<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Alexander Jossifidis &#187; Thessaloniki</title>
	<atom:link href="http://www.jossifidis.de/?feed=rss2&#038;tag=thessaloniki" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.jossifidis.de</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Wed, 21 Jan 2015 09:43:46 +0000</lastBuildDate>
	<language>de-DE</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=4.1.42</generator>
	<item>
		<title>Die Geschichte des griechischen Fußballs in Thessaloniki</title>
		<link>http://www.jossifidis.de/?p=112</link>
		<comments>http://www.jossifidis.de/?p=112#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 12:26:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Griechenland]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>
		<category><![CDATA[Fußball]]></category>
		<category><![CDATA[Thessaloniki]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jossifidis.de/?p=112</guid>
		<description><![CDATA[Die gesellschaftspolitische Vergangenheit einer Stadt lässt sich zuweilen an den Traditionen der ortsansässigen Fußballvereine ablesen. Dies wird am Beispiel der makedonischen Provinzhauptstadt Thessaloniki besonders deutlich. Benannt nach einer Halbschwester Alexanders des Großen, entwickelte sich Thessaloniki während des byzantinischen Mittelalters zu &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=112">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die gesellschaftspolitische Vergangenheit einer Stadt lässt sich zuweilen an den Traditionen der ortsansässigen Fußballvereine ablesen. Dies wird am Beispiel der makedonischen Provinzhauptstadt Thessaloniki besonders deutlich.<span id="more-112"></span></p>
<p>Benannt nach einer Halbschwester Alexanders des Großen, entwickelte sich Thessaloniki während des byzantinischen Mittelalters zu einem bedeutenden ökonomischen Zentrum, welches nur noch von Konstantinopel übertroffen wurde.</p>
<p>In der darauffolgenden und bis zum Jahre 1913 reichenden osmanischen Epoche büßte Thessaloniki wenig von seiner diesbezüglichen Geltung ein. Die sephardischen Juden dominierten gemeinsam mit ihren türkischen und griechischen Nachbarn das Stadtbild und machten Thessaloniki damit zum Prototypen einer urbanen osmanischen Gemeinde. In diesem Milieu gründeten griechische Einwohner im Jahre 1899 den <em>Klub der Kunstfreunde, </em>aus dem beinahe eine Dekade später der Fußballverein Iraklis Thessaloniki hervorgehen sollte. Zunächst beschäftigten sich die <em>Kunstfreunde</em> ausschließlich mit der Musik und der Literatur, bevor sie sich im Jahre 1903 auch sportiv betätigten. Dabei stand Fußball zunächst nicht im Vordergrund, sondern vielmehr das Schwimmen und Radfahren. Ein erstes Fußballspiel fand im April 1905 statt.</p>
<p>Finanzielle Engpässe zwangen die Mitglieder des Vereins drei Jahre später, mit der Spielvereinigung Olympia zu fusionieren. Dies war die Geburtsstunde von Iraklis (i.e. Herakles) Thessaloniki, welcher sich nach einem Halbgott der griechischen Mythologie benannte. Der offizielle Name in jenen Jahren lautete <em>Osmanisch Hellenischer Klub von Thessaloniki – Iraklis.</em> Dem Selbstverständnis nach war Iraklis ein griechischer Verein, weshalb die Vereinsfarben blau und weiß jenen der griechischen Nationalflagge entsprachen.</p>
<p>Die politischen Rahmenbedingungen änderten sich in den Jahren 1912/13 in entscheidender Weise: Als Resultat zweier Balkankriege fiel Thessaloniki an den griechischen Staat. Dieser Erfolg beflügelte die Nationalisten im Lande. Sie drängten das Königshaus in Athen, am unmittelbar folgenden Ersten Weltkrieg auf der Seite der Westmächte teilzunehmen. Ihr Ziel implizierte die endgültige Auflösung des Osmanischen Reiches, welches als Verbündeter der Mittelmächte auftrat. Die griechischen Nationalisten träumten von einem Großgriechenland als <em>Wiedergeburt</em> des im Mittelalter untergegangenen Byzanz.</p>
<p>In einer emotional aufgeputschten Atmosphäre gründeten Bürger Thessalonikis im Jahre 1914 den Verein Aris (i.e. der Kriegsgott der griechischen Mythologie) und wählten dabei bewusst die Farben schwarz und gelb, welche identisch mit jenen des Byzantinischen Reiches waren.</p>
<p>Das Königshaus hielt dieser Kriegsbegeisterung des primär republikanischen Lagers seine Neutralitätspolitik entgegen. Kriegsbefürworter, die von einem Großgriechenland in byzantinischen Ausmaßen phantasierten, strömten fortan zu den Schwarz-Gelben, während royalistische Kriegsgegner die Blau-Weißen von Iraklis für sich entdeckten. Insofern standen die beiden Fußballklubs symbolisch für die politische Zerrissenheit der griechischen Gesellschaft, die in einen Bürgerkrieg abzudriften drohte.</p>
<p>Mit Unterstützung der Westmächte setzten sich die Republikaner innenpolitisch durch und führten das Land in den Krieg gegen die Mittelmächte. Dieser wurde gewonnen und einem territorialen Expansionismus nach Kleinasien schien nun nichts mehr im Wege zu stehen. Im heutigen Izmir (damals Smyrna) landeten griechische Truppen und drangen in das Landesinnere vor. Dem stellte sich eine bewaffnete türkische Nationalbewegung entgegen. Sie wurde von dem in Thessaloniki geborenen Mustafa Kemal (i.e. Atