<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Alexander Jossifidis &#187; Geschichte</title>
	<atom:link href="http://www.jossifidis.de/?cat=56&#038;feed=rss2" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.jossifidis.de</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Wed, 21 Jan 2015 09:43:46 +0000</lastBuildDate>
	<language>de-DE</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=4.1.42</generator>
	<item>
		<title>Rezension: Heinz A. Richter: Operation Merkur. Die Eroberung der Insel Kreta im Mai 1941. Harrassowitz Verlag Wiesbaden 2011.</title>
		<link>http://www.jossifidis.de/?p=165</link>
		<comments>http://www.jossifidis.de/?p=165#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 13:34:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Griechenland]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Kreta]]></category>
		<category><![CDATA[Zweiter Weltkrieg]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jossifidis.de/?p=165</guid>
		<description><![CDATA[Vor siebzig Jahren fand auf der Insel Kreta eine der ungewöhnlichsten Schlachten des Zweiten Weltkrieges statt: Es war die erste Luftlandeoperation zur Eroberung eines großflächigen Territoriums. Dabei war die angreifende Partei den Verteidigern nicht nur zahlenmäßig unterlegen. Die Verteidiger kannten &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=165">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Vor siebzig Jahren fand auf der Insel Kreta eine der ungewöhnlichsten Schlachten des Zweiten Weltkrieges statt: Es war die erste Luftlandeoperation zur Eroberung eines großflächigen Territoriums. Dabei war die angreifende Partei den Verteidigern nicht nur zahlenmäßig unterlegen. Die Verteidiger kannten zudem die Angriffspläne und verloren trotzdem.<span id="more-165"></span></p>
<p>Der Griechenland-Experte Heinz A. Richter hat nun ein spannendes Buch hierüber geschrieben. Er schildert fast schon minutiös die Eroberung der Insel Kreta durch die deutsche Wehrmacht und die militärische Unterstützung seitens ihres italienischen Verbündeten. Dem Autor ist hoch anzurechnen, dass bei seinen Ausführungen keine zweifelhafte Landserromantik bedient wird. Hierfür sorgt schon alleine ein Perspektivwechsel, der auch der britischen Kriegspartei und ihren Verbündeten breiten Raum zugesteht.</p>
<p>Zu den Verteidigern der Insel zählten Irreguläre, kretische Partisanen, welche aufgrund ihrer schlechten Bewaffnung deutsche Soldaten zumeist aus dem Hinterhalt attackierten. Was als Reaktion wiederum so genannte Sühnemaßnahmen provozierte. Spätestens hier sieht Heinz A. Richter aus einem „sauberen“ Feldzug einen „schmutzigen“ Krieg werden. Wobei natürlich diskutiert werden kann, wo die Grenzen zu ziehen sind zwischen erlaubten und nicht erlaubten Töten. Mit anderen Worten: Gibt es überhaupt „saubere“ Feldzüge?</p>
<p>Abseits dieser Frage schlüsselt das Buch den Sinn und Zweck der Eroberung Kretas auf. Heinz A. Richter erklärt die strategische Bedeutung der fünftgrößten Mittelmeerinsel und bettet gekonnt das dargestellte Kriegsgeschehen in eine Analyse der politischen Rahmenbedingungen. Auf diese Weise entsteht ein Gesamtüberblick, der <em>Operation Merkur</em> nicht nur für Militärhistoriker lesenswert macht. Das Buch ist vielmehr allen Interessierten am Verlauf des Zweiten Weltkrieges zu empfehlen.</p>
<p>Heute lohnen Besuche der nachdenklich stimmenden Soldatenfriedhöfe und Gedenkorte Kretas, die an die Kämpfe von vor siebzig Jahren erinnern. Das eigentliche Geschehen ist dagegen immer weniger Menschen bekannt. Das Buch von Heinz A. Richter ist ein Beitrag, um dieses Kapitel deutscher, griechischer und angelsächsischer Geschichte wieder in Erinnerung zu rufen.</p>
<p>Berlin, 10. Februar 2011 / Erschiene in Griechenland Zeitung</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jossifidis.de/?feed=rss2&#038;p=165</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Rezension: Heinz A. Richter Geschichte der Insel Zypern Band IV: 1965-1977 (Teil 1 und 2)</title>
		<link>http://www.jossifidis.de/?p=163</link>
		<comments>http://www.jossifidis.de/?p=163#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 13:33:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Zypern]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jossifidis.de/?p=163</guid>
		<description><![CDATA[Ruhpolding: Verlag Franz Philipp Rutzen 2009 In Kommission bei Harrassowitz Verlag Wiesbaden, Seiten 735 ISBN 978-3-939646-33-5 ISBN 978-3-447-05943-5 &#160; &#160; Im vierten Band seiner lesenswerten Geschichte der Insel Zypern bespricht Heinz A. Richter die Entwicklung des Landes vom Ende des &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=163">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ruhpolding: Verlag Franz Philipp Rutzen 2009<br />
In Kommission bei Harrassowitz Verlag Wiesbaden, Seiten 735<br />
ISBN 978-3-939646-33-5<br />
ISBN 978-3-447-05943-5</p>
<p><span id="more-163"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Im vierten Band seiner lesenswerten Geschichte der Insel Zypern bespricht Heinz A. Richter die Entwicklung des Landes vom Ende des zypriotischen Bürgerkrieges 1965 bis zum Tod des langjährigen zypriotischen Präsidenten Makarios im Jahr 1977. Der Band gliedert sich in vier Teile, die wiederum vier Perioden der zypriotischen Geschichte entsprechen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Zunächst beleuchtet Heinz A. Richter die späten 60er Jahre und legt dabei die politische Instabilität des Landes offen. Staatschef Makarios bekannte in dieser Phase öffentlich, dass die von vielen griechischen Zyprioten gewünschte Vereinigung Zyperns mit Griechenland aufgrund vorherrschender Realitäten nicht machbar sei. Ein Kurswechsel, der zu Spannungen mit Befürwortern der Vereinigung führte. In einem nationalistisch aufgeladenen politischen Klima torpedierten radikale Kräfte durch gewalttätige Übergriffe das Bemühen eines interkommunalen Dialogs zwischen griechischen und türkischen Inselbewohnern und schreckten selbst vor einem Attentat auf Makarios nicht zurück.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die zweite Periode kann mit dem Weg in die Katastrophe überschrieben werden. Heinz A. Richter schildert anschaulich die terroristischen Aktivitäten der griechisch-zypriotischen Untergrundbewegung EOKA B, deren Ziel eine Vereinigung Zyperns mit Griechenland war. Die blutige Kampagne der EOKA B spaltete nicht nur die griechisch-zypriotische Gemeinschaft in die Fraktionen der Makarios-Anhänger und Makarios-Gegner sondern stärkte gleichzeitig auch die Verfechter separatistischer Losungen innerhalb der türkisch-zypriotischen Bevölkerung.</p>
<p>In die Auseinandersetzungen mischte sich schließlich die Athener Junta ein. Um ihre schwindende Macht in Griechenland zu stoppen, setzte sie auf einen außenpolitischen Erfolg und organisierte einen Putsch auf Zypern. Dessen Abschluss, sofern erfolgreich, zur Vereinigung der Insel mit Griechenland führen sollte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Im dritten Teil seines Bandes beschreibt Heinz A. Richter den dramatischen Verlauf und die tragischen Konsequenzen des von griechisch-zypriotischen Nationalgardisten ausgeführten Umsturzes. Präsident für kurze Zeit wurde der als Türkenkiller berüchtigte Nikos Sampson. Neben den türkischen Zyprioten reagierte auch die türkische Regierung in Ankara besorgt. Wissend, dass die US-amerikanische Außenpolitik die Türkei als strategischen Partner in der Region benötigte und daher nicht eingreifen würde, ließ sie die Interventionsoperation Attila anlaufen. Sie führte zur Besetzung eines Teils der Insel und war begleitet von Gräueltaten auf beiden Seiten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Heinz A. Richter schließt seinen Band mit einer Beschreibung der Verhandlungen über die politische Zukunft Zyperns in den ersten Jahren nach der Besetzung. Hier wurden Grundlagen geschaffen, die noch heute das Leben auf der Insel prägen. Ferner analysiert er die Rolle, die Makarios, eine herausragende Persönlichkeit der zypriotischen Politik dieser Zeit, spielte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Autor zählt zu den wenigen deutschen Experten der zypriotischen Geschichte. Bereits seit Jahrzehnten setzt er sich kenntnisreich mit den politischen Entwicklungen auf der Mittelmeerinsel auseinandersetzt. Dies ist der Abhandlung deutlich anzumerken. Der vierte Band der Geschichte der Insel Zypern ist ein faktenreich und spannend zu lesendes Standardwerk. Die Darstellung konzentriert sich nicht ausschließlich auf den engen innerzypriotischen Kontext. Sie bindet gleichermaßen außerzypriotische Akteure mit ein. Auf diese Weise entsteht ein umfassendes Bild der damaligen Ereignisse. Der Band beschreibt sie detailliert und bleibt trotzdem ein kurzweilig zu lesendes Werk von 735 Seiten. Zur besseren Handhabung ist es aufgeteilt auf zwei Bücher. Der vierte Band der Geschichte der Insel Zypern ist eine Empfehlung für all diejenigen, welche die entscheidenden Jahre der jüngeren zypriotischen Geschichte rekapitulieren und dadurch mehr über die Ursprünge der heutigen Situation auf der Insel erfahren möchten.</p>
<p>Berlin, den 20. Mai 2009 Erschienen in den Südosteuropa Mitteilungen</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jossifidis.de/?feed=rss2&#038;p=163</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Rezension: Heinz A. Richter Geschichte der Insel Zypern Band III: 1959-1965</title>
		<link>http://www.jossifidis.de/?p=160</link>
		<comments>http://www.jossifidis.de/?p=160#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 13:30:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Zypern]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jossifidis.de/?p=160</guid>
		<description><![CDATA[Ruhpolding: Verlag Franz Philipp Rutzen 2007, Seiten 644 ISBN 3-938646-12-5 &#160; &#160; Heinz A. Richter bespricht in seinem dritten Band der Geschichte der Insel Zypern die ersten Jahre des unabhängigen Staates. Zu Beginn seiner Analyse zeigt er, dass Zypern mit &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=160">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ruhpolding: Verlag Franz Philipp Rutzen 2007, Seiten 644<br />
ISBN 3-938646-12-5</p>
<p><span id="more-160"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Heinz A. Richter bespricht in seinem dritten Band der Geschichte der Insel Zypern die ersten Jahre des unabhängigen Staates. Zu Beginn seiner Analyse zeigt er, dass Zypern mit schweren politischen Hypotheken in die Unabhängigkeit von Großbritannien entlassen wurde. Die ehemalige Kolonialmacht sicherte sich flächenmäßig ausgedehnte Militärbasen. Darüber hinaus war es auch Griechenland und der Türkei erlaubt, Militär auf der Mittelmeerinsel zu stationieren. Allen drei Mächten stand zudem ein Interventionsrecht zu. Von einem wirklich unabhängigen Staat konnte vor diesem Hintergrund nur ansatzweise gesprochen werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ferner war die ausgearbeitete Verfassung darauf ausgerichtet, den türkischen Zyprioten, die 18 Prozent der griechisch dominierten Inselgesellschaft ausmachten, große Mitsprachemöglichkeiten einzuräumen. Eine Festlegung, die bei vielen Menschen der griechischen Mehrheitsgesellschaft großen Unmut auslöste. Konflikte traten vor allem in den von beiden Volksgruppen geprägten Städten auf. Dort richteten sie getrennte Stadtverwaltungen ein.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Im zweiten Teil seiner Abhandlung beschreibt Heinz A. Richter ein weiteres Manko des jungen unabhängigen Staates. Er wurde von einer Mehrheit der Bevölkerung in seiner als aufoktroyiert empfundenen Gestalt abgelehnt. Die griechischen Zyprioten wünschten sich in großer Zahl die Vereinigung mit dem griechischen Mutterland. Was wiederum türkische Zyprioten ablehnten. Sie diskutieren stattdessen die Teilung der Insel und den Anschluss des türkisch geprägten Territoriums an die Türkei. Während Athen und Ankara ihren Einfluss auf die Inselpolitik verstärkten, steuerte Präsident Makarios außenpolitisch einen blockfreien Kurs. In einem solchen Wirrwarr verwundert es nicht, dass sich die beiden Volksgruppen für die voraussehbaren Konflikte rüsteten. Waffen wurden ins Land geschmuggelt und paramilitärische Organisationen gebildet.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Im dritten Teil seines Bandes diskutiert der Autor den schon fast erwartbaren Bürgerkrieg der Jahre 1963 und 1964. Einer britischen Peace-Keeping-Force gelang vorerst eine Trennung der Konfliktaustragenden. Die UNO formierte ihrerseits die UNFICYP, deren Personal fortan für Ruhe und Ordnung sorgen sollte. In dieser von Gewalt geprägten Phase vollzog sich eine forcierte Binnenmigration türkischer Zyprioten und es entstanden türkische Siedlungszentren.</p>
<p>Die Auseinandersetzungen auf der Insel beeinflussten auch die Beziehungen der Mutterländer. Spannungen zwischen den beiden NATO-Staaten Griechenland und Türkei konnten jedoch den Vereinigten Staaten in Zeiten des Kalten Krieges nicht recht sein. Es folgte als Konsequenz eine vermehrte Einmischung Washingtons in die Konflikte vor Ort.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Abschließend untersucht Heinz A. Richter die Zeit nach dem Bürgerkrieg. Sie ist geprägt von zahlreichen Vermittlungsversuchen von Seiten der USA und der UNO. Letztlich gab es jedoch ausreichend viele Akteure vor Ort, welche diese Bemühungen zum Scheitern bringen wollten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Heinz A. Richter gelingt es, in seinem dritten Band der Geschichte der Insel Zypern die komplizierte politische Gemengelage während der ersten Jahre der zypriotischen Unabhängigkeit anschaulich dazustellen. Ausführlich beschreibt er, dass neben den unterschiedlichen lokalen politischen Interessengruppen auch regionale und global agierende Akteure die Politik des Staates bestimmen bzw. beeinflussen wollten. Eine Destabilisierung des politischen Systems der Insel war die zwangsläufige Folge. Die Politik fand folglich keine Lösung, die bestehenden Konflikte auf der Insel friedlich zu regeln. Doch wie sollte es ihr auch gelingen? Heinz A. Richter bringt es auf den Punkt, wenn er schreibt, dass sich damals keine zypriotische nationale Identität etablierte, die dem Staat seine Legitimation gegeben hätte. Stattdessen gab es griechische und türkische Zyprioten und sie betonten vielmehr ihr Griechisch- bzw. Türkischsein. Vielleicht der entscheidende Aspekt der profunde dargestellten Krise.</p>
<p>Berlin, den 23. Juni 2008 / Erschienen in Südosteuropa Mitteilungen</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jossifidis.de/?feed=rss2&#038;p=160</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Rezension: „Die Kinderfrau“ von Petros Markaris</title>
		<link>http://www.jossifidis.de/?p=157</link>
		<comments>http://www.jossifidis.de/?p=157#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 13:28:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Griechenland]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Istanbul]]></category>
		<category><![CDATA[Krimi]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jossifidis.de/?p=157</guid>
		<description><![CDATA[Ein Grieche auf Mörderjagd in Istanbul Der Krimiautor Petros Markaris ist Schöpfer des leicht missmutigen Kommissars Kostas Charitos. Der bekämpft das Verbrechen für gewöhnlich in Athen und ermöglicht kenntnisreiche Blicke hinter die Kulissen einer gesichtslosen Betonwüste. Sie liegt fernab uriger &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=157">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Grieche auf Mörderjagd in Istanbul<span id="more-157"></span></p>
<p>Der Krimiautor Petros Markaris ist Schöpfer des leicht missmutigen Kommissars Kostas Charitos. Der bekämpft das Verbrechen für gewöhnlich in Athen und ermöglicht kenntnisreiche Blicke hinter die Kulissen einer gesichtslosen Betonwüste. Sie liegt fernab uriger Altstadttavernen und antiker Baudenkmäler.</p>
<p>Im neuen Fall „Die Kinderfrau“ verbringt Kommissar Charitos seinen Urlaub in der türkischen Kulturmetropole Istanbul. Hier sucht er Abstand von Streitigkeiten mit seiner Tochter, die partout nicht kirchlich heiraten möchte. Während seines Aufenthalts beginnt eine Mordserie im Milieu der kleinen griechischen Minderheit der Stadt. Gemeinsam mit dem türkischen Kollegen Murat Saglam folgt Charitos der Spur eines Mörders, dessen Taten alptraumhafte Erinnerungen an historisches Unrecht wachrufen.</p>
<p>Petros Markaris entstammt einer griechisch-armenischen Familie Istanbuls und präsentiert einen Roman, der mehr sein möchte als die Jagd nach einem Mörder. Markaris legt vielmehr das von Misstrauen und Vorurteilen geprägte griechisch-türkische Verhältnis offen. Wohltuend dabei, seine emotionsfreie Distanz zu geäußerten Verdächtigungen und historischen Ereignissen. Er zeichnet das spannende Porträt einer griechischen Gemeinde, die Istanbul zur Heimat hat. Ihre Angehörigen besitzen keine türkische Identität, doch auch mit den Griechen aus Griechenland verbindet sie wenig.</p>
<p>Diesem Identitätswirrwarr stellt Markaris ein türkisches Pendant gegenüber, den im Fall ermittelnden Murat Saglam. Seine Vita beginnt in Deutschland. Deutscher ist er deshalb noch lange nicht. Doch auch am Bosporus bleibt er ein Mensch, den die Einheimischen nicht als einen der ihren erkennen.</p>
<p>„Die Kinderfrau“ ist ein flott zu lesender Roman. Für einen Krimi jedoch ein wenig zu spannungsarm. Die Identität des Mörders und seine Motivation sind schnell ermittelt. Dennoch ist es ein hervorragendes Buch für all diejenigen, die mehr über die Hintergründe der griechisch-türkischen Animositäten erfahren möchten und dabei gerne auf pro-griechische oder pro-türkische Parteilichkeit verzichten können.</p>
<p>Berlin, 15. August 2009 / Nicht erschienen</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Petros Markaris: Die Kinderfrau. Ein Fall für Kostas Charitos. Diogenes Verlag AG Zürich 2009 ISBN 978 3 257 06696 8</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jossifidis.de/?feed=rss2&#038;p=157</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Rezension: Kaspar Dreidoppel &#8222;Der griechische Dämon&#8220;</title>
		<link>http://www.jossifidis.de/?p=152</link>
		<comments>http://www.jossifidis.de/?p=152#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 13:24:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Griechenland]]></category>
		<category><![CDATA[Griechischer Bürgerkrieg]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jossifidis.de/?p=152</guid>
		<description><![CDATA[Widerstand und Bürgerkrieg im besetzten Griechenland 1941 – 1944 Wiesbaden: Harrassowitz Verlag 2009, 520 Seiten, ISBN 978-3-447-05929-9 &#160; Das vorliegende Buch ist die erweiterte Fassung einer Doktorarbeit, die im Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften an der Freien Universität Berlin angenommen wurde. &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=152">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Widerstand und Bürgerkrieg im besetzten Griechenland 1941 – 1944<br />
Wiesbaden: Harrassowitz Verlag 2009, 520 Seiten, ISBN 978-3-447-05929-9</p>
<p><span id="more-152"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Das vorliegende Buch ist die erweiterte Fassung einer Doktorarbeit, die im Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften an der Freien Universität Berlin angenommen wurde. Kaspar Dreidoppel analysiert die militärische Besetzung Griechenlands durch die Mächte Deutschland, Italien und Bulgarien während des Zweiten Weltkrieges und die damit verbundenen machtpolitischen Umwälzungen. Seinen Fokus richtet er insbesondere auf die einflussreiche griechische Widerstandsbewegung EAM. Deren Führungspersönlichkeiten standen größtenteils der Kommunistischen Partei Griechenlands nahe.</p>
<p>Kasper Dreidoppel kritisiert vorangegangene Veröffentlichungen zum Thema. Seiner Meinung nach würden sie idealisierende Beschreibungen der EAM liefern. Dagegen möchte der Autor das wahre Wesen der Organisation offen legen und deren, wie er es nennt, Schattenseiten kennzeichnen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>In einem ersten Kapitel beschreibt Kaspar Dreidoppel die Ausgangssituation. Er untersucht die Politik des Okkupations- und Kollaborationsregimes und liefert knapp gehaltene Hinweise zur Vorkriegszeit. Die katastrophale Wirtschaftslage im besetzten Griechenland sieht er als entscheidende Grundvoraussetzung für die große Widerstandsbereitschaft im Land.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Das zweite Kapitel untersucht die Herausbildung und die ersten Aktionen des Widerstandes. Dabei beschreibt der Autor griechische und britische Akteure. Neben der EAM und weiteren kleinen griechischen Widerstandsgruppen war es die britische Subversionsagentur SOE, die sich an Kampagnen zur Destabilisierung des Besatzungsregimes beteiligte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Im dritten Kapitel geht Kaspar Dreidoppel schließlich auf den zentralen Aspekt seiner Abhandlung ein. Er untersucht das Innenleben der Kommunistischen Partei Griechenlands und der mit ihr verwobenen EAM. Dabei beschreibt er die anvisierte bzw. praktizierte Politik der Organisation bzw. ihrer lokalen Akteure.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Es folgt im vierten Kapitel der Blick auf die Entwicklung hin zum Bürgerkrieg. Der Autor stellt die Auseinandersetzungen zwischen der EAM auf der einen und antikommunistischen Kräften auf der anderen Seite dar. Ferner beleuchtet er die Rolle der britischen Politik, die sich in die innergriechischen Auseinandersetzungen einmischte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Diese Konflikte fanden während der Besatzungszeit deutlichen Ausdruck, doch sie ermöglichten es dem Besatzungsregime nicht, hieraus politisches oder militärisches Kapital zu schlagen. Das vorletzte Kapitel beschreibt folgerichtig die Endphase der Besatzungszeit, welche mit einem Erstarken der EAM einherging.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Abschließend diskutiert Kaspar Dreidoppel die Monate nach dem Abzug der letzten deutschen Soldaten im Herbst 1944. In das Machtvakuum stießen britische sowie griechische Akteure des linken bzw. rechten politischen Spektrums. Die ausgefochtenen Antagonismen der Vergangenheit fanden eine Fortsetzung und führten zu einem Bürgerkrieg, der noch heute viele Emotionen weckt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Kaspar Dreidoppel hat ein lesenswertes Buch geschrieben, in dem zahlreiche Zitate ein eindrucksvolles Bild von den damaligen Mentalitäten und Aktivitäten zeichnen. Diese Zitate sind aber auch dafür verantwortlich, dass ab und an der Überblick verloren geht und die Relevanz des Geschriebenen nicht immer deutlich wird. Weniger ist manchmal mehr. Daher scheint das Buch sicherlich für den Einstieg in die Thematik ungeeignet. Zumal wichtige Aspekte, die zum Verständnis der damaligen Gesamtsituation beitragen könnten, nur allzu kurz angerissen werden und Zeitsprünge gelegentlich für Verwirrung sorgen.</p>
<p>Auf der anderen Seite bietet die Fülle an dargestelltem Material jedem Interessierten die Möglichkeit, bereits angeeignetes Wissen über den Griechischen Bürgerkrieg und seinen Vorlauf weiter zu vervollständigen. Ein Plus dieses Buches.</p>
<p>Die EAM wird auch nach der Lektüre ein leidenschaftlich diskutiertes Streitobjekt bleiben. Wobei extreme Sichtweisen ihre Anhänger wahlweise als von Slawen gesteuerte Kommunisten oder als heldenhafte griechische Patrioten verstehen. Dabei war die EAM so facettenreiche wie die Gründe unterschiedlich, ihr beizutreten.</p>
<p>Berlin, 24. September 2009 / Erschienen in Südosteuropa Mitteilungen</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jossifidis.de/?feed=rss2&#038;p=152</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Man mordet das Volk! Zu den Waffen!</title>
		<link>http://www.jossifidis.de/?p=142</link>
		<comments>http://www.jossifidis.de/?p=142#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 13:08:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Revolution 1848]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jossifidis.de/?p=142</guid>
		<description><![CDATA[Vor 160 Jahren erfasste eine Revolutionswelle mehrere Staaten Europas. Im deutschsprachigen Raum lagen die Schwerpunkte zumeist südlich des Mains und westlich der Elbe. Doch auch in Berlin wurde verbissen um eine politische Neugestaltung gekämpft. Der 17 jährige Schlosserlehrling Ernst Zinna &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=142">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Vor 160 Jahren erfasste eine Revolutionswelle mehrere Staaten Europas. Im deutschsprachigen Raum lagen die Schwerpunkte zumeist südlich des Mains und westlich der Elbe. Doch auch in Berlin wurde verbissen um eine politische Neugestaltung gekämpft.<span id="more-142"></span></p>
<p>Der 17 jährige Schlosserlehrling Ernst Zinna griff nach dem Säbel seines Großvaters. Dann eilte er zur Barrikade, welche Aufständische in der Jägerstraße, unweit des Gendarmenmarktes, errichtet hatten. Soldaten des preußischen Königs näherten sich der Sperre. Als deren Verteidiger die Übermacht des Militärs erkannten, beschlossen sie den Rückzug. Einzig Ernst Zinna und dessen Freund Heinrich Glasewaldt suchten den Kampf. Ein blutiger Schlagabtausch folgte, den der junge Schlosserlehrling nicht überlebte.</p>
<p>Ernst Zinna ahnte an diesem 18. März des Jahres 1848 wohl kaum, dass ausgerechnet er in ferner Zukunft eine Symbolfigur des Aufstandes gegen die herrschenden Verhältnisse werden sollte. Was trieb ihn damals auf die Straße?</p>
<p><strong>Eine Stadt in Armut und mit politischem Elan</strong></p>
<p>Berlin war zu jener Zeit eine von Armut geprägte Stadt mit über 400.000 Einwohnern. Hungerrevolten führten zu Plünderungen von Marktständen, Bäckereien, Fleischereien und Kaffeehäusern. Auch das noble Café Kranzler blieb hiervon nicht verschont. Es zog jedoch nicht nur Plünderer an, sondern diente auch als Treffpunkt politisch interessierter Bürger. Diese konnten sich mit Hilfe der ausliegenden Zeitungen über das Geschehen im In- und Ausland informieren. Neben dem Kranzler boten beinahe 100 weitere Kaffeehäuser und Konditoreien der Stadt Zeitungen an und entwickelten sich daher zu vergleichbaren Treffpunkten. Ferner warb eine Berliner Lesehalle mit mehreren Dutzend Zeitungstiteln um ein wissbegieriges Publikum. Auf diese Weise erfuhren die Menschen von revolutionären Vorgängen in anderen Teilen Europas: Bereits im November 1847 hatte es in der Schweiz einen Bürgerkrieg gegeben, in welchem sich eine liberale Partei gegen einen konservativen Widerpart durchsetzen konnte. Die Ausarbeitung einer liberalen Verfassung folgte. Eine solche Staatsordnung wünschten auch viele Berliner Zeitungsleser für Preußen. Kaum stand die Schweiz nicht mehr in den Schlagzeilen, da brach im Januar 1848 im süditalienischen Palermo eine Revolution aus. Sie zwang den dortigen König ebenfalls zur Ausarbeitung einer Verfassung. Nur wenige Wochen später überschlugen sich die Ereignisse erneut: In Frankreich revoltierten Studenten, Handwerker, Arbeiter und ein liberal geprägtes Bürgertum gemeinsam gegen die Staatsmacht. Die Berliner erfuhren Ende Februar vom Rücktritt des französischen Monarchen. In den Kaffeehäusern und Konditoreien Unter den Linden, am Gendarmenmarkt und anderswo diskutierten die Menschen begeistert und erregt über die Nachrichten aus dem Ausland. Die Emotionen der politisierenden Bewohner erfuhren eine weitere Steigerung, als Demonstrationen für Reformen aus Mannheim, Heidelberg, Stuttgart und Darmstadt gemeldet wurden. Waren die Tage der Monarchie gezählt?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die Tage vor dem Bürgerkrieg</strong></p>
<p>Auch in der preußischen Hauptstadt rumorte es: Ein Ort, der unzufriedene Berliner scheinbar magisch anzog, lag im Tiergarten, unweit des Hauses der Kulturen der Welt (der ehemaligen Kongresshalle). <em>In den Zelten</em> nannte sich das Areal mit Biergartenatmosphäre und Konzertbühne. Hierhin strömten die Menschen, um über politische Veränderungen zu debattieren und Petitionen zu verfassen. Am 13. März war ihre Zahl bereits auf zirka 20.000 Köpfe angewachsen. Unter den Versammelten befanden sich auffallend viele Arbeiter und Handwerker. Sie mahnten nicht nur politische Reformen an, sondern forderten auch ökonomische Verbesserungen. Ihr Engagement unterstrich, dass die Protestbewegung auf einer breiten gesellschaftlichen Basis stand. Diese brachte sowohl liberal orientiertes Bürgertum als auch sozialistisch motivierte Arbeiterschaft zusammen.</p>
<p>Im Schloss herrschte Uneinigkeit über das Vorgehen gegen die Protestbewegung. König Friedrich Wilhelm IV. war umgeben von Hardlinern und dialogbereiten Ratgebern. Während die Ersten militärisches Eingreifen empfahlen, mahnten die Letzten, der politisch aufbegehrenden Bevölkerung Gesprächsbereitschaft zu signalisieren.</p>
<p>Am 15. März erreichten Nachrichten Berlin, die den Sturz des erzkonservativen österreichischen Staatskanzlers Metternich beinhalteten. Dieser hatte sich in der Vergangenheit bei der Unterdrückung liberaler Kräfte hervorgetan. Seine Flucht aus Wien wurde im Berliner Schloss als Warnung verstanden: Ein militärischer Schlagabtausch musste nicht zwangsläufig von Erfolg gekrönt sein. Folglich rang sich Friedrich Wilhelm IV. dazu durch, die volle Pressefreiheit und eine Verfassung für Preußen zu versprechen. Am Morgen des 18. März 1848 wurden diese Zugeständnisse in der Stadt verbreitet. Es war der Tag, an dem politisch aufbegehrende Berliner eine Kundgebung vor dem Schloss vereinbart hatten. Bereits um die Mittagszeit strömten die ersten Menschen zum repräsentativen Bau auf die Spreeinsel.</p>
<p><strong>Der Bürgerkrieg</strong></p>
<p>Da sich die Zugeständnisse der Regierung herumgesprochen hatten, war von einer angespannten Stimmung auf dem Schlossplatz zunächst nichts zu spüren. Stattdessen brach großer Jubel aus, als sich Friedrich Wilhelm IV. auf dem Balkon seiner Residenz der Menge zeigte. Staatsminister von Bodelschwingh verlas die Zugeständnisse der Regierung. Alles schien sich in Wohlgefallen aufzulösen. Doch dann bemerkten Demonstranten die zahlreichen Soldaten in der Nähe des Schlosses. Unruhe machte sich breit. In den vergangenen Tagen hatte es immer wieder blutige Zwischenfälle zwischen Zivilisten und Militärs gegeben. Sprechchöre gegen die Soldaten wurden angestimmt. Hier und da kam es zu Tumult. Dies veranlasste den König schließlich, die Räumung des Platzes zu befehlen. Die Soldaten der Kavallerie zückten ihre Säbel und begannen mit der gewaltsamen Auflösung der Versammlung. Panik brach aus. Die Menschen flohen in die umliegenden Straßen und errichteten in aller Eile Barrikaden. Soldaten, welche die Hindernisse wieder abbauen sollten, wurden von den umliegenden Fenstern und Häuserdächern mit allen erdenklichen Wurfgeschossen attackiert. Neue Sperren entstanden. Eine dieser Barrieren versuchte Ernst Zinna zu verteidigen. Der Bürgerkrieg tobte: Über 14 Stunden bekriegten sich geschätzte 4000 bis 10000 Zivilisten und 12000 Soldaten.</p>
<p>Friedrich Wilhelm IV. suchte schließlich die Deeskalation. Er ließ eine Proklamation „An meine lieben Berliner“ verbreiten, in welcher er seine Verhandlungsbereitschaft betonte und den Rückzug der Soldaten versprach. Die Aufständischen akzeptierten das Angebot des Monarchen. Die Kämpfe wurden eingestellt.</p>
<p><strong>Berlin nach den Unruhen</strong></p>
