenerationen unbeirrt an der für Grönland ungeeigneten Viehzucht fest. Sie pflegten damit einen Lebensstil der alten Heimat, der den klimatischen Herausforderungen auf der weltgrößten Insel widersprach. Sturköpfige Wikinger? Doch ist es dann nicht ebenso sturköpfig, wenn Menschen am Rauchen festhalten, obwohl sie wissen, dass die kurzfristige Freude am Tabak auf lange Sicht gesundheitliche Schäden zur Folge haben wird?</p>
<p>Die scheinbar fehlende Kraft, lieb gewonnene Gewohnheiten aufzugeben, wird spätestens mit dem zur Neige gehen fossiler Ressourcen in einem bösen Erwachen enden. Gegenwärtig hängen 80 Prozent unseres Lebensstils von solchen Ressourcen ab. Doch wie sieht ein Dasein ohne Erdöl aus? Die beiden Autoren betonen, dass eine Krise erwartbaren Ausmaßes nicht mehr alleine von Ingenieurskunst, Unternehmergeist oder Berufspolitik gemeistert werden kann. Auch deshalb fordern Leggewie und Welzer den Mut zu einer kulturellen Revolution, an der sich möglichst alle Menschen beteiligen sollten. Individuelle Verantwortungsbereitschaft und kollektives Engagement sind für ihr Gelingen unabdingbar. Während eine basisorientierte Demokratie die besten Rahmenbedingungen liefern würde.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Das Ende der Welt, wie wir sie kannten</em> ist eine Bestandsaufnahme, ein Ausblick und ein Handlungskatalog. Das sehr lesenswerte Buch gibt nach dem gescheiterten Klimagipfel von Kopenhagen ein Stück weit Hoffnung zurück. Und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.</p>
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<p>Berlin, den 7. Juni 2010 / Erschienen im Stachel Sommer 2010 www.frieke.de/stachel/3534030.html</p>
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		<title>Als Kollektiv kommen wir ohne Chefs aus</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 13:06:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Alternatives Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Kreuzberg]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Regenbogenfabrik in Kreuzberg feiert 30jähriges Bestehen. Was mit der Besetzung einer leer stehenden Chemiefabrik und eines benachbarten Wohnhauses begann, ist heute ein lebendiges Kultur- und Nachbarschaftszentrum In einer kleinen, gemütlichen Remise sitzt Andy, hinter ihm an der Wand hängt &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=140">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Regenbogenfabrik in Kreuzberg feiert 30jähriges Bestehen. Was mit der Besetzung einer leer stehenden Chemiefabrik und eines benachbarten Wohnhauses begann, ist heute ein lebendiges Kultur- und Nachbarschaftszentrum<span id="more-140"></span></strong></p>
<p>In einer kleinen, gemütlichen Remise sitzt Andy, hinter ihm an der Wand hängt die Weltkarte. „In der Regenbogenfabrik bin ich verantwortlich für Verwaltung und nennen wir es mal Sonstiges“, sagt er lachend. Der sympathische und jugendlich wirkende Mann mit grauem Zopf war in seinem früheren Leben Drucker und Industrieelektroniker. „Doch das ist mittlerweile verjährt“, bemerkt er schmunzelnd. Seit fünf Jahren engagiert er sich nun auf dem Gelände an der Lausitzer Straße. Einen Bezug zur Regenbogenfabrik hatte er aber bereits seit den 80er Jahren. „Damals besuchte hier meine Tochter die Kita und außerdem komme ich selbst aus der Hausbesetzerszene.“ Von den Bewohnerinnen und Bewohnern der ersten Jahre seien vielleicht noch zirka zehn Mitstreiterinnen und Mitstreiter vor Ort. Insgesamt würden 80 Personen das Areal mit Leben füllen. Es ähnelt einem kleinen Dorf, in dem es neben der besagten Kita ein Kino, ein Hostel, ein Café und eine so genannte Selbsthilfewerkstatt für Fahrräder gibt.</p>
<p>Natürlich seien mit der Aufrechterhaltung des Betriebes auch Kosten verbunden und soziale Projekte mittlerweile nur noch schwer finanzierbar, gibt Andy zu bedenken. „Daher bemühen wir uns verstärkt, ökonomisch zu arbeiten. Wir müssen unser Geld selbst erwirtschaften.“ Immerhin kann dabei ein wenig helfen, dass das Kino unter Berliner Cineasten einen guten Ruf genießt und sich Besuchergruppen aus dem In- und europäischen Ausland fast wöchentlich zu Führungen anmelden, sich gewissermaßen die Klinke in die Hand geben. „Früher kamen vielleicht alle paar Monate interessierte Menschen vorbei.“ Sie alle wollen sich das Lebensgefühl einer selbstverwalteten Gemeinschaft erklären lassen: „Bei uns wird alles im Kollektiv entschieden. Als Kollektiv kommen wir ohne Chefs aus und das ist uns sehr wichtig. Anders ausgedrückt sind wir alle Chefs“, unterstreicht Andy stolz.</p>
<p>Gegenwärtig bemühe man sich um einen Erwerb des Grundstücks. „Wir stehen mit dem Bezirk, dem das Areal gehört, in Verhandlungen und könnten uns einen Erbpachtvertrag vorstellen“, bemerkt er, möchte dann aber nicht ins Detail gehen. Würden die Verhandlungen zu einem erfolgreichen Abschluss kommen, wäre das der krönende Höhepunkt im Jubiläumsjahr. „Die 30 Jahre Regenbogenfabrik haben wir ja bereits ausgiebig gefeiert. Mit einer Lesung im Café zum Häuserkampf in Berlin, mit einem Sektempfang für politische Unterstützerinnen und Unterstützer, mit einer Filmvorführung zur solidarischen Ökonomie und natürlich mit unserem Hoffest, das sehr gut besucht wurde.“ Tatsächlich scheint die Regenbogenfabrik einer der immer weniger werdenden Orte im Bezirk zu sein, in dem alternatives Leben noch möglich ist. „Die Oranienstraße ist mittlerweile eine Rennbahn. Dort spielt sich viel ab. Dort hat sich viel verändert. Wir liegen da doch zu abseits und können unser Konzept gut behaupten“, erklärt Andy die Resistenz der Regenbogenfabrik gegen die zu beobachtenden Tendenzen der Gentrifizierung.</p>
<p>Beim Verlassen des Geländes fällt der Schornstein ins Auge, der das Grundstück prägt. Er stammt noch aus einer Zeit, als hier ein Dampfsägewerk betrieben wurde. Der Schornstein steht unter Denkmalschutz und wirkt damit wie ein Leuchtturm, der anzeigt, dass hier an der Lausitzer Straße noch immer alternative Freiräume zu finden sind, die den Bezirk bereichern.</p>
<p>Berlin, den 13. März 2011 / Erschienen im Stachel Frühling 2011 www2.frieke.de/uploads/stachel_2011_04.pdf</p>
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		<title>„Mein Gott, wie sieht das denn hier aus“</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 12:57:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Kreuzberg; Islamophobie]]></category>
		<category><![CDATA[Tourismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit Thilo Sarrazins Beitrag zum vermeintlichen Integrationsunwillen türkisch- und arabischstämmiger Menschen häufen sich Ressentiments bei Stadtrundfahrten durch Kreuzberg. Die Erfahrungen eines Stadtführers Die Umar-Ibn-Al-Khattab-Moschee hat sich architektonisch hervorragend dem Straßenbild angepasst. Lediglich die angedeuteten Minarette auf dem Dach und der &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=129">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Seit Thilo Sarrazins Beitrag zum vermeintlichen Integrationsunwillen türkisch- und arabischstämmiger Menschen häufen sich Ressentiments bei Stadtrundfahrten durch Kreuzberg. Die Erfahrungen eines Stadtführers<span id="more-129"></span></strong></p>
<p>Die Umar-Ibn-Al-Khattab-Moschee hat sich architektonisch hervorragend dem Straßenbild angepasst. Lediglich die angedeuteten Minarette auf dem Dach und der orientalische Touch lassen erkennen, dass es sich bei dem Gebäude um eine Moschee handelt. Es ist die zweitgrößte der Stadt. Viel Glas vermittelt Transparenz und tatsächlich sind Interessierte im Gotteshaus jederzeit herzlich willkommen. Wenn etwas stört, dann vielleicht die Deutschlandfahne vor der Moschee. Sie will nicht so recht zum politisch links geprägten Quartier rund um den Görlitzer Bahnhof passen.</p>
<p>Birol Ucan vom Vorstand für Öffentlichkeitsarbeit ist sichtlich Stolz auf das schöne Haus, das im vergangenen Jahr Eröffnung feierte. Islamophobe Sprüche seien ihm noch nicht zu Ohren gekommen und Drohungen habe seine Moschee bisher auch noch keine erhalten. Die Besuchergruppen, mit denen er sprechen würde, seien eher gegen die Thesen Sarrazins.</p>
<p>Er kennt die Kommentare der Touristen nicht, die in Reisebussen sein Gotteshaus passieren. Es ist zwar nur eine Minderheit, die sich abfällig bis hasserfüllt äußert. Doch ihre Zahl ist seit Thilo Sarrazins Thesen vom Integrationsunwillen türkisch- und arabischstämmiger Menschen merklich gestiegen. „Die gehört hier nicht hin“, ist schnell dahin gesagt. „Das hier ist nicht mehr Deutschland“, ein anderes häufig gehörtes Statement. „Die sollen abhauen, dorthin, wo sie herkommen“, hat dann schon einen aggressiveren Unterton.</p>
<p>Was ist passiert? Vergessen der Sommer der Fußball-WM in Südafrika, als Mesut Özil erfolgreich für Deutschland gegen den Ball trat. Als die größte Deutschlandfahne in Neukölln hing und sich die kritisch beäugten Kopftuchmädchen die deutschen Farben auf ihre Wangen malten? Jetzt sind sie wieder ganz normale Kopftuchmädchen, so genannte „Pinguine“, die zwar in Berlin geboren wurden, aber nach Ansicht so mancher Touristen nicht nach Berlin gehören.</p>
<p>Immerhin ist das Interesse an Kreuzberg und Neukölln bei vielen Reisegruppen gestiegen: „Wir wollen mal dahin, wo die ganzen Türken wohnen“, ist ein immer wieder geäußerter Wunsch. Eine gewisse Enttäuschung folgt, wenn sich dann kein Ghetto auftut, das von finster dreinblickenden Menschen bewohnt wird.</p>
<p>Doch hartnäckig werden Ressentiments gepflegt und längst Überholtes zum Besten gegeben.</p>
<p>Selbst der Klassiker, dass Türken massenhaft nach Deutschland einwandern würden, um schmarotzend die Sozialleistungen einzufordern, ist wieder zu hören. Tatsächlich verlassen mehr türkischstämmige Deutsche das Land als Türken einwandern. Sorgen machen sollte es vielmehr, dass diejenigen, die gehen, zum großen Teil hoch qualifiziert sind. Sowie der Sachverhalt, dass von den hoch qualifizierten Neubürgern viele nicht die Anstellung finden, die ihrer Ausbildung entsprechen müsste.</p>
<p>Stattdessen hat ein Biedermann und ein Brandstifter in den letzten Monaten dafür gesorgt, dass viele Menschen ein Gefühl des nicht erwünscht seins beschlich. Andere hat der Biedermann darin bestärkt „endlich mal sagen zu dürfen, was sowieso alle denken: Wir habe zu viele Ausländer.“ Und so verwundert es nicht, dass eine Frau in den Bus ruft: „Mein Gott, wie sieht das denn hier aus!“ Doch diesmal muss ich ein wenig in mich hineinlachen. Wir erreichen gerade von Friedrichshain kommend das von Gentrifizierung bedrohte Quartier rund um die Oberbaumbrücke. Junge Menschen aus aller Welt bestimmen das Straßenbild. Es sind Touristen, Studenten, Kreative und Überlebenskünstler. Eine Szene voll pulsierenden Lebens. So wie man sie sich in einer modernen Metropole nur wünschen kann und weshalb so viele Menschen nach Berlin kommen. Da war die Frau wohl ein bisschen voreilig.</p>
<p>Berlin, XX / Erschienen im Stachel XX</p>
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