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	<title>Alexander Jossifidis &#187; Griechenland</title>
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		<title>Auf der Suche nach Europa</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 14:07:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Griechenland]]></category>
		<category><![CDATA[Insel]]></category>
		<category><![CDATA[Thasos]]></category>
		<category><![CDATA[Urlaub]]></category>

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		<description><![CDATA[Thasos ist die nördlichste griechische Insel. Sie ist beliebtes Ziel sonnenhungriger Touristen. Doch Thasos hat mehr zu bieten als kristallklares Wasser und saubere Strände. Reiseeindrücke von Alexander Jossifidis Die kleine Pension liegt abseits der Touristenorte auf einem Berg im Süden &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=190">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Thasos ist die nördlichste griechische Insel. Sie ist beliebtes Ziel sonnenhungriger Touristen. Doch Thasos hat mehr zu bieten als kristal</strong><strong></strong><strong>lklares Wasser und saubere Strände. Reiseeindrücke von Alexander Jossifidis<span id="more-190"></span></strong></p>
<p><a href="http://www.jossifidis.de/?attachment_id=232" rel="attachment wp-att-232"><img class="alignleft size-full wp-image-232" title="Thasos" src="http://www.jossifidis.de/wp-content/uploads/2012/02/Thasos.jpg" alt="" width="640" height="480" /></a>Die kleine Pens<strong></strong>ion liegt abseits der Touri<strong></strong>stenorte auf einem Berg im Süden der Insel. Am Tage hat man v<strong></strong>on h<strong></strong>ier aus einen sagenhaften Blick auf die schroffe Küstenlandschaft und das tiefblaue Meer. Doch mittlerweile ist es sternenklare Nacht und vor der Tür sind seltsame Geräusche zu hören. Nach einigen Minuten des in die Nacht Hörens ist es Gewissheit. Es sind Schlangen. Wohl mehrere Schlangen und wahrscheinlich auch sehr große Schlangen. Sie tummeln sich vor der Tür. Oder vielleicht schon im Zimmer? Ein ungutes Gefühl vermischt sich mit der Faszination für diese Tiere. Ein Urlaub mitten in der Natur. In diesem Fall sucht jedoch nicht der Urlauber die Natur, sondern die Natur den Urlauber. Am nächsten Morgen, nach einer unruhigen Nacht, ist von den Schlangen nichts mehr zu sehen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Der Balkan zu Gast auf Thasos</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dafür fallen nun Schlangen ganz anderer Art ins Auge. Eine enge und kurvenreiche Küstenstraße umrundet die Insel. Stoßstange an Stoßstange schieben sich Autos aus aller Balkan Länder von Strandbucht zu Strandbucht. Die Pensionswirte und Tavernenbesitzer haben sich darauf eingestellt. Wo einst deutsche, österreichische oder niederländische Fahnen im warmen Wind wehten, sind es nun bulgarische, serbische oder rumänische Hoheitszeichen. Das Stuttgarter Studentenpaar ist ersetzt durch das aus Sofia, die Bochumer Familie durch die aus Bukarest. Thasos ist für Mitteleuropäer nur noch ein Ziel von vielen auf der Welt. Für die Menschen der Balkanländer hingegen ein kleines Paradies beinahe vor der Haustür. „Allerdings ist mit den Touristen aus den Nachbarstaaten nicht allzu viel Geld zu verdienen“, klagt ein Wirt in fließendem Deutsch und in einer überraschenden Offenheit. Sie würden sehr gewissenhaft auf ihr Geld achten und nicht allzu viel ausgeben. Für den Wirt eine wichtige Erkenntnis, denn er lebt, wie die Mehrheit der Inselbewohner, fast ausschließlich vom Tourismus.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Ein Teil Ägyptens</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Bevor Thasos vom Tourismus entdeckt wurde, prägte Armut die Insel. Sie besaß eine nur rudimentär existierende Infrastruktur. Es gab ein wenig Marmorabbau, der noch in der Antike den Reichtum der Insel begründete, Landwirtschaft und Fischfang. Zu wenig, um die Menschen an ihre Heimat zu binden. Ganze Dörfer verfielen. Bergdörfer wie Megalo und Mikro Kazaviti, die im Nordwesten der Insel liegen. Sie sind nur einen Steinwurf voneinander entfernt und umgeben von urwüchsigen Wäldern und schroffen Bergen. Als sie so gut wie aufgegeben waren, entdeckten deutsche Touristen die verfallende Schönheit der dortigen Gebäude. Sie sanierten sie und machten aus ihnen reizvolle Sommerhäuser. Megalo und Mikro Kazaviti sind heute kleine architektonische Perlen und zählen zu den schönsten Dörfern der Insel. Von hier aus lässt sich auf neu angelegten Wanderwegen die wilde Natur erobern. Oder man setzt sich auf den einladenden Dorfplatz von Megalo Kazaviti unter mächtige Platanen und hört bei einem Kaffee Frappe den Geschichten der Dorfbewohner zu. Eine erzählt, dass der Dorfplatz angeblich zu Ägypten gehöre. Die Platia mit ihren Schatten spendenden Platanen ein griechischer Tahrir-Platz? So ganz glaubwürdig erscheint diese Geschichte nicht. Fakt ist, dass Thasos tatsächlich eine Zeit lang zu Ägypten gehörte. Der Albaner Muhammad Ali Pascha, Begründer der bis 1953 regierenden ägyptischen Königsdynastie, kam aus dem benachbarten Kavala. Im osmanischen Militärdienst stehend, konnte er für die Osmanen zahlreiche Schlachten erfolgreich schlagen. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erhielt er aufgrund dieser Leistungen den Titel eines ägyptischen Vizekönigs, dem auch die Insel Thasos überantwortet wurde. Als das Lehen für Thasos im Jahr 1902 wieder direkt an den osmanischen Staat ging, soll aus nicht bekannten Gründen die Platia von Megalo Kazaviti davon ausgenommen worden sein. Der Dorfplatz also der nördlichste Punkt Ägyptens?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Im Dorf des Evangelisten Johannes</strong></p>
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<p>Der Spur Muhammad Ali Paschas folgend besuchen wir ein weiteres Bergdorf. Es heißt Theologos und liegt in der Südhälfte der Insel. Im Kindesalter hatte Muhammad Ali hier bei einer Pflegefamilie gelebt. Als Zeichen seiner Zuneigung Theologos gegenüber ließ er es später zur Hauptstadt der Insel erklären. Benannt ist Theologos wiederum nach dem Evangelisten Johannes, der den Beinamen <em>der Theologe</em> trägt. Er soll einer weiteren Legende zufolge in der Nähe gelebt haben.</p>
<p>Heute ist das auffallend lang gezogene Theologos ein überaus touristisch geprägtes Bergdorf. Anziehungspunkt sind die zahlreichen Häuser im traditionellen Stil der Insel. Charakteristisch präsentieren sie sich mit Schieferplatten gedeckten Dächern. Wer möchte, kann in einem kleinen Heimatmuseum auch einmal hinter die Mauern eines solchen Hauses schauen. Der Tourismus, der ein so geschichtsträchtiges wie malerisches Dorf in den Sommermonaten prägt, hat leider auch seine negativen Spuren hinterlassen. Man möchte beispielsweise gerne wissen, was passiert ist in jenem Geschäft, vor dem auf Deutsch geschrieben steht, dass Holländer unerwünscht seien. Oder wie es dazu kam, dass im Dorf traditionelle Hochzeiten als Show präsentiert werden. Braut, Bräutigam, Musizieren, Tanzen, Lachen: Das alles ist Show. Vielleicht ist es, wenn die Hochzeitsgesellschaft in den Tavernen das glückliche Brautpaar feiert, irgendwann egal, ob es tatsächlich geheiratet hat oder nicht. Der Ouzo schmeckt und die Ziegenkopftrophäen an den Wänden der Tavernen wirken auf einmal auch nicht mehr so archaisch.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Insel der Ruhe</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dem touristischen Trubel entweichen, das ist auf Thasos zum Glück ganz einfach. Fernab der quirligen Touristenorte an der Küste und im Hinterland gibt es noch viele einsame Regionen zu entdecken. Alleine die Südküste bietet gegen Abend, wenn sich das Geschehen von den Stränden in die Dörfer und Ferienanlagen verlagert, romantisch anmutende einsame Buchten. Beim Blick auf das Meer, das von der untergehenden Sonne in ein leichtes rosa getaucht wird, kommt einem dann vielleicht folgende Legende in den Sinn. Ein junger Mann namens Thasos war vor Urzeiten über das Meer, aus dem weit entfernten Phönizien, auf die Insel gekommen. Hier hoffte er seine Schwester Europa zu finden, die zuvor der Göttervater Zeus in Gestalt eines Stieres entführt hatte. Thasos gefiel es so sehr auf der grünen Insel, dass er beschloss, seine Suche zu beenden und heimisch zu werden. Dies ist zwar nur eine weitere Legende, doch mit einem wahren Kern. Die Insel lädt zum Verweilen ein.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Steckbrief Thasos:</p>
<p>Thasos liegt zirka acht Kilometer vor der nordgriechischen Festlandsküste. Es gehört zur Region Makedonien und zählt 15.000 Einwohner. Hauptstadt ist der Küstenort Limenas. Hier kommen die meisten Fähren vom Festland an. Mit einer Fläche von 380 qkm ist Thasos die zwölftgrößte griechische Insel. In einer ausgeprägten Mittelgebirgslandschaft erreicht der höchste Berg, der Ypsario, 1204 Meter. Die Insel ist auffallend grün, auch wenn der ursprüngliche Waldbestand durch zahlreiche Waldbrände dezimiert wurde.</p>
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		<title>Rezension: Heinz A. Richter: Operation Merkur. Die Eroberung der Insel Kreta im Mai 1941. Harrassowitz Verlag Wiesbaden 2011.</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 13:34:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Griechenland]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Kreta]]></category>
		<category><![CDATA[Zweiter Weltkrieg]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor siebzig Jahren fand auf der Insel Kreta eine der ungewöhnlichsten Schlachten des Zweiten Weltkrieges statt: Es war die erste Luftlandeoperation zur Eroberung eines großflächigen Territoriums. Dabei war die angreifende Partei den Verteidigern nicht nur zahlenmäßig unterlegen. Die Verteidiger kannten &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=165">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Vor siebzig Jahren fand auf der Insel Kreta eine der ungewöhnlichsten Schlachten des Zweiten Weltkrieges statt: Es war die erste Luftlandeoperation zur Eroberung eines großflächigen Territoriums. Dabei war die angreifende Partei den Verteidigern nicht nur zahlenmäßig unterlegen. Die Verteidiger kannten zudem die Angriffspläne und verloren trotzdem.<span id="more-165"></span></p>
<p>Der Griechenland-Experte Heinz A. Richter hat nun ein spannendes Buch hierüber geschrieben. Er schildert fast schon minutiös die Eroberung der Insel Kreta durch die deutsche Wehrmacht und die militärische Unterstützung seitens ihres italienischen Verbündeten. Dem Autor ist hoch anzurechnen, dass bei seinen Ausführungen keine zweifelhafte Landserromantik bedient wird. Hierfür sorgt schon alleine ein Perspektivwechsel, der auch der britischen Kriegspartei und ihren Verbündeten breiten Raum zugesteht.</p>
<p>Zu den Verteidigern der Insel zählten Irreguläre, kretische Partisanen, welche aufgrund ihrer schlechten Bewaffnung deutsche Soldaten zumeist aus dem Hinterhalt attackierten. Was als Reaktion wiederum so genannte Sühnemaßnahmen provozierte. Spätestens hier sieht Heinz A. Richter aus einem „sauberen“ Feldzug einen „schmutzigen“ Krieg werden. Wobei natürlich diskutiert werden kann, wo die Grenzen zu ziehen sind zwischen erlaubten und nicht erlaubten Töten. Mit anderen Worten: Gibt es überhaupt „saubere“ Feldzüge?</p>
<p>Abseits dieser Frage schlüsselt das Buch den Sinn und Zweck der Eroberung Kretas auf. Heinz A. Richter erklärt die strategische Bedeutung der fünftgrößten Mittelmeerinsel und bettet gekonnt das dargestellte Kriegsgeschehen in eine Analyse der politischen Rahmenbedingungen. Auf diese Weise entsteht ein Gesamtüberblick, der <em>Operation Merkur</em> nicht nur für Militärhistoriker lesenswert macht. Das Buch ist vielmehr allen Interessierten am Verlauf des Zweiten Weltkrieges zu empfehlen.</p>
<p>Heute lohnen Besuche der nachdenklich stimmenden Soldatenfriedhöfe und Gedenkorte Kretas, die an die Kämpfe von vor siebzig Jahren erinnern. Das eigentliche Geschehen ist dagegen immer weniger Menschen bekannt. Das Buch von Heinz A. Richter ist ein Beitrag, um dieses Kapitel deutscher, griechischer und angelsächsischer Geschichte wieder in Erinnerung zu rufen.</p>
<p>Berlin, 10. Februar 2011 / Erschiene in Griechenland Zeitung</p>
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		<title>Rezension: „Die Kinderfrau“ von Petros Markaris</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 13:28:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Griechenland]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Istanbul]]></category>
		<category><![CDATA[Krimi]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Grieche auf Mörderjagd in Istanbul Der Krimiautor Petros Markaris ist Schöpfer des leicht missmutigen Kommissars Kostas Charitos. Der bekämpft das Verbrechen für gewöhnlich in Athen und ermöglicht kenntnisreiche Blicke hinter die Kulissen einer gesichtslosen Betonwüste. Sie liegt fernab uriger &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=157">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Grieche auf Mörderjagd in Istanbul<span id="more-157"></span></p>
<p>Der Krimiautor Petros Markaris ist Schöpfer des leicht missmutigen Kommissars Kostas Charitos. Der bekämpft das Verbrechen für gewöhnlich in Athen und ermöglicht kenntnisreiche Blicke hinter die Kulissen einer gesichtslosen Betonwüste. Sie liegt fernab uriger Altstadttavernen und antiker Baudenkmäler.</p>
<p>Im neuen Fall „Die Kinderfrau“ verbringt Kommissar Charitos seinen Urlaub in der türkischen Kulturmetropole Istanbul. Hier sucht er Abstand von Streitigkeiten mit seiner Tochter, die partout nicht kirchlich heiraten möchte. Während seines Aufenthalts beginnt eine Mordserie im Milieu der kleinen griechischen Minderheit der Stadt. Gemeinsam mit dem türkischen Kollegen Murat Saglam folgt Charitos der Spur eines Mörders, dessen Taten alptraumhafte Erinnerungen an historisches Unrecht wachrufen.</p>
<p>Petros Markaris entstammt einer griechisch-armenischen Familie Istanbuls und präsentiert einen Roman, der mehr sein möchte als die Jagd nach einem Mörder. Markaris legt vielmehr das von Misstrauen und Vorurteilen geprägte griechisch-türkische Verhältnis offen. Wohltuend dabei, seine emotionsfreie Distanz zu geäußerten Verdächtigungen und historischen Ereignissen. Er zeichnet das spannende Porträt einer griechischen Gemeinde, die Istanbul zur Heimat hat. Ihre Angehörigen besitzen keine türkische Identität, doch auch mit den Griechen aus Griechenland verbindet sie wenig.</p>
<p>Diesem Identitätswirrwarr stellt Markaris ein türkisches Pendant gegenüber, den im Fall ermittelnden Murat Saglam. Seine Vita beginnt in Deutschland. Deutscher ist er deshalb noch lange nicht. Doch auch am Bosporus bleibt er ein Mensch, den die Einheimischen nicht als einen der ihren erkennen.</p>
<p>„Die Kinderfrau“ ist ein flott zu lesender Roman. Für einen Krimi jedoch ein wenig zu spannungsarm. Die Identität des Mörders und seine Motivation sind schnell ermittelt. Dennoch ist es ein hervorragendes Buch für all diejenigen, die mehr über die Hintergründe der griechisch-türkischen Animositäten erfahren möchten und dabei gerne auf pro-griechische oder pro-türkische Parteilichkeit verzichten können.</p>
<p>Berlin, 15. August 2009 / Nicht erschienen</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Petros Markaris: Die Kinderfrau. Ein Fall für Kostas Charitos. Diogenes Verlag AG Zürich 2009 ISBN 978 3 257 06696 8</p>
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		<title>Rezension: Kaspar Dreidoppel &#8222;Der griechische Dämon&#8220;</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 13:24:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Griechenland]]></category>
		<category><![CDATA[Griechischer Bürgerkrieg]]></category>

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		<description><![CDATA[Widerstand und Bürgerkrieg im besetzten Griechenland 1941 – 1944 Wiesbaden: Harrassowitz Verlag 2009, 520 Seiten, ISBN 978-3-447-05929-9 &#160; Das vorliegende Buch ist die erweiterte Fassung einer Doktorarbeit, die im Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften an der Freien Universität Berlin angenommen wurde. &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=152">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Widerstand und Bürgerkrieg im besetzten Griechenland 1941 – 1944<br />
Wiesbaden: Harrassowitz Verlag 2009, 520 Seiten, ISBN 978-3-447-05929-9</p>
<p><span id="more-152"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Das vorliegende Buch ist die erweiterte Fassung einer Doktorarbeit, die im Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften an der Freien Universität Berlin angenommen wurde. Kaspar Dreidoppel analysiert die militärische Besetzung Griechenlands durch die Mächte Deutschland, Italien und Bulgarien während des Zweiten Weltkrieges und die damit verbundenen machtpolitischen Umwälzungen. Seinen Fokus richtet er insbesondere auf die einflussreiche griechische Widerstandsbewegung EAM. Deren Führungspersönlichkeiten standen größtenteils der Kommunistischen Partei Griechenlands nahe.</p>
<p>Kasper Dreidoppel kritisiert vorangegangene Veröffentlichungen zum Thema. Seiner Meinung nach würden sie idealisierende Beschreibungen der EAM liefern. Dagegen möchte der Autor das wahre Wesen der Organisation offen legen und deren, wie er es nennt, Schattenseiten kennzeichnen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>In einem ersten Kapitel beschreibt Kaspar Dreidoppel die Ausgangssituation. Er untersucht die Politik des Okkupations- und Kollaborationsregimes und liefert knapp gehaltene Hinweise zur Vorkriegszeit. Die katastrophale Wirtschaftslage im besetzten Griechenland sieht er als entscheidende Grundvoraussetzung für die große Widerstandsbereitschaft im Land.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Das zweite Kapitel untersucht die Herausbildung und die ersten Aktionen des Widerstandes. Dabei beschreibt der Autor griechische und britische Akteure. Neben der EAM und weiteren kleinen griechischen Widerstandsgruppen war es die britische Subversionsagentur SOE, die sich an Kampagnen zur Destabilisierung des Besatzungsregimes beteiligte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Im dritten Kapitel geht Kaspar Dreidoppel schließlich auf den zentralen Aspekt seiner Abhandlung ein. Er untersucht das Innenleben der Kommunistischen Partei Griechenlands und der mit ihr verwobenen EAM. Dabei beschreibt er die anvisierte bzw. praktizierte Politik der Organisation bzw. ihrer lokalen Akteure.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Es folgt im vierten Kapitel der Blick auf die Entwicklung hin zum Bürgerkrieg. Der Autor stellt die Auseinandersetzungen zwischen der EAM auf der einen und antikommunistischen Kräften auf der anderen Seite dar. Ferner beleuchtet er die Rolle der britischen Politik, die sich in die innergriechischen Auseinandersetzungen einmischte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Diese Konflikte fanden während der Besatzungszeit deutlichen Ausdruck, doch sie ermöglichten es dem Besatzungsregime nicht, hieraus politisches oder militärisches Kapital zu schlagen. Das vorletzte Kapitel beschreibt folgerichtig die Endphase der Besatzungszeit, welche mit einem Erstarken der EAM einherging.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Abschließend diskutiert Kaspar Dreidoppel die Monate nach dem Abzug der letzten deutschen Soldaten im Herbst 1944. In das Machtvakuum stießen britische sowie griechische Akteure des linken bzw. rechten politischen Spektrums. Die ausgefochtenen Antagonismen der Vergangenheit fanden eine Fortsetzung und führten zu einem Bürgerkrieg, der noch heute viele Emotionen weckt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Kaspar Dreidoppel hat ein lesenswertes Buch geschrieben, in dem zahlreiche Zitate ein eindrucksvolles Bild von den damaligen Mentalitäten und Aktivitäten zeichnen. Diese Zitate sind aber auch dafür verantwortlich, dass ab und an der Überblick verloren geht und die Relevanz des Geschriebenen nicht immer deutlich wird. Weniger ist manchmal mehr. Daher scheint das Buch sicherlich für den Einstieg in die Thematik ungeeignet. Zumal wichtige Aspekte, die zum Verständnis der damaligen Gesamtsituation beitragen könnten, nur allzu kurz angerissen werden und Zeitsprünge gelegentlich für Verwirrung sorgen.</p>
<p>Auf der anderen Seite bietet die Fülle an dargestelltem Material jedem Interessierten die Möglichkeit, bereits angeeignetes Wissen über den Griechischen Bürgerkrieg und seinen Vorlauf weiter zu vervollständigen. Ein Plus dieses Buches.</p>
<p>Die EAM wird auch nach der Lektüre ein leidenschaftlich diskutiertes Streitobjekt bleiben. Wobei extreme Sichtweisen ihre Anhänger wahlweise als von Slawen gesteuerte Kommunisten oder als heldenhafte griechische Patrioten verstehen. Dabei war die EAM so facettenreiche wie die Gründe unterschiedlich, ihr beizutreten.</p>
<p>Berlin, 24. September 2009 / Erschienen in Südosteuropa Mitteilungen</p>
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		<title>Ein dreiblättriges Kleeblatt das Glück verheißt</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 13:04:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Griechenland]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>
		<category><![CDATA[Fußball]]></category>
		<category><![CDATA[Panathinaikos]]></category>

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		<description><![CDATA[Der ruhmreiche Athener Sportklub Panathinaikos feiert in diesem Jahr sein 100jähriges Bestehen. In die Freude und den Stolz hierüber mischen sich allerdings auch Ernüchterung und Enttäuschung. Gerade die Fußballabteilung konnte ihren Ansprüchen in der jüngeren Vergangenheit nur selten gerecht werden. &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=138">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Der ruhmreiche Athener Sportklub Panathinaikos feiert in diesem Jahr sein 100jähriges Bestehen. In die Freude und den Stolz hierüber mischen sich allerdings auch Ernüchterung und Enttäuschung. Gerade die Fußballabteilung konnte ihren Ansprüchen in der jüngeren Vergangenheit nur selten gerecht werden. Fanproteste im Jahr des Jubiläums bildeten den traurigen Höhepunkt. Ein kurzes Porträt <span id="more-138"></span></em></p>
<p>Es begann vor etwas mehr als 100 Jahren. Athen war ein gemütliches Städtchen, die Millionengrenze noch in weiter Ferne. Da entdeckte der Leichtathlet Giorgos Kalafatis seine Leidenschaft für den Fußballsport. Im Verein Panellinios eingetragen, hielten die dortigen Verantwortlichen jedoch wenig von diesem proletarischen Spiel. Kalafatis ergriff daraufhin Eigeninitiative. Gemeinsam mit Freunden und Verwandten gründete er im Jahr 1908 den Athener Fußballverein. Es folgten mehrere Namensumbenennungen und erst 16 Jahre später trat der Klub endgültig als Panathinaikos auf. Seine Sportler waren zunächst auch bei der Wahl der Vereinsfarben wenig konsequent. Der Vorfall, der sie vom Tragen roter Hemden Abstand nehmen ließ, ist Legende. Während eines Fußballspiels der so gekleideten Mannschaft stürmte das Rindvieh einer benachbarten Weide den Platz. Die Spieler mussten schnell feststellen, dass es der Bulle insbesondere auf die roten Leibchen abgesehen hatte. Panikartig rissen sie sich diese vom Körper und sollten sie fortan auch nie mehr tragen.</p>
<p>Etwas entspannter ging schließlich die Wahl der Vereinsfarbe Grün vonstatten. Während einer Mitgliederversammlung im Jahr 1919 schlug der Athlet und spätere Präsident Michalis Papazoglou neben dieser Farbe auch ein dreiblättriges Kleeblatt als Emblem vor. Sie erinnerten beide an seinen Konstantinopler Stammverein Chalkidona.</p>
<p>In diesem Outfit traten die Spieler von Panathinaikos Jahrzehnte später an, um die erste Griechische Meisterschaft zu gewinnen. Die Saison 1959/60 stellte für alle beteiligten Teams Neuland dar. Der Athener Klub konnte Dimitris Domazos im Tausch für ein Paket Sportkleidung verpflichten. Das 17jährige Talent hatte zuvor beim benachbarten Amateurverein Amina Ambelokipon gegen den Ball getreten. Bei Panathinaikos entwickelte sich der junge Mann zu einem der besten griechischen Fußballer aller Zeiten. Seine Schwindel erregenden Dribblings und präzisen Pässen machten ihn zum Gehirn und Herzen einer Mannschaft, die schon bald <em>grüner Mythos </em>genannt werden<em> </em>sollte. Die Saison 1963/64 ging ohne ein verlorenes Spiel zu Ende. Im folgenden Jahr verhinderte wiederum die Defensivabteilung 1088 Minuten ein Gegentor.</p>
<p>Auch international erregte der Klub Aufmerksamkeit. Als erste und einzige Mannschaft Griechenlands erreichte Panathinaikos das Finale des Europapokals der Landesmeister. Eines Pokals der heute in der Champions League ausgespielt wird. Im legendären Wembley-Stadion hieß der Gegner am 2. Juni 1971 Ajax Amsterdam. Zirka 20.000 griechische Anhänger hatten den Weg in den Londoner Nordwesten gefunden, um ihr Team zu unterstützen. Doch die Jungs von Trainer Ferenc Puskas mussten gegen die favorisierten Niederländer Lehrgeld bezahlen und verloren 0:2.</p>
<p>Mit dem Finaleinzug stieg das Anspruchsdenken der Verantwortlichen im Verein. National besaß Panathinaikos nach wie vor eine der besten Mannschaften. International konnte das Team allerdings nicht mit den Schwergewichten des europäischen Fußballs konkurrieren. Zudem geriet der Klub in eine finanzielle Schieflage. In der Not sprang die einflussreiche Industriellenfamilie Vardinogiannis ein. Sie erwarb den Klub im Jahr 1979 und sorgte für die nötige ökonomische Stabilität. Eine europäische Spitzenmannschaft aus Panathinaikos zu formen, gelang jedoch auch ihrem Engagement nicht. Ganz im Gegenteil. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr 2008 zeigten die Kicker eine durchschnittliche Leistung. Die Fans reagierten Mitte April auf das Dargebotene und zogen protestierend durch Athen. „Haut ab, lasst Panathinaikos seinen Weg finden“, riefen viele der zirka 30.000 Anhänger. Womit sie primär die Eigentümer des Vereins, die Familie Vardinogiannis, meinten. In deren großem Einfluss sie den Hauptgrund für die Miesere erkannten.</p>
<p>Tatsächlich stehen dem Klub Zeiten des Umbruchs bevor. An einer goldenen Zukunft wird seit September im wahrsten Sinne des Wortes gebaut. Das altehrwürdige Apostolos-Nikolaidis-Stadion – benannt nach dem ehemaligen Athleten, Spieler und Präsidenten von Panathinaikos – fällt Abrissmaßnahmen zum Opfer. Die Zukunft besteht aus einer schönen aber auch verwechselbaren Fußballarena. Versehen mit einem Sponsorennamen wird sie lange brauchen, um dem alten Stadion im Quartier in direkter Nähe des Lykavitos emotional Paroli bieten zu können. Sie ist vielmehr Bestandteil eines modernen Sportkomplexes, der anzeigt, dass Panathinaikos mit seinen über 20 Sportabteilungen nicht ausschließlich ein Fußballverein ist. Doch gerade dieser liegt den meisten <em>Grünen</em> am Herzen. Und so werden sie auch zum neuen Stadion pilgern und das Vereinslied anstimmen: „Σύλλογος μεγάλος δεν υπάρχει άλλος“ („Einen Verein so groß wie dich, gibt es nicht…“).</p>
<p>Berlin, den 17. November 2008 / Erschienen in der Griechenland Zeitung</p>
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		<title>Die Geschichte des griechischen Fußballs in Thessaloniki</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 12:26:00 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Die gesellschaftspolitische Vergangenheit einer Stadt lässt sich zuweilen an den Traditionen der ortsansässigen Fußballvereine ablesen. Dies wird am Beispiel der makedonischen Provinzhauptstadt Thessaloniki besonders deutlich. Benannt nach einer Halbschwester Alexanders des Großen, entwickelte sich Thessaloniki während des byzantinischen Mittelalters zu &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=112">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die gesellschaftspolitische Vergangenheit einer Stadt lässt sich zuweilen an den Traditionen der ortsansässigen Fußballvereine ablesen. Dies wird am Beispiel der makedonischen Provinzhauptstadt Thessaloniki besonders deutlich.<span id="more-112"></span></p>
<p>Benannt nach einer Halbschwester Alexanders des Großen, entwickelte sich Thessaloniki während des byzantinischen Mittelalters zu einem bedeutenden ökonomischen Zentrum, welches nur noch von Konstantinopel übertroffen wurde.</p>
<p>In der darauffolgenden und bis zum Jahre 1913 reichenden osmanischen Epoche büßte Thessaloniki wenig von seiner diesbezüglichen Geltung ein. Die sephardischen Juden dominierten gemeinsam mit ihren türkischen und griechischen Nachbarn das Stadtbild und machten Thessaloniki damit zum Prototypen einer urbanen osmanischen Gemeinde. In diesem Milieu gründeten griechische Einwohner im Jahre 1899 den <em>Klub der Kunstfreunde, </em>aus dem beinahe eine Dekade später der Fußballverein Iraklis Thessaloniki hervorgehen sollte. Zunächst beschäftigten sich die <em>Kunstfreunde</em> ausschließlich mit der Musik und der Literatur, bevor sie sich im Jahre 1903 auch sportiv betätigten. Dabei stand Fußball zunächst nicht im Vordergrund, sondern vielmehr das Schwimmen und Radfahren. Ein erstes Fußballspiel fand im April 1905 statt.</p>
<p>Finanzielle Engpässe zwangen die Mitglieder des Vereins drei Jahre später, mit der Spielvereinigung Olympia zu fusionieren. Dies war die Geburtsstunde von Iraklis (i.e. Herakles) Thessaloniki, welcher sich nach einem Halbgott der griechischen Mythologie benannte. Der offizielle Name in jenen Jahren lautete <em>Osmanisch Hellenischer Klub von Thessaloniki – Iraklis.</em> Dem Selbstverständnis nach war Iraklis ein griechischer Verein, weshalb die Vereinsfarben blau und weiß jenen der griechischen Nationalflagge entsprachen.</p>
<p>Die politischen Rahmenbedingungen änderten sich in den Jahren 1912/13 in entscheidender Weise: Als Resultat zweier Balkankriege fiel Thessaloniki an den griechischen Staat. Dieser Erfolg beflügelte die Nationalisten im Lande. Sie drängten das Königshaus in Athen, am unmittelbar folgenden Ersten Weltkrieg auf der Seite der Westmächte teilzunehmen. Ihr Ziel implizierte die endgültige Auflösung des Osmanischen Reiches, welches als Verbündeter der Mittelmächte auftrat. Die griechischen Nationalisten träumten von einem Großgriechenland als <em>Wiedergeburt</em> des im Mittelalter untergegangenen Byzanz.</p>
<p>In einer emotional aufgeputschten Atmosphäre gründeten Bürger Thessalonikis im Jahre 1914 den Verein Aris (i.e. der Kriegsgott der griechischen Mythologie) und wählten dabei bewusst die Farben schwarz und gelb, welche identisch mit jenen des Byzantinischen Reiches waren.</p>
<p>Das Königshaus hielt dieser Kriegsbegeisterung des primär republikanischen Lagers seine Neutralitätspolitik entgegen. Kriegsbefürworter, die von einem Großgriechenland in byzantinischen Ausmaßen phantasierten, strömten fortan zu den Schwarz-Gelben, während royalistische Kriegsgegner die Blau-Weißen von Iraklis für sich entdeckten. Insofern standen die beiden Fußballklubs symbolisch für die politische Zerrissenheit der griechischen Gesellschaft, die in einen Bürgerkrieg abzudriften drohte.</p>
<p>Mit Unterstützung der Westmächte setzten sich die Republikaner innenpolitisch durch und führten das Land in den Krieg gegen die Mittelmächte. Dieser wurde gewonnen und einem territorialen Expansionismus nach Kleinasien schien nun nichts mehr im Wege zu stehen. Im heutigen Izmir (damals Smyrna) landeten griechische Truppen und drangen in das Landesinnere vor. Dem stellte sich eine bewaffnete türkische Nationalbewegung entgegen. Sie wurde von dem in Thessaloniki geborenen Mustafa Kemal (i.e. Atatürk) organisiert und verwickelte die griechischen Soldaten in heftige Kämpfe, welche erst im Jahre 1922 mit einer Niederlage der Okkupationsarmee endeten.</p>
<p>Knapp zwei Millionen griechische Flüchtlinge aus Kleinasien setzten sich in der Folgezeit in Richtung Griechenland in Bewegung, wobei Thessaloniki einen zentralen Zufluchtsort darstellte. Gegen Ende der zwanziger Jahre entstammten 48 Prozent der Stadtbewohner einem Flüchtlingshintergrund. Dies führte zu Spannungen mit der alteingesessenen Bevölkerung, welche die zumeist mittellosen Neuankömmlinge für nicht integrierbar hielt. Tatsächlich gründeten viele Vertriebene ihre eigenen Vereine. Hierzu zählte auch der 1926 etablierte <em>Panthessalonikos Athlitikos Omilos Konstantinoupolitos</em> (PAOK), der Sportverein der Flüchtlinge aus Konstantinopel (i.e. Istanbul), der den byzantinischen doppelköpfigen Adler als Emblem wählte. Die Vereinsfarben schwarz und weiß symbolisierten wiederum die tragische Vergangenheit und den hoffnungsvollen Blick in die Zukunft.</p>
<p>Da sich die Gründerväter bereits in der osmanischen Hauptstadt in einem Sport- und Kulturverein organisiert hatten, reicht die Tradition des Klubs bis in das Jahr 1875 zurück. Damals war in der Stadt am Bosporus die <em>Athletische und Kulturelle Vereinigung Konstantinopels &#8211; Hermes </em>bei den örtlichen Behörden angemeldet worden.</p>
<p>In Thessaloniki entwickelte sich PAOK zum größten Verein der Flüchtlinge und damit einhergehend zum schärfsten sportlichen Konkurrenten der Schwarz-Gelben. Die gesellschaftliche Bruchlinie zwischen alteingesessener und neu hinzugekommener Einwohnerschaft machte sich nun auch im Fußball bemerkbar. Sie ging ferner mit dem ökonomischen Status der Anhänger einher. Aris entwickelte sich zum Klub der besser situierten Mittelschicht, während PAOK die zumeist mittellose Stadtbevölkerung ansprach.</p>
<p>Im Laufe der Jahrzehnte wurde diese Eingrenzung obsolet, da PAOK aufgrund seiner sportlichen Erfolge während der siebziger Jahre auch Bewohner ohne Flüchtlingshintergrund für sich begeistern konnte. So war PAOK die erste Mannschaft aus dem Norden Griechenlands, welche in der Nachkriegszeit die nationale Fußballmeisterschaft gewann. Dieses seltene Ereignis fand im Jahre 1976 statt und ließ den Flüchtlingsverein aus Istanbul zusätzlich zu einem sportlichen Aushängeschild Makedoniens werden.</p>
<p>In der jüngsten Vergangenheit konnte PAOK auch im Europapokal größere Aufmerksamkeit auf sich ziehen als die beiden Stadtkonkurrenten. Während Iraklis nur sporadisch im <em>internationalen Geschäft </em>mitmischt, muss Aris in der kommenden Saison sogar in der Zweiten Liga antreten. Die Rolle als dritte Kraft Thessalonikis wird dann Apollon Kalamarias übernehmen.</p>
<p>Diese Mannschaft ist im Stadtbezirk Kalamaria, unweit des internationalen Flughafens, beheimatet und wurde im Jahre 1926 von griechischen Flüchtlingen aus dem Pontus, dem türkischen Schwarzmeergebiet, gegründet. Die Popularität des Klubs beschränkt sich jedoch weitestgehend auf Kalamaria, was mit dem bisher fehlenden sportlichen Erfolg korrespondieren dürfte. Die Schwarz-Roten verbrachten die vorangegangenen zehn Jahre in der Zweiten Liga und kehrten erst in der Saison 2004/05 in die griechische Eliteliga zurück.</p>
<p>Die Fußballkultur in Thessaloniki ist so vielschichtig wie die Stadt selbst. Auch wenn sich mittlerweile vieles vereinheitlicht hat und der Erfolg ausschlaggebend für die Beliebtheit der einzelnen Vereine ist, so gibt es nach wie vor genügend Fans, welche ihren Klub aufgrund der oben beschriebenen Traditionen auswählen.</p>
<p>Erschienen in der Griechenland Zeitung XX</p>
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		<title>„Wir wollen nicht in fremden Teichen fischen“</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 12:21:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
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		<category><![CDATA[Evangelische Kirche]]></category>
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		<description><![CDATA[In der nordgriechischen Hafenstadt Thessaloniki gibt es eine traditionsreiche Evangelische Kirche deutscher Sprache. Seit dem 1. September steht ihr mit Dr. Klaus Michael Führer ein neuer Pfarrer vor. Gespräche über das Gemeindeleben in einem krisengeschüttelten Staat Auf den ersten Blick &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=107">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>In der nordgriechischen Hafenstadt Thessaloniki gibt es eine traditionsreiche Evangelische Kirche deutscher Sprache. Seit dem 1. September steht ihr mit Dr. Klaus Michael Führer ein neuer Pfarrer vor. Gespräche über das Gemeindeleben in einem krisengeschüttelten Staat<span id="more-107"></span></p>
<p>Auf den ersten Blick ist Thessaloniki alles andere als eine schöne Stadt. Sie bedient nicht die Klischees touristischer Hochglanzprospekte. Hier liegt das Griechenland ohne Säulen und eine wohltuend salzige Seebrise fehlt ebenso. Thessaloniki ist laut, hektisch, schmutzig. Eine anstrengende Stadt, die in den zumeist unerträglich heißen Sommermonaten von den Bewohnern fluchtartig verlassen wird, sobald das Wochenende erreicht ist. Und dennoch bietet die größte Stadt der Provinz Makedonien für jeden Geschmack etwas. Sie besitzt orientalisch anmutende Märkte, versteckt gelegene frühbyzantinische Kirchen, eine dörflich wirkende Altstadt, studentisches Leben mit urigen Kneipen und eine unendlich erscheinende Hafenpromenade, von der aus bei guter Sicht der Götterberg Olymp zu erkennen ist. Diese Stadt ist die neue Heimat von Klaus Michael Führer. Er ist seit 1. September Pfarrer der Evangelischen Kirche deutscher Sprache in Thessaloniki. Mit sympathischer Stimme erzählt er von seinen ersten Eindrücken.</p>
<p>„Natürlich ist es zunächst einmal eine große Umstellung, wenn man aus der beschaulichen Erzgebirgsregion in diese hektische Großstadt kommt. Doch Thessaloniki zeigt sich zunehmend einladend. Ich beginne meine Arbeit hier im schönsten Sommerwetter. Die beschwerliche Hitze der vergangenen Wochen liegt hinter uns.“ Zur Stadt hatte er zuvor noch keine Verbindung. Das griechische Festland kannte er überhaupt nicht. „Man kann es Naivität oder Unvoreingenommenheit nennen, die mich bewogen, den Sprung ins Unbekannte zu wagen“, bemerkt er lachend und erzählt, dass er sich bei der EKD für die Auslandsarbeit beworben hätte. Zu seinem Bewerbungsprofil passte die Gemeinde in Thessaloniki, die sehr viel Wert auf die Ökumene legt. Tatsächlich möchte auch Klaus Michael Führer mit den anderen Konfessionen der Stadt in den Dialog treten. Seinen Schwerpunkt sieht er aber zunächst in der internen Arbeit. Die zirka 350 deutschsprachigen Gemeindemitglieder bewegen sich in einer für sie teilweise fremden Umwelt. Die Gemeinde soll ihnen Vertrautes, soll ihnen Halt geben. „Wir wollen nicht in fremden Teichen fischen. Wir wollen nicht missionieren. Wir wollen den deutschsprachigen Menschen der Stadt einen Anlaufpunkt bieten. Dies allerdings in bewusster Nachbarschaft zu den anderen Konfessionen Thessalonikis.“ Dass es in den vergangenen Monaten zu Spannungen im deutsch-griechischen Verhältnis kam, nachdem deutsche Medien die griechische Wirtschafts- und Finanzmisere mit der griechischen Mentalität in einen Zusammenhang brachten, ist auch Herrn Führer bewusst. „Ich habe an einem Kiosk eine Zeitschrift gesehen, aufgemacht vergleichbar dem SPIEGEL, da sah man Angela Merkel mit Stahlhelm und Hakenkreuz. Im Alltag sind mir die Menschen hier dagegen bisher sehr hilfsbereit und freundlich begegnet.“ Natürlich spüre auch er die Krise im Land. „Die Menschen sind verunsichert. Sie stellen sich die Frage, was die Zukunft bringen wird.“</p>
<p>Elke Wollschläger kennt diese Angst ebenfalls. Sie ist die erste Vorsitzende der Gemeinde und seit bereits 26 Jahren mit Griechenland vertraut. „Zunächst habe ich hier Urlaub gemacht und Freundinnen besucht“, erzählt sie in einer ebenso offenen wie herzlichen Art. Ein Jobangebot in der Textilbranche folgte und die Liebe zu einem Mann. „Und ehe ich mich versah, war ich häufiger in Griechenland als in Deutschland.“ Die Krise sei ein großes Thema. Doch in der Gemeinde würden auch Alltagsprobleme diskutiert. Gerade in griechisch-deutschen Familien käme es häufig zu Meinungsverschiedenheiten zum Beispiel bezüglich der Kindererziehung. „Wir nennen uns manchmal scherzhaft <em>Frauengemeinde“, </em>sagt Frau Wollschläger lachend und spielt darauf an, dass es viele deutsche Ehefrauen sind, die das Gemeindeleben prägen. Frauen von griechischen Männern, die zumeist als ehemalige Gastarbeiter oder Studenten in ihre Heimat zurückgekehrt sind. Oft würden sich diese Frauen alleine und in der Fremde fühlen. „So tut es auch mal ganz gut, mit ihnen und ihren Kindern deutsche Kinderlieder zu singen.“</p>
<p>Darüber hinaus hilft die Gemeinde in Not geratenen deutschen Urlaubern. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Generalkonsulat würden Behördengänge erledigt oder einfach nur Trost gespendet. Überhaupt sei die Zusammenarbeit mit anderen deutschen Institutionen der Stadt sehr intensiv. So könne die Gemeinde bei größeren Veranstaltungen auf die Aula der Deutschen Schule oder auf die Räumlichkeiten des Goethe Institutes zurückgreifen. Als ein in sich geschlossener deutscher Zirkel verstehe man sich aber nicht. „Gerade der Kontakt zu anderen Konfessionen und Religionen ist uns wichtig“, betont auch Frau Wollschläger „Wir pflegen Kontakte zur Griechisch-Orthodoxen Kirche, zur Katholischen Kirche und zur jüdischen Bevölkerung.“ Und auch innerhalb der Gemeinde müsse man nicht zwangsläufig evangelischer Christ sein. Es reiche ein christliches Bekenntnis. „Immerhin sind viele Kinder aus griechisch-deutschen Familien griechisch-orthodox getauft, denen wollen wir doch nicht unser Gemeindeleben verwehren.“ Dass es ein harter Kampf mit der EKD war, eine entsprechende Änderung der Satzung durchzusetzen, möchte sie noch anmerken. Dann heißt es, wieder an die Arbeit. Immerhin muss ein neuer Pfarrer mit der Gemeinde und der Stadt vertraut gemacht werden.</p>
<p>Infokasten zu Thessaloniki</p>
<p>Thessaloniki ist die zweitgrößte Stadt Griechenlands und zählt in ihrem Ballungsraum zirka 900.000 Einwohner. Sie ist das wirtschaftliche Zentrum im Norden des Landes und kann auf eine Geschichte von 2325 Jahren zurückblicken. Benannt ist Thessaloniki nach einer Halbschwester Alexanders des Großen. Zweimal besuchte Apostel Paulus die makedonische Stadt. Seine Briefe an die Thessalonicher erinnern an diese Beziehung. Während des Mittelalters war Thessaloniki die nach Konstantinopel bedeutendste Stadt des Byzantinischen Reiches. Die Osmanen eroberten sie 1430 und siedelten in der Folgezeit jüdische Flüchtlinge aus dem katholischen Spanien und Portugal an. Deren Nachfahren stellten bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts die größte Bevölkerungsgruppe Thessalonikis. Im Jahr 1912 kam die Stadt an Griechenland. Als Folge eines griechisch-türkischen Krieges zehn Jahre später verließen die Muslime Thessaloniki. Dagegen strömten zehntausende griechischer Flüchtlinge aus Kleinasien in die Stadt. Während des Zweiten Weltkrieges besetzten deutsche Truppen Thessaloniki und organisierten die Deportation der jüdischen Einwohnerschaft. Der Verlust an muslimischen und jüdischen Bewohnern machte aus der makedonischen Metropole eine primär griechisch-orthodox geprägte Stadt. Erst mit der Globalisierung nach dem Ende des Kalten Krieges entwickelte Thessaloniki wieder einen ausgeprägt multikulturellen Charakter mit Einwohnern aus allen Kontinenten. In diesem Umfeld hat die kleine evangelische Kirchengemeinde deutscher Sprache ihren Platz gefunden.</p>
<p>Infokasten zur Evangelischen Gemeinde Thessaloniki</p>
<p>Bereits 1895 wurde die Evangelische Gemeinde als Teil der Preußischen Landeskirche im damals noch osmanischen Thessaloniki gegründet. Die Gemeindemitglieder waren hauptsächlich Familienangehörige von Kaufleuten, Handwerkern und Eisenbahnern. Bis 1916 stellte die Preußische Landeskirche die Pfarrer. In den folgenden Jahrzehnten betreuten Pfarrer der Athener Gemeinde die Gläubigen in Thessaloniki. Erst 1981 erhielt die Gemeinde der Stadt mit der Diplomtheologin Dorothee Vakalis eine eigene Pastorin. Die Gemeinde besitzt mittlerweile den Status eines gemeinnützigen griechischen Vereins und ist seit 1988 offiziell als Kirche anerkannt. Das kleine Gemeindezentrum in der geschäftigen Stadtmitte ist Anlaufpunkt für evangelische Christen aus ganz Nord- und Mittelgriechenland.</p>
<p><em>Erschienen in &#8222;die kirche&#8220;<br />
</em></p>
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		<title>Wanderungen im Garten der Gottesmutter Maria</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 12:05:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auf einer von der Ägäis umspülten Landzunge im Norden Griechenlands liegt die autonome Mönchsrepublik Athos. Ein Zentrum des orthodoxen Christentums, welches nur Männern und Jungen zugänglich ist. Hier leben und beten zirka 2000 Mönche in imposanten Klöstern oder bescheidenen Einsiedeleien. &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=98">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Auf einer von der Ägäis umspülten Landzunge im Norden Griechenlands liegt die autonome Mönchsrepublik Athos. Ein Zentrum des orthodoxen Christentums, welches nur Männern und Jungen zugänglich ist. Hier leben und beten zirka 2000 Mönche in imposanten Klöstern oder bescheidenen Einsiedeleien. Ein Besuch<span id="more-98"></span></p>
<p>Der schmale und von mediterraner Vegetation überwucherte Pfad geht abrupt in eine kleine von Olivenbäumen gesäumte Lichtung über. Ein tiefblauer Himmel und das satte Grün einer wilden Mittelgebirgslandschaft umrahmen dieses Stück Erde. Es scheint von der Welt vergessen. Bis hierher bin ich zwei Stunden gewandert und allmählich stellt sich Euphorie ein. Es sind nur noch wenige hundert Meter einen steinigen Weg hinab zur zerklüfteten Küste. Dort wartet das Ziel, das majestätisch anmutende russische Kloster Panteleimonos. Mehr Kleinstadt als Kloster verirren sich in seinen Gemäuern gerade einmal 50 Mönche. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts beteten dagegen 1500 Klosterbrüder in der Anlage. Das weiß gehaltene Klosterareal mit seinen hellgrünen Dächern liegt still in der Mittagssonne. Baumaschinen weisen auf Renovierungsarbeiten hin. Mich beschleicht ein ungutes Gefühl. Ist eine vorgesehene Übernachtung möglich? In der kühlen Eingangshalle stoße ich zunächst auf einen Zeitmesser, der die byzantinische Uhrzeit anzeigt. Deren Stunde Null beginnt bereits mit Sonnenuntergang. Dann höre ich endlich Stimmen aus einem Aufenthaltsraum. Ein junger Mönch diskutiert mit zwei Arbeitern und zeigt sich von meiner Gegenwart überrascht. Mit dem Ausdruck ernst gemeinten Bedauerns erklärt er in perfektem Englisch, dass es tatsächlich keine Übernachtungsmöglichkeit gäbe. Die Alternativen? Er führt mich zu einem voluminösen Wandgemälde. Es zeigt die Athoshalbinsel und ihre zwanzig Großklöster. Nach einem Gläschen Weinbrand, zwei Gläsern Wasser und der obligatorischen Süßigkeit Loukoumi, die aus Fruchtgelee und Puderzucker besteht, muss ich zurück in die nahezu unberührte Natur. Auf zum nächsten Kloster.</p>
<p>Tatsächlich erbitten mittlerweile mehrere Mönchsgemeinschaften eine Anmeldung. In der Vergangenheit genügte es dagegen, die beim Pilgerbüro in Thessaloniki beantragte Einreisebescheinigung für das autonome Gebiet vorzuzeigen. Diese kostet 25 Euro und berechtigt als eine Art Visum zu einem viertägigen Aufenthalt.</p>
<p>Simonos Petras ist schließlich meine zweite Wahl. Ein spektakulärer Klosterbau, der über eine geschotterte Serpentinenstraße zu erreichen ist. Nach einer Stunde des Wanderns hält das zweite Auto. Ein geländegängiges Fahrzeug, an dessen Steuer ein sonnenbebrillter Mönch sitzt. Er bringt Pilger zum Kloster und hat noch einen freien Platz. Sein Angebot möchte ich bei gefühlten 30 Grad Celsius nicht abschlagen. Mit Mönchsgesang aus dem Radio wird die Reise fortgesetzt. Simonos Petras liegt phantastisch auf einem 280 Meter hohen Felsen. Während der karge 2033 Meter hohe Berg Athos im Hintergrund die Kulisse bildet. Mehrere Mönche heißen die Neuankömmlinge willkommen. In einem kleinen Empfangsraum reichen die Klosterbrüder Schnaps, Wasser und Loukoumi, dann folgt der Eintrag in das Klosterbuch. Das anschließende Essen besteht aus gefüllten Tomaten und schmeckt hervorragend. Allerdings irritieren mich die Teller ein wenig. Sie zeigen den doppelköpfigen Adler des Byzantinischen Reiches. Auf der Athoshalbinsel scheint dieser längst untergegangene Staat tatsächlich fortzuleben.</p>
<p>Bis zum Abendgottesdienst bleibt Zeit für einen Spaziergang in die umliegende Natur. Steil abfallende Felsen, die bei Sonnenuntergang zu glühen beginnen, führen hinab zu weiteren Klöstern an der Küste. Diese besitzen einen burgenähnlichen Charakter, da sie im Mittelalter Piratenüberfälle abwehren mussten. Die Atmosphäre lädt zum Nachdenken ein. In der Ferne, jenseits des tiefblauen Meeres, ist die Silhouette der weltlich geprägten Halbinsel Sithonia erkennbar. Sie scheint nicht mehrere Kilometer sondern mehrere Jahrhunderte entfernt. In die Stille bricht plötzlich rhythmisches Klopfen. Ein kleiner Hammer wird gegen einen Holzbalken geschlagen. Es ist Zeit für den Abendgottesdienst. In das Kirchlein des Klosters drängen sich Pilger und Mönche. Kerzen werfen ein warmes Licht auf die Anwesenden. Weihrauch durchzieht den Raum. Gebete und Gesänge entfalten meditative Wirkung. Allmählich glaube ich die Legende, wonach die Athoshalbinsel der Garten der Gottesmutter Maria sein soll.</p>
<p>Am nächsten Tag chauffiert ein Mönch die Gäste des Klosters zum Haupthafen Daphni. Dort verbinden Fähren die Mönchsrepublik mit der Grenzgemeinde Ouranopolis. Es herrscht reges Treiben auf dem Hafenvorplatz. Die anwesenden Männer, mit Rucksäcken und Tüten hantierend, diskutieren in den Sprachen des Balkans. Es sind Pilger, Mönche und Arbeiter. Auf einige wartet ein klappriger Überlandbus, der Daphni mit dem Hauptort Karyes verbindet. Zu diesem zentralen Dorf im gebirgigen Landesinneren möchte ich wandern. Der Weg führt durch lichte Wälder aber auch durch schattenlose Strauchlandschaft. Es geht fast ausschließlich bergauf. Eine schweißtreibende Angelegenheit, die aufdringliche Fliegen anzieht. Nur ein einziges Mal begegnen mir weitere Wanderer. Ein Vater und dessen Sohn, welche ich bereits von weitem in Ihre Handys rufen höre. Gegen Abend erreiche ich endlich Karyes, eine Gemeinde mit 200 Einwohnern. Auf den ersten Blick ein ganz normales griechisches Dorf, wenn nicht die Frauen fehlen würden.</p>
<p>Von Karyes aus verkehrt eine Kleinbuslinie zum wichtigsten Kloster der Athoshalbinsel, Megisti Lavra. Es liegt an der Südostküste und ist über eine holprige Piste, die teilweise durch urwüchsig wirkende Wälder führt, erreichbar. Hier finden Pilger das Grab des Athanasios Athonites. Er ist Begründer der im 10. Jahrhundert beginnenden Klostergeschichte des Berges. Zwar wollte er das Leben eines Eremiten führen, doch sein Freund, der byzantinische Kaiser Nikephoros Phokas, überredete ihn zum Klosterbau. Hier steht die älteste und damit auch bedeutendste Kirche der Mönchsrepublik. Heute ähnelt das Kloster mit seinen Wehrtürmen einer mächtigen Burg. Es steht auf einem 150 Meter hohen Plateau und erlaubt einen sagenhaften Blick auf die Ägäis. Das mittelalterliche Ensemble wird leider durch einen Hubschrauberlandeplatz beeinträchtigt, der den Hauptzugang der Anlage prägt.</p>
<p>Gegen Abend erhalten Pilger die Möglichkeit, einen Blick auf den Reliquienschatz zu werfen. Die Präsentation der einzelnen Knochen erfolgt in einer Geschwindigkeit, die in der Nachbetrachtung keine zweifelsfreie Heiligenzuordnung erlaubt. Doch dies stört im Augenblick der Präsentation nicht. Die Anwesenden bilden andächtig eine Reihe und küssen aus Verehrung und in der Hoffnung auf zukünftigen Beistand sämtliche Reliquien. Die beeindruckende Bibliothek mit ihren 20.000 Büchern bleibt derweilen verschlossen. Sie zählt neben der Krone des byzantinischen Kaisers Nikephoros zu den größten Schätzen des imposanten Klosters. Als Mönche um 21 Uhr die Klostertore schließen, kehrt allmählich Ruhe ein. In der mit zehn Männern belegten Gemeinschaftsunterkunft wird diese nur durch das gleichmäßige Schnarchen einzelner Gäste unterbrochen.</p>
<p>Nach viertägigem Aufenthalt verlasse ich die Mönchsrepublik. In Daphni untersucht der Zoll zum Abschied routiniert Rucksäcke und Taschen nach Diebesgut. Dann nimmt die Fähre namens Heiliger Panteleimon Kurs auf das zwei Stunden entfernte Ouranopolis. Dort sonnen sich Frauen am Strand. Shorts und luftige Kleidung dominieren die Szenerie. Ein beinahe vergessenes Bild. Bei aller Bewunderung für die Mönche des Berges Athos, die jahrhundertealte Traditionen pflegen und somit am Leben halten. Ihr reglementierter Alltag bringt viele Entbehrungen mit sich, die nicht jeder Pilger oder Wanderer zu schultern bereit ist.</p>
<p>Info:</p>
<p>Die östliche Landzunge der nordgriechischen Halbinsel Chalkidiki wird zu einem überwiegenden Teil von der autonomen Mönchsrepublik Athos eingenommen. Eine Einreiseerlaubnis erteilt das <em>Pilgerbüro der Heiligen Gemeinde des Athos</em> in Thessaloniki. Da die Besucherzahl reglementiert ist, macht eine frühzeitige Anmeldung Sinn. Leider dürfen Frauen und Mädchen die Mönchsrepublik nicht betreten. Eine umfangreiche und ebenso informative Homepage bietet die Mönchsgemeinschaft unter: www.mountathos.gr Thessaloniki, den 15. August 2008 / Erschienen in Spiegel Online 11. Dezember 2008 www.spiegel.de/reise/europa/0,1518,587214,00.html</p>
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		<title>Auf sich allein gestellt</title>
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		<pubDate>Sat, 01 May 2010 12:34:04 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Die Wirtschafts- und Finanzkrise Griechenlands trifft jüdische Gemeinden des Landes hart Zwischen Kreta und Thrazien gibt es seit Wochen nur ein Thema: Wie kommt das Land wieder aus der Krise? Wer ist für die Misere verantwortlich und wo muss gespart &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=72">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Die Wirtschafts- und Finanzkrise Griechenlands trifft jüdische Gemeinden des Landes hart</span></h2>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Zwischen Kreta und Thrazien gibt es seit Wochen nur ein Thema: Wie kommt das Land wieder aus der Krise? Wer ist für die Misere verantwortlich und wo muss gespart werden? Die Preise steigen, staatliche Leistungen werden gekürzt und auf dem Arbeitsmarkt sieht es düster aus. Frau Perahia Zemour, Leiterin des Jüdischen Museums in Thessaloniki, bringt die Situation für ihr Haus auf den Punkt. «Die Zukunft unserer Einrichtung ist zum jetzigen Zeitpunkt ungewiss.» Da die finanzschwache jüdische Gemeinde das Museum subventioniert, sind Einsparungen sehr wahrscheinlich. Frau Perahia Zemour ist eine der gerade einmal 5.000 Griechinnen und Griechen jüdischen Glaubens. Die meisten leben in Thessaloniki und Athen. Zudem gibt es in sechs weiteren Städten kleine jüdische Gemeinden.<span id="more-72"></span></span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Die jüdischen Einwohner Griechenlands sind eine äußerst unauffällige Gemeinschaft. Selbst in Thessaloniki, der Stadt mit einer herausragenden jüdischen Tradition, kennen nur wenige Menschen den Weg zum versteckt gelegenen Gemeindezentrum. Folglich fehlen auch jüdische Intellektuelle, die im Rampenlicht des öffentlichen Interesses stehen und zur aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise Stellung beziehen. Die Gemeinden versuchen vielmehr im Stillen, die Krise zu meistern. Eine Unterstützung des Staates gibt es nicht. Die Finanzierung des Gemeindelebens erfolgt hauptsächlich durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und die ökonomische Verwertung jüdischen Immobilienbesitzes.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Der sei jedoch seit dem Holocaust massiv geschrumpft, betont David Saltiel. Der 63-jährige gebürtige Athener ist Präsident des Zentralrats der Juden Griechenlands. Für ihn ist die hohe Jugendarbeitslosigkeit ein entscheidendes Symptom der Krise. Als vorsichtiger Analyst stellt er aber auch fest, dass die fehlenden beruflichen Perspektiven für die heranwachsende Generation in vielen europäischen Staaten ein Problem seien und nicht nur Griechenland betreffen würden.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Was ihn als griechischen Juden wiederum besonders an der aktuellen Situation beunruhige, sei das Anwachsen einer antisemitischen Stimmung im Land. Saltiel: «In wirtschaftlich schwierigen Zeiten kommt es stets zur Suche nach den Schuldigen. Hier fällt der Blick schnell auf die Minderheiten oder auf diejenigen, die eine vermeintliche internationale Finanzoligarchie repräsentieren würden.» Gemeint sind in beiden Fällen die Juden. Und wie zur Bestätigung haben sich Anschläge auf jüdische Einrichtungen in den letzten Monaten gehäuft. Ein wiederholter Brandanschlag auf die Synagoge der kretischen Stadt Chania im Januar fand wegen der angerichteten Schäden sogar überregionale Aufmerksamkeit.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Rechtsextreme Verschwörungstheoretiker und Gewalttäter bilden zwar auch in Griechenland nur eine kleine Gruppe. Doch ein großer öffentlicher Aufschrei der Empörung blieb nach den verheerenden Attacken ebenfalls aus. «Wir griechischen Juden sind ein Teil des griechischen Volkes und es muss unterstrichen werden, dass wir loyal zu den Zielen des Staates stehen und auch immer standen», sagt David Saltiel. Er hofft bei der Vermittlung dieser Sichtweise sehr auf die Unterstützung des Staates und anderer gesellschaftlich einflussreicher Akteure.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Die griechische Mehrheitsgesellschaft nimmt von den Sorgen des Zentralratspräsidenten allerdings kaum Notiz. Vielmehr diskutiert sie, wenn auch in abnehmenden Maße, das Verhältnis zu Deutschland. Deutsche Medienvertreter, Politiker und Ökonomen hatten die verfehlte griechische Wirtschaftspolitik, den vorherrschenden Klientelismus und die Korruption scharf kritisiert. Die Kommentare aus dem fernen Mitteleuropa erschienen bestenfalls arrogant und oberlehrerhaft. Reflexartig wurde, wenig originell, an die deutsche Besatzungszeit während des Zweiten Weltkrieges und ihre ökonomischen Folgen für Griechenland erinnert.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Auch unter jüdischen Griechen war die bilaterale Gereiztheit lange Zeit ein wichtiges Gesprächsthema. Gerade der Verweis auf die ökonomischen Schäden während der Besatzungszeit erinnerte viele von ihnen an das von jüdischen Familien geprägte Wirtschaftsleben zahlreicher Kommunen vor dem Einmarsch deutscher Truppen. Allerdings relativiert sich dieser Aspekt vor dem Hintergrund der Ermordung von 86 Prozent der griechischen Juden während des Krieges. Auch David Saltiel möchte nicht in die Diskussion einsteigen. Es sei vielmehr normal, dass Staaten in ihren bilateralen Beziehungen unterschiedliche Phasen durchlaufen würden und dies gerade in wirtschaftlichen Extremsituationen vorkomme. Für ihn sei das in die EU integrierte Deutschland trotz aller Misstöne der wichtigste Partner Griechenlands. Vielleicht gewinnt diese Sichtweise bald wieder Oberhand. Immerhin bedeutet das altgriechische Wort «Krise» im ursprünglichen Sinne ganz wertfrei «eine Meinung haben» bzw. «etwas beurteilen». </span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Juden in Griechenland</span></strong><span style="font-family: Arial,sans-serif;">  </span></span></p>
<p align="left"><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Die sephardischen Juden sind die größte Gruppe der Juden Griechenlands. Sie wanderten ab dem 15. Jahrhundert von der Iberischen Halbinsel in das Gebiet des heutigen Hellas&#8216; ein. Daneben gibt es noch eine kleine Gruppe so genannter Romaniotes. Sie sind Nachfahren der alteingesessenen jüdischen Gemeinschaft. Heute leben ca. 5.000 Juden in Griechenland. Viele Überlebende des Holocaust emigrierten nach dem Krieg in Richtung USA und Israel. In Israel bestehen mehrere Gruppen, die noch heute griechisch-jüdische Traditionen pflegen. Die bekannteste Gemeinschaft ist die Vereinigung der griechischen Holocaustüberlebenden.</span></p>
<p align="left">
<p align="left">Berlin, 30. April 2010 / Erschienen in der Jüdischen Zeitung am 1. Mai 2010 www.j-zeit.de/archiv/artikel.2312.html</p>
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		<title>&#8222;Ein Ausländer zu sein, spürte ich das erste Mal in West-Berlin&#8220;</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Oct 2009 11:49:49 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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		<description><![CDATA[DEUTSCH-DEUTSCHE GESCHICHTE Im Griechischen Bürgerkrieg, der im Oktober vor 60 Jahren endete, flohen 100.000 Menschen in Ostblockländer. Die DDR nahm 1.128 Flüchtlinge auf &#8211; auch die Eltern von Andreas Murkudis. Er habe in der DDR eine unbeschwerte Kindheit erlebt, sagt &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=57">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h5><span style="font-family: Arial,sans-serif;">DEUTSCH-DEUTSCHE GESCHICHTE Im Griechischen Bürgerkrieg, der im Oktober vor 60 Jahren endete, flohen 100.000 Menschen in Ostblockländer. Die DDR nahm 1.128 Flüchtlinge auf &#8211; auch die Eltern von Andreas Murkudis. Er habe in der DDR eine unbeschwerte Kindheit erlebt, sagt er. Schwierig sei es erst geworden, als die Familie 1973 nach West-Berlin zog</span></h5>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">INTERVIEW ALEXANDER JOSSIFIDIS<strong></strong></span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Herr Murkudis, in welcher Form hatten sich Ihre Eltern am Griechischen Bürgerkrieg beteiligt und wie kamen sie in die DDR? </strong></span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Andreas Murkudis: </strong>Beide waren während des Bürgerkriegs noch Teenager und flohen mit den Partisanen über die nahen Grenzen. Wenn Sie so wollen, gehörten sie zur Partisanenbewegung. Man schickte sie in die DDR, während meine ebenfalls geflohenen Großeltern in die Tschechoslowakei gebracht wurden. Auf die Wahl des Exils hatten sie keinen Einfluss, und meine Großeltern fühlten sich in der CSSR auch nicht sonderlich wohl. <span id="more-57"></span></span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Wie erging es Ihnen in Ihrer Geburtsstadt Dresden? </strong></span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Ich habe mein Leben in Dresden sehr genossen. Fremdenfeindlichkeit ist mir dort nie begegnet. Ich fühlte mich weder als Grieche noch als Deutscher, sondern als Teil der DDR. </span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Gab es Kontakt zu anderen Bürgerkriegsflüchtlingen? </strong></span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Und ob! Dresden, Leipzig, das waren Städte mit sehr vielen Bürgerkriegsflüchtlingen. Alleine in meiner Schule zählten wir vier bis acht griechische Kinder, die sogar täglich eine Stunde Griechisch-Unterricht bekamen. Um ein weiteres Beispiel zu geben: In dem Haus, in dem wir lebten, wohnte nur eine deutsche Familie. Wenn ich mich richtig erinnere, zählten wir in den vier Wohnblocks unserer Nachbarschaft zirka 30 griechische Familien. Man traf sich und man feierte gemeinsam. </span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Das hört sich nach einer unbeschwerten Jugend an. </strong></span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Das war sie auch. Ich habe keine negativen Erinnerungen an das Leben in der DDR. Allerdings war ich erst zwölf Jahre alt, als meine Eltern 1973 nach West-Berlin zogen. Also noch zu jung, um die DDR möglicherweise kritisch zu sehen. </span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Was führte Ihre Eltern nach West-Berlin?</strong></span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Ursprünglich wollten sie über West-Berlin nach Griechenland ausreisen, denn meinen Großeltern dort ging es gesundheitlich schlecht. Doch die griechische Vertretung in Berlin erklärte uns zu unerwünschten Personen. Die Einreise wurde verweigert und wir landeten in einem Aufnahmelager. Erst 1979 durften meine Eltern nach Griechenland zurückkehren. </span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Wie haben Sie den Umzug nach West-Berlin erlebt?</strong></span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Es war ein Kulturschock. Es fing schon damit an, dass ich in der Schule wegen meines Sächsisch gehänselt wurde. Zudem spürte ich zum ersten Mal in West-Berlin, was es heißt, ein Ausländer zu sein. Unsere Familie musste jedes halbe Jahr ihre Aufenthaltsgenehmigung verlängern lassen. Eine menschenunwürdige Prozedur. Zwischen 6 und 9 Uhr zur Behörde, in der Hoffnung, noch am selben Tag einen Termin zu bekommen. Dann die Unfreundlichkeit der Mitarbeiter, die beispielsweise mit mir sprachen, als ob ich kein Deutsch verstehen würde. Dabei lasen sie in meinen Papieren, dass ich in Dresden geboren wurde. Doch davon abgesehen waren wir natürlich mächtig beeindruckt vom gewaltigen Konsumangebot der Stadt. Wir aßen so viele Bananen in den verschiedensten Varianten, dass mir später alleine beim Gedanken daran schlecht wurde. </span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Sie haben dann Kunstgeschichte studiert, für das &#8222;Museum der Dinge&#8220; gearbeitet und später Modeläden eröffnet. Gab es für Sie auch die Option, wie Ihre Eltern nach Griechenland zu emigrieren? </strong></span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Nein. Tatsächlich sind fast nur die Menschen im Rentenalter zurückgekehrt. Von den Jungen sind 80 bis 90 Prozent hier geblieben. In Griechenland eine gute Arbeit zu finden oder etwas aufzubauen, ist äußerst schwierig. Nichts geht voran. Zudem ist das Gesundheitssystem eine Katastrophe. Die Hygiene schlecht. Ich könnte mir in Griechenland durchaus meinen Alterssitz vorstellen, denn das Land mit seien unzähligen Inseln ist wunderschön und die Mentalität der Menschen gefällt mir. Aber zurzeit würde ich dort höchstens Urlaub machen. </span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Welche Gefühle überwogen beim ersten Griechenlandbesuch? </strong></span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Es war natürlich eine sehr emotionale Rückkehr, im positiven wie im negativen Sinne. Die Ankunft im Dorf meiner Mutter geriet zum großen Freudenfest, während die Verwandten im Dorf meines Vaters dessen Rückkehr ablehnten. Ich hatte wiederum Angst, dass mich die griechische Armee zum Militärdienst einziehen könnte. </span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Wie erklären Sie sich das entgegengesetzte Verhalten der Verwandten? </strong></span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Im Ort meiner Mutter gab es eine ganz besondere Dorfsolidarität, die vielleicht damit zu tun hat, dass die Dorfbewohner während der deutschen Besatzung in eine Kirche eingesperrt wurden und diese angezündet werden sollte. Zum Glück ist dieses Vorhaben nicht in die Tat umgesetzt worden. Das Ereignis hat die Menschen dennoch zusammengeschweißt. Dagegen wurde mein Vater nach all den Jahren der Abwesenheit als Fremder wahrgenommen. </span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Zurzeit dreht sich ja alles um das Jubiläum 20 Jahre Mauerfall. Wie erlebten Sie den 9. November 1989? </strong></span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Ich freute mich sehr für die Menschen, die diesen Tag feierten. Die Mauer musste fallen. Da ich positive Erinnerungen mit der DDR verband, hielt sich meine Freude jedoch in Grenzen. Die meisten Menschen verstanden Freiheit als die Freiheit, konsumieren und reisen zu können. Dennoch habe ich in der Nachbetrachtung das Gefühl, dass die Menschen in der DDR glücklicher waren als heute. Was beim Blick auf die wachsende Armut und Perspektivlosigkeit auch nicht verwundert.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">&#8222;Ich fühlte mich weder als Grieche noch als Deutscher, sondern als Teil der DDR&#8220;</span></p>
<h1><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Andreas Murkudis</span></h1>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Wurde 1961 in Dresden geboren, die Familie zog 1973 aus der DDR nach West-Berlin. Die Eltern zogen 1979 von dort nach Griechenland. Andreas Murkudis besitzt in Berlin drei Designerläden.<br />
<a href="http://www.andreasmurkudis.net/" target="_new">www.andreasmurkudis.net</a></span></p>
<h1><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Griechen in der DDR</span></h1>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Mit dem Abzug der deutschen Wehrmacht Ende Oktober 1944 eskalierte in Griechenland die Auseinandersetzung um die Vorherrschaft im Staat. Gegner waren mehrere konservative Regierungen und die linke Volksfront, die von der KP angeführt wurde. Während des Bürgerkriegs unterstützten sozialistische Staaten die Aufständischen, Großbritannien und die USA protegierten die Regierungen. Mit drohender Niederlage der Rebellen flohen zirka 100.000 Menschen in den letzten Kriegsmonaten nach Albanien, Bulgarien und Jugoslawien. Von dort wurden sie auf den gesamten von der Sowjetunion beeinflussten Machtbereich verteilt. Die DDR nahm 1.128 Flüchtlinge auf. Nach einer Amnestie 1979 sind mittlerweile die meisten in ihre Heimat zurückgekehrt. Heute pflegen nur noch wenige Griechen der DDR ihre alten Kontakte. </span></p>
<p>Berlin, 5. Oktober 2009 / Erschienen in der tageszeitung am 6. Oktober 2009</p>
<p>&nbsp;</p>
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