<p>Tatsächlich zeigte die Regierung ihren Versöhnungswillen. Sie amnestierte alle politischen Gefangenen und hisste auf dem Schloss sogar die schwarz-rot-goldene Flagge der Barrikadenkämpfer.</p>
<p>Die ehemaligen Aufständischen organisierten am 22. März einen Trauerzug für ihre erschossenen, erstochenen oder erschlagenen Freunde und Bekannten. Unter den 183 Toten befand sich auch Ernst Zinna. Er wurde vom Gendarmenmarkt zum Friedhof in den Friedrichshain getragen. Dieser lag damals noch außerhalb der Stadtmauern und sollte in den folgenden Jahren zu einem zentralen Erinnerungsort der Berliner Märzrevolution werden. Der Trauerzug selbst kam einer politischen Machtdemonstration gleich. Nicht von ungefähr führte die Route am Stadtschloss vorbei. Hier sah sich Friedrich Wilhelm IV. gezwungen, den Toten seine Ehre zu erweisen.</p>
<p>Der kurze Bürgerkrieg forderte letztlich zirka 300 Menschenleben. Viele Berliner erlagen erst in den Tagen nach den Unruhen ihren Verletzungen. Unter den Toten befanden sich um die 60 Militärs. Für sie wurden Gräber auf dem Invalidenfriedhof ausgehoben.</p>
<p>Die Zugeständnisse der Monarchie animierten zahlreiche Menschen, ein politisches Engagement an den Tag zu legen. Schriften, die in die Hunderte gingen, wurden verfasst und ungezählte Veranstaltungen luden zum politischen Debattieren ein.</p>
<p>Auf der höheren politischen Ebene manifestierte sich der Wandel durch die Wahl einer konstituierenden preußischen Nationalversammlung. Dabei erinnerte der Wahlmodus an US-amerikanische Prozeduren, zumal auch hier Wahlmänner zwischengeschaltet wurden. Das Ergebnis der Auszählungen führte erwartungsgemäß zu einer Sitzverteilung mit vielen liberalen Abgeordneten. In der Konsequenz verfasste die Nationalversammlung mehrere Resolutionen, welche die Monarchie in ihrer bisherigen Form in Frage stellten: Es wurden das Gottesgnadentum des Königs kritisiert und die Unterordnung der Armee unter eine zukünftige Verfassung gefordert. Der Widerstand des Königs wuchs und zwang zu Kompromissen. Überarbeitungen folgten, welche ihrerseits Diskussionsbedarf provozierten. Folglich wurde die seit September im Konzerthaus auf dem Gendarmenmarkt tagende Nationalversammlung nur ansatzweise ihrer Rolle als Reformmotor gerecht. Während hinter klassizistischen Fassaden das Bürgertum debattierte, erfuhren die Arbeiter und Handwerker, die immerhin das Gros der Barrikadenkämpfer gestellt hatten, keine ökonomischen Verbesserungen. Dementsprechend frustriert reagierten viele. Sie fühlten sich weder vom konservativen Königshaus noch vom liberalen Bürgertum vertreten. Schriften, die in dieser Zeit beispielsweise Karl Marx verfasste und die den politischen Kampf der Arbeiterschaft unterstützten, fanden dagegen eine immer größere Resonanz.</p>
<p>Die Nationalversammlung verlor bezeichnenderweise kontinuierlich an politischem Gewicht. Von der Monarchie nicht wirklich akzeptiert, von den meisten ehemaligen Barrikadenkämpfern als keine große Hilfe wahrgenommen, erfolgte ihre plötzliche Auflösung am 9. November 1848 nahezu ohne Tumult. Das Könighaus hatte die Auflösung beschlossen und beorderte zur Sicherheit General von Wrangel in die Stadt. Er sollte mit seiner Armeeeinheit Ruhe und Ordnung garantieren. Ein zweiter Bürgerkrieg brach trotz des Protestes der Abgeordneten nicht aus.</p>
<p>Stattdessen bemühte sich eine kleine Gruppe gegen Ende des Monats, die Nationalversammlung in der Stadt Brandenburg an der Havel neu zu etablieren. Dieser Versuch scheiterte kläglich und am 5. Dezember erfolgte die endgültige Auflösung.</p>
<p>Mehrere Dutzend politisch denkende Menschen verließen nun das Land. Diejenigen, die diesen Schritt nicht gingen, wurden vom Staat bespitzelt. Sie mussten akzeptieren, dass bei jeder politisch motivierten Veranstaltung ein Polizist zugegen war, die Pressefreiheit Einschränkungen erfuhr und selbst das Schmücken von Gräbern getöteter Märzrevolutionäre Strafen nach sich ziehen konnte.</p>
<p>Der Symbolwert Ernst Zinnas und der anderen getöteten Märzrevolutionäre stellte folglich auch in den ersten Jahren nach dem Aufstand eine Bedrohung für den preußischen Staat dar. Ob Ernst Zinna das ahnte, als er am 18. März den Säbel seines Großvaters griff und entschlossen zur Barrikade in die Jägerstraße eilte?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p align="center">Die Märzrevolution des Jahres 1848</p>
<p>Die Märzrevolution war der Versuch eines politisch heterogenen Bündnisses, Widerstand gegen die Machtdominanz des Adels zu organisieren. Eine Verfassung sollte politische Mitsprache und Rechtstaatlichkeit ermöglichen. Ausgelöst durch politische Unterdrückung und eine Wirtschaftskrise, radikalisierten sich Teile des Bürgertums, der Arbeiterschaft und des Bauernstandes. Die Revolutionsbewegung erreichte alle deutschen Staaten, wobei ihre Zentren in Baden, Bayern, Österreich, Preußen und Sachsen lagen. Als überregionales Ergebnis erzwangen die Aufständischen freie Wahlen zur deutschen Nationalversammlung. Sie tagte ab Mai 1848 in der Frankfurter Paulskirche und erarbeitete eine Verfassung. Neben der Verankerung von Grundrechten war eine konstitutionelle Monarchie für ein deutsches Reich geplant. Den Fürsten gelang es jedoch, ihre militärische und politische Macht zu reorganisieren. Das Parlament wurde aufgelöst und republikanische Bewegungen gewaltsam bekämpft. Der Grund für den Erfolg des Adels korrespondierte mit der Furcht des wohlhabenden Bürgertums vor den aufständischen Arbeitern, Bauern und Kleinbürgern. In der Folge kam es immer häufiger zu Kooperationen zwischen Bürgertum und Adel. Die Revolution war gescheitert.</p>
<p>Berlin, den 25. April 2008 / Nicht erschienen</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jossifidis.de/?feed=rss2&#038;p=142</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Als Kollektiv kommen wir ohne Chefs aus</title>
		<link>http://www.jossifidis.de/?p=140</link>
		<comments>http://www.jossifidis.de/?p=140#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 13:06:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Alternatives Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Kreuzberg]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jossifidis.de/?p=140</guid>
		<description><![CDATA[Die Regenbogenfabrik in Kreuzberg feiert 30jähriges Bestehen. Was mit der Besetzung einer leer stehenden Chemiefabrik und eines benachbarten Wohnhauses begann, ist heute ein lebendiges Kultur- und Nachbarschaftszentrum In einer kleinen, gemütlichen Remise sitzt Andy, hinter ihm an der Wand hängt &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=140">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Regenbogenfabrik in Kreuzberg feiert 30jähriges Bestehen. Was mit der Besetzung einer leer stehenden Chemiefabrik und eines benachbarten Wohnhauses begann, ist heute ein lebendiges Kultur- und Nachbarschaftszentrum<span id="more-140"></span></strong></p>
<p>In einer kleinen, gemütlichen Remise sitzt Andy, hinter ihm an der Wand hängt die Weltkarte. „In der Regenbogenfabrik bin ich verantwortlich für Verwaltung und nennen wir es mal Sonstiges“, sagt er lachend. Der sympathische und jugendlich wirkende Mann mit grauem Zopf war in seinem früheren Leben Drucker und Industrieelektroniker. „Doch das ist mittlerweile verjährt“, bemerkt er schmunzelnd. Seit fünf Jahren engagiert er sich nun auf dem Gelände an der Lausitzer Straße. Einen Bezug zur Regenbogenfabrik hatte er aber bereits seit den 80er Jahren. „Damals besuchte hier meine Tochter die Kita und außerdem komme ich selbst aus der Hausbesetzerszene.“ Von den Bewohnerinnen und Bewohnern der ersten Jahre seien vielleicht noch zirka zehn Mitstreiterinnen und Mitstreiter vor Ort. Insgesamt würden 80 Personen das Areal mit Leben füllen. Es ähnelt einem kleinen Dorf, in dem es neben der besagten Kita ein Kino, ein Hostel, ein Café und eine so genannte Selbsthilfewerkstatt für Fahrräder gibt.</p>
<p>Natürlich seien mit der Aufrechterhaltung des Betriebes auch Kosten verbunden und soziale Projekte mittlerweile nur noch schwer finanzierbar, gibt Andy zu bedenken. „Daher bemühen wir uns verstärkt, ökonomisch zu arbeiten. Wir müssen unser Geld selbst erwirtschaften.“ Immerhin kann dabei ein wenig helfen, dass das Kino unter Berliner Cineasten einen guten Ruf genießt und sich Besuchergruppen aus dem In- und europäischen Ausland fast wöchentlich zu Führungen anmelden, sich gewissermaßen die Klinke in die Hand geben. „Früher kamen vielleicht alle paar Monate interessierte Menschen vorbei.“ Sie alle wollen sich das Lebensgefühl einer selbstverwalteten Gemeinschaft erklären lassen: „Bei uns wird alles im Kollektiv entschieden. Als Kollektiv kommen wir ohne Chefs aus und das ist uns sehr wichtig. Anders ausgedrückt sind wir alle Chefs“, unterstreicht Andy stolz.</p>
<p>Gegenwärtig bemühe man sich um einen Erwerb des Grundstücks. „Wir stehen mit dem Bezirk, dem das Areal gehört, in Verhandlungen und könnten uns einen Erbpachtvertrag vorstellen“, bemerkt er, möchte dann aber nicht ins Detail gehen. Würden die Verhandlungen zu einem erfolgreichen Abschluss kommen, wäre das der krönende Höhepunkt im Jubiläumsjahr. „Die 30 Jahre Regenbogenfabrik haben wir ja bereits ausgiebig gefeiert. Mit einer Lesung im Café zum Häuserkampf in Berlin, mit einem Sektempfang für politische Unterstützerinnen und Unterstützer, mit einer Filmvorführung zur solidarischen Ökonomie und natürlich mit unserem Hoffest, das sehr gut besucht wurde.“ Tatsächlich scheint die Regenbogenfabrik einer der immer weniger werdenden Orte im Bezirk zu sein, in dem alternatives Leben noch möglich ist. „Die Oranienstraße ist mittlerweile eine Rennbahn. Dort spielt sich viel ab. Dort hat sich viel verändert. Wir liegen da doch zu abseits und können unser Konzept gut behaupten“, erklärt Andy die Resistenz der Regenbogenfabrik gegen die zu beobachtenden Tendenzen der Gentrifizierung.</p>
<p>Beim Verlassen des Geländes fällt der Schornstein ins Auge, der das Grundstück prägt. Er stammt noch aus einer Zeit, als hier ein Dampfsägewerk betrieben wurde. Der Schornstein steht unter Denkmalschutz und wirkt damit wie ein Leuchtturm, der anzeigt, dass hier an der Lausitzer Straße noch immer alternative Freiräume zu finden sind, die den Bezirk bereichern.</p>
<p>Berlin, den 13. März 2011 / Erschienen im Stachel Frühling 2011 www2.frieke.de/uploads/stachel_2011_04.pdf</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jossifidis.de/?feed=rss2&#038;p=140</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Mühlberger Shanghai</title>
		<link>http://www.jossifidis.de/?p=133</link>
		<comments>http://www.jossifidis.de/?p=133#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 12:59:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Juden]]></category>
		<category><![CDATA[Nazis]]></category>
		<category><![CDATA[Shanghai]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jossifidis.de/?p=133</guid>
		<description><![CDATA[Kasten Shanghai war bereits im 19. Jahrhundert ein weltweit bedeutendes Handelszentrum. Großmächte bestimmten die Geschicke der Stadt und schon bald beherrschten sie ganze Stadtviertel direkt. Sie nannten diese exterritorialen Bezirke International Settlement und Concession francaise. Im November 1937 endete mit &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=133">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Kasten</strong></p>
<p>Shanghai war bereits im 19. Jahrhundert ein weltweit bedeutendes Handelszentrum. Großmächte bestimmten die Geschicke der Stadt und schon bald beherrschten sie ganze Stadtviertel direkt. Sie nannten diese exterritorialen Bezirke <em>International Settlement </em>und <em>Concession francaise. </em>Im November 1937 endete mit der Eroberung durch japanische Truppen endgültig die chinesische Souveränität über Shanghai.<span id="more-133"></span></p>
<p>Gleichzeitig gerieten am anderen Ende der Welt jüdische Deutsche und Österreicher durch den nationalsozialistischen Terror in ihrer Heimat in zunehmende Bedrängnis. Auswanderungspläne reiften, doch die Zahl aufnahmewilliger Staaten blieb gering. Das von Kolonialmächten verwaltete Shanghai bot mit seinen liberalen Einreisebestimmungen eine Ausnahme.</p>
<p>Circa 18.000 Verzweifelte emigrierten vor diesem Hintergrund in die Stadt am Huangpu. Sie erreichten sie zumeist auf dem Schiffsweg.</p>
<p>Das Gros der Neuankömmlinge fand im nördlichen Innenstadtbezirk Hongkou eine neue Bleibe. Hier gab es schon bald deutschsprachige Geschäfte und wer wollte, konnte in einem deutschsprachigen Kaffeehaus die von Exilanten herausgegebene Zeitschrift <em>Gelbe Post</em> oder die <em>Shanghaier Zeitung am Mittag</em> lesen.</p>
<p>Während des Zweiten Weltkrieges eroberten japanische Militärs das gesamte Stadtgebiet. Japan war Verbündeter des Dritten Reiches und begann als solcher ein Ghetto für jüdische Flüchtlinge einzurichten. Den 2 ½ qm festgelegten Bezirk in Hongkou (Designated Area) durften die so genannten <em>Shanghailänder</em> fortan nur in Ausnahmefällen verlassen, einen Massenmord mussten sie hingegen nicht fürchten.</p>
<p><strong>Kasten</strong></p>
<p>Sonja Mühlberger geb. Krips lebt als pensionierte Lehrerin in Berlin. Sie schrieb zahlreiche Artikel, ein eigenes Buch und ist als Mitherausgeberin des Buches „Exil Shanghai“ bekannt. Sie besucht regelmäßig Schulen und Organisationen, um von den Erfahrungen ihrer Eltern in Nazi-Deutschland und ihren eigenen im fernen Shanghai zu berichten. Auch am Holocaust-Gedenktag wird sie wieder an einer Schule vom Schicksal ihrer Familie erzählen.</p>
<p><strong>Mein erster Vorname war Baby</strong></p>
<p>Ihre Eltern flohen vor den Nazis und kehrten nach Kriegsende zurück, um an einem demokratischen Neuanfang in Deutschland teilzuhaben. Sonja Mühlberger ist es ein Anliegen als Zeitzeugin ihre Geschichte zu erzählen. Sie beginnt in Frankfurt am Main, führt ins Reich der Mitte und endet in Berlin.</p>
<p>Frage: Frau Mühlberger, Sie wurden im Oktober 1939 in Shanghai geboren. Wie kamen ihre Eltern dazu, vor den Nazis in das weit entfernte China zu flüchten?</p>
<p>Mühlberger: Zunächst dachten meine Eltern überhaupt nicht an die Flucht. Mein Vater sagte damals, dass er den Hitler in Deutschland überleben wolle. Meine Eltern wohnten als junges Paar in Frankfurt am Main. Eine Woche nach der Pogromnacht, die vom 9. auf den 10. November 1938 stattfand, drangen Nazis auch in ihre Wohnung ein. Es war vier Uhr morgens. Die Männer verwüsteten und klauten und belästigten meine Mutter. Sie nahmen meinen Vater mit. Er wurde ins KZ Dachau gebracht. Meine Mutter wusste zunächst nichts über seinen Aufenthaltsort. Täglich radelte sie zur jüdischen Gemeinde, in der Hoffnung, Informationen zu erhalten. Dabei erfuhr sie von den Möglichkeiten einer Ausreise nach Shanghai.</p>
<p>Frage: Waren ihre Eltern gläubige Juden und in der jüdischen Gemeinde aktiv?</p>
<p>Mühlberger: Nein und ich bin es übrigens auch nicht. Die Familien meiner Eltern bestanden aus assimilierten Juden. Und auch ich verstehe mich als Jüdin einfach nur wegen meiner Abstammung, ohne das jüdisch sein groß zu betonen. Doch damals wurde man auf die jüdische Rolle reduziert. So war mein Vater Fußballer bei Eintracht Frankfurt. Als Jude musste er den Verein verlassen und sich einem jüdischen Verein, dem Verein Schild, anschließen.</p>
<p>Frage: Wie ging es nach seiner Entlassung aus dem KZ weiter?</p>
<p>Mühlberger: Ein chinesisches Konsulat, das für eine Einreise nach Shanghai zuständig war, befand sich in Amsterdam. Zum Glück hatten wir dort einen Cousin, der meinen Eltern die nötigen Papiere zuschickte. Er starb später in einem KZ. Das Problem war weniger die Einreise nach Shanghai, als vielmehr die Ausreise aus Deutschland. Sie war mit einem großen bürokratischen Aufwand verbunden. Eine ganze Reihe an Bescheinigungen mussten der zuständigen Behörde vorgelegt werden: dass man schuldenfrei sei oder vom Wehrdienst befreit. Aber immerhin war das Ausreisen noch möglich und von staatlichen Stellen gewollt. Aus der ostwestfälischen Heimat meiner Mutter kenne ich Geschichten, dass die Nazis mit dem zurückgelassenen Gut der emigrierten Juden Geld machten, zum Beispiel mittels Versteigerungen.</p>
<p>Frage: Mit den nötigen Papieren ging es dann in Richtung Shanghai. Welchen Weg wählten ihre Eltern, um nach China zu kommen?</p>
<p>Mühlberger: Die Stadt Genua besaß einen der Häfen, der für die Ausreise infrage kam. Zuvor machten meine Eltern noch in München halt, um bei Verwandten an einer Hochzeit teilzunehmen. Die Hochzeitsgesellschaft sollte später im Holocaust sterben, unter anderen ein zweijähriger Junge. Meine Eltern kamen also nach langer Fahrt in Genua an. Mit wenig Geld in den Taschen und daher keiner Übernachtungsmöglichkeit. Bis eine Prostituierte meinen Vater ansprach. Als sie bemerkte, dass er mit seiner Frau unterwegs war, ließ sie beide bei sich übernachten – ohne am nächsten Tag das wenige Geld meiner Eltern einzufordern.</p>
<p>Frage: Mit der Unterstützung von Hilfsorganisationen machten sich ihre Eltern dann auf den Weg in ein neues Leben. Wie sahen die ersten Schritte in Asien aus?</p>
<p>Mühlberger: Die fast vier Wochen währende Fahrt haben meine Eltern nach den ganzen Strapazen und Erniedrigungen genießen können. Es ging über Colombo und Hongkong nach Shanghai. Dort hatten Hilfsorganisationen sechs Heime für die Neuankömmlinge eingerichtet. Es waren ehemalige Schulen oder Kasernen. In großen Gemeinschaftsräumen mussten die Menschen leben. Das Hab und Gut wurde unter dem Bett verstaut, eine Privatsphäre gab es nicht. Da meine Mutter mit mir schwanger war, wurde ihr zumindest unter einer Treppe ein kleines Separee errichtet, das mit einem Laken abgetrennt werden konnte.</p>
<p>Frage: In Shanghai gab es auch nicht-jüdische Deutsche, zum Beispiel Kaufleute, Diplomaten und selbst die NSDAP war mit einer Ortsgruppe vertreten. Wie ist man diesen Menschen begegnet?</p>
<p>Mühlberger: Man ist ihnen primär aus dem Weg gegangen. Doch mit einer deutschen Stelle hatten meine Eltern auch in Shanghai zu tun. Nach meiner Geburt musste das deutsche Generalkonsulat aufgesucht werden, um mich registrieren zu lassen. Ab dem 18. August 1938 durften neugeborene jüdische Kinder nur die in einer Liste vorgeschriebenen Vornamen tragen; Erwachsene erhielten einen Zwangsvornamen. Als Jude in Deutschland durfte man ja nur jüdische Namen tragen. Meiner Mutter Ilse wurde so nachträglich noch der Name Sara in den Ausweis gedruckt. Mein Vater wollte für mich den Namen Sonja eintragen lassen, der nicht in besagter Liste stand, weshalb die Beamten dies ablehnten. Da mein Vater aber auf diesem Namen bestand, steht als mein erster Eintrag in ein öffentliches Dokument bei der Rubrik Vorname lediglich das Wort Baby. Offiziell hieß ich also erst einmal Baby Krips.</p>
<p>Frage: Ihr Vater war Kaufmann und ihre Mutter Schneiderin. Wie hielten sie sich in Shanghai beruflich über Wasser?</p>
<p>Mühlberger: Mein Vater hatte verschiedene Jobs, so kontrollierte und transportierte er zum Beispiel für einen Chinesen Eier. Meine Mutter nähte wiederum. Als wir uns mit dem ersten verdienten Geld eine Unterkunft leisten konnten, war einer unserer Nachbarn übrigens der Komponist Leopold Maass, der zuvor für Karstadt in Berlin Werbetexte geschrieben hatte. Nun schrieb er für mich Kinderverse und Kinderlieder. Da ich nichts anderes im Leben kannte, war das für mich eine ganz normale Zeit.</p>
<p>Frage: Das änderte sich aber sicherlich, als japanische Soldaten während des Weltkrieges ganz Shanghai unter ihre Kontrolle brachten und ein jüdisches Ghetto errichteten.</p>
<p>Mühlberger: Ich hatte tatsächlich Angst vor den japanischen Soldaten. Ich kannte aber auch Kinder, die keine Furcht vor den Japanern hatten und mit japanischen Kindern spielten.</p>
<p>Frage: Gab es auch Kontakte zu chinesischen Kindern?</p>
<p>Mühlberger: In den beengten Verhältnissen des Ghettos lebten mehr Chinesen als Deutsche und trotzdem kam es nur selten zu einem längeren Austausch. Ich kann mich dennoch ganz gut erinnern, wie mich chinesische Kinder in eine kleine Luftballonfabrik mitnahmen.</p>
<p>Frage: Sprachen sie Chinesisch?</p>
<p>Mühlberger: Leider nein und ich kann es heute auch noch nicht. Dagegen konnte mein Vater sehr gut Chinesisch sprechen, allerdings nur den Shanghaier Dialekt.</p>
<p>Frage: Nach dem Krieg stellte sich für die Menschen die Frage nach dem wohin. Die wenigsten entschieden sich verständlicherweise für Deutschland. Warum aber ihre Familie?</p>
<p>Mühlberger: Mein Vater wollte unbedingt ein demokratisches Deutschland mit aufbauen helfen. Für die sowjetisch besetzte Zone bzw. den Sektor bestanden zudem keine Einreisebeschränkungen und so landeten wir zunächst einmal in Falkensee bei Berlin. Vielfach wird daher vermutet, dass die nach Deutschland zurückgekehrten Juden allesamt Kommunisten gewesen seien. Das stimmt natürlich nicht. Mein Vater war zum Beispiel nicht in der KPD. Viele Ältere konnten sich einfach kein Leben in der Fremde vorstellen. Mit einer fremden Kultur und Sprache. Sie wollten nach ihrer Odyssee einfach nur nach Hause. Und dann gab es ja auch solche Menschen, die keine Verwandten irgendwo im Ausland hatten und die Einreise in die USA oder nach Australien war beispielsweise primär körperlich gesunden Menschen erlaubt.</p>
<p>Frage: Nach Frankfurt am Main wollte die Familie nicht mehr zurück?</p>
<p>Mühlberger: Erst einmal war die Stadt stark zerbombt, der Wohnraum also knapp und dann wollte mein Vater nicht den alten Nazis über den Weg laufen.</p>
<p>Frage: Was war ihr erstes Gefühl, als sie wieder deutschen Boden betraten?</p>
<p>Mühlberger: Wir sind mit dem Schiff nach Neapel gebracht worden und dann mit dem Zug nach Deutschland. In Bayern liefen zwei Kinder neben dem Zug her und riefen sich etwas zu. Das erste was ich dachte war: Ach ja, hier sprechen die Menschen ja auch deutsch.</p>
<p>Frage: Gibt es heute noch Kontakt zu den deutschen Shanghailändern?</p>
<p>Mühlberger: Oh ja, die gibt es. In Deutschland sind es von den ehemals 500 bis 600 Menschen keine 25 Personen mehr. 13 von ihnen wohnen übrigens hier in Berlin.</p>
<p>Abschließende Frage: Waren sie mittlerweile wieder in ihrer Geburtsstadt?</p>
<p>Mühlberger: Ja, schon mehrmals. Das erste Mal 1998 und jetzt im April 2010 das fünfte Mal. Ich bin Shanghai letztlich sehr dankbar. Denn wer weiß, ob ich ohne den Fluchtort Shanghai den Holocaust überlebt hätte.</p>
<p>Berlin, den 14. Januar 2011 / Erschienen in &#8222;die kirche XX&#8220;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jossifidis.de/?feed=rss2&#038;p=133</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Jüdisches Leben in Friedrichshain und Kreuzberg</title>
		<link>http://www.jossifidis.de/?p=122</link>
		<comments>http://www.jossifidis.de/?p=122#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 12:38:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Friedrichshain]]></category>
		<category><![CDATA[Juden]]></category>
		<category><![CDATA[Kreuzberg]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jossifidis.de/?p=122</guid>
		<description><![CDATA[Vor wenigen Wochen wagte die tageszeitung den so genannten Kippa-Test. Sie schickte einen Mitarbeiter mit dieser jüdischen Kopfbedeckung durch Neukölln und Lichtenberg. Die weitaus meisten Passantinnen und Passanten zeigten sich bei der Begegnung mit einem vermeintlich jüdischen Spaziergänger überrascht. Dabei &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=122">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Vor wenigen Wochen wagte die tageszeitung den so genannten Kippa-Test. Sie schickte einen Mitarbeiter mit dieser jüdischen Kopfbedeckung durch Neukölln und Lichtenberg. Die weitaus meisten Passantinnen und Passanten zeigten sich bei der Begegnung mit einem vermeintlich jüdischen Spaziergänger überrascht. Dabei gehörten Kippa-Träger bis in die 30er Jahren hinein zum Straßenbild Berlins. Eine Spurensuche in Friedrichshain und Kreuzberg.<span id="more-122"></span></p>
<p>Zu Beginn des 20. Jahrhunderts flohen Tausende Menschen jüdischen Glaubens vor Pogromen aus Osteuropa nach Berlin. Ihr eigentliches Ziel hieß zumeist New York, die Reichshauptstadt sollte Zwischenstation sein. Die Mehrzahl dieser Flüchtlinge kam am Schlesischen Bahnhof, dem heutigen Ostbahnhof, an. Hier boten billige Absteigen und Mietwohnungen eine erste Anlaufstation. Sie sorgten für die Konzentration jüdischen Lebens rund um den Bahnhof. Im Jahre 1925 zählte Friedrichshain circa 8000 Einwohner mosaischen Glaubens. Neben denen, die in zumeist ärmlichen Verhältnissen lebten, gab es jedoch auch solche, die eine kleine jüdische Mittelschicht bildeten. Diese besaß in der Warschauer Straße und in der Großen Frankfurter Straße, der heutigen Karl-Marx-Allee, Arztpraxen und Kaufläden.</p>
<p>Obwohl fünf Prozent der Berliner Juden in Friedrichshain gemeldet waren, gab es für sie mit der privaten Lippmann-Tauß-Synagoge lediglich ein kleines Gebetshaus, dessen feierliche Einweihung im Jahre 1893 stattgefunden hatte. Es lag in der heute nicht mehr existierenden Gollnowstraße – unweit der Mollstraße.</p>
<p>Wie sah es in Kreuzberg aus? Trotz lokaler Konzentration war die jüdische Einwohnerzahl mit circa 6000 Personen überraschend gering. Die aus Osteuropa geflüchteten Menschen jüdischen Glaubens fanden zumeist entlang der proletarisch geprägten Skalitzer Straße eine neue Bleibe. Hier eröffneten sie zahlreiche Gebrauchtkleidergeschäfte.</p>
<p>Einen gehobenen Lebensstandard präsentierten dagegen die jüdischen Ärzte und Kaufleute in der Oranienstraße. Dieser Kurfürstendamm des Ostens wies einen Straßenabschnitt auf, der primär von Schuhgeschäften im jüdischen Besitz [z.B. dem Schuhgeschäft Leiser] geprägt wurde. Die in der Umgebung aufgewachsenen Gebrüder Wertheim eröffneten wiederum am Moritzplatz ein imposantes Kaufhaus.</p>
<p>Religiösen Anlaufpunkt bot zunächst eine kleine Synagoge in der Prinzenstraße 71, der späteren Hausnummer 86. Aufgrund des Anwachsens der jüdischen Gemeinde beschlossen Mitglieder den Bau eines größeren Gotteshauses. Es wurde auf dem Gelände eines ehemaligen Molkereibetriebes in der Dresdner Straße errichtet. Heute befindet sich dort ein an das Kino Babylon grenzender Spielplatz. Doch nach wenigen Jahren war auch diese Synagoge zu klein, weshalb bereits im Jahre 1916 ein repräsentatives und mit 2000 Sitzplätzen ausgestattetes Gebäude an das Kottbusser Ufer, das heutige Fraenkelufer, gesetzt wurde. Es war Treffpunkt der orthodoxen Juden, während die liberalen Glaubensgenossen in der Lindenstraße, der späteren Axel-Springer-Straße, zum Gebet zusammenfanden.</p>
<p>Obwohl sich das jüdische Leben äußerst facettenreich darstellte und es Zionisten wie Deutschnationale, Kommunisten wie Orthodoxe gab, konstruierten die Nationalsozialisten <em>den Juden</em>. Einmal an der Macht, töteten sie in ihrem Judenhass 2738 Friedrichshainer und circa 1300 Kreuzberger Bürgerinnen und Bürger.</p>
<p>Infolge der nationalsozialistischen Politik verloren beide Bezirke ihr jüdisches Gesicht. Bei einem Spaziergang weisen jedoch noch heute zahlreiche Spuren auf diese Glaubensgemeinschaft hin. Insofern muss sich niemand wundern, einem Kippa-Träger zu begegnen.</p>
<p>Berlin, den 15. April 2007 / Erschienen im Stachel am 29. April 2007 www.frieke.de/stachel/497134.html</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jossifidis.de/?feed=rss2&#038;p=122</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Volkspark Friedrichshain &#8211; Eine Grünanlage mit Geschichte</title>
		<link>http://www.jossifidis.de/?p=117</link>
		<comments>http://www.jossifidis.de/?p=117#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 12:29:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Volkspark Friedrichshain]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jossifidis.de/?p=117</guid>
		<description><![CDATA[Der Volkspark Friedrichshain zählt zu den facettenreichsten Grünanlagen Berlins. Vor 170 Jahren fiel der Beschluss für seine Gestaltung. Ein Rückblick Alles begann mit einem Vorschlag des Berliner Oberbürgermeisters Büsching im Jahr 1823. Vor dem Landsberger Tor, einem der 18 Stadttore &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=117">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Der Volkspark Friedrichshain zählt zu den facettenreichsten Grünanlagen Berlins. Vor 170 Jahren fiel der Beschluss für seine Gestaltung. Ein Rückblick<span id="more-117"></span></p>
<p>Alles begann mit einem Vorschlag des Berliner Oberbürgermeisters Büsching im Jahr 1823. Vor dem Landsberger Tor, einem der 18 Stadttore Berlins, sollte ein Volksgarten entstehen. Schon damals waren die Erholungsmöglichkeiten der Einwohnerinnen und Einwohner begrenzt und notgedrungen amüsierten sich viele von ihnen auf Friedhöfen. Was dort wiederum große Schäden anrichtete.</p>
<p>Das Landsberger Tor ist mittlerweile Vergangenheit. Wo es stand, ragen heute die wuchtigen Hochhäuser des Platzes der Vereinten Nationen in den Himmel. Dagegen ist der Volksgarten erfreuliche Realität, denn im Jahr 1840 kam endlich Bewegung in seine Verwirklichung. Die Stadtoberen feierten damals das einhundertjährige Jubiläum der Thronbesteigung Friedrichs des Großen, weshalb die Wahl des Parknamens wenig originell auf <em>Friedrichshain </em>fiel. Geländeverhandlungen verzögerten jedoch seine Gestaltung. Mit sechsjähriger Verspätung begangen die eigentlichen Arbeiten, die im Jahr 1848 abgeschlossen wurden. Gerade rechtzeitig, um den Park auch zu einem politischen Ort werden zu lassen. Über 180 getötete Aufständische der so genannten Märzunruhen fanden hier eine letzte Ruhestätte. Die Begrabenen hatten sich zuvor gegen die Monarchie aufgelehnt und machten ihren Friedhof zu einer Pilgerstätte der republikanischen Bewegung.</p>
<p>Für Aufsehen sorgte zwanzig Jahre später auch der Bau des ersten Städtischen Krankenhauses auf dem Parkgelände. Der damit verbundene Verlust an Grünfläche wurde mit der Erweiterung des Friedrichshains nach Osten kompensiert. Seit dieser Zeit gibt es nicht nur das Krankenhaus sondern neben dem Alten auch den Neuen Hain.</p>
<p>Die gesamte Parkanlage erfreute sich fortan ständig wachsender Beliebtheit und erhielt kurz vor dem Ersten Weltkrieg mit dem romantisch anmutenden Märchenbrunnen ein stadtweit bekanntes Wahrzeichen. Neben Müßiggängern suchten auch immer mehr Sport- und Spielbegeisterte den Park auf. Doch dieses freundliche Miteinander endete zu Beginn des Zweiten Weltkrieges abrupt. Flaktürme wurden errichtet und beschossen. Der Park in die Kampfhandlungen einbezogen und verwüstet.</p>
<p>In der Nachkriegszeit begann das große Aufräumen: Die Flaktürme erhielten einen Mantel aus 2,1 Millionen Kubikmetern Trümmerschutt der umliegenden Wohngebiete. Eine anschließende Bepflanzung schuf zwei künstliche Berge von 67 und 78 Metern Höhe. Sie prägen nach wie vor das Bild des Parks. Ebenso die Denkmäler und Pavillons aus DDR-Zeiten. Unter den größeren Bauwerken ist nur das Karl-Friedrich-Friesen-Schwimmstadion verschwunden. Die Anlage bot 8000 Zuschauern Platz und war anlässlich der III. Weltfestspiele der Jugend im August 1951 eröffnet worden. Aufgrund von Baumängeln erfolgte zur Wendezeit der Abriss. Heute wird das Areal für Beachvolleyball genutzt. Nur noch wenige erinnern sich an das Schwimmstadion. Der Bürgermeister Büsching ist fast komplett aus der kollektiven Erinnerung verschwunden. Doch ohne ihn hätte es vielleicht nie einen Volkspark Friedrichshain gegeben.</p>
<p>Berlin, den 25. Juli 2010 / Erschienen im Stachel am 4. August 2010 www.frieke.de/stachel/3233676.html</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jossifidis.de/?feed=rss2&#038;p=117</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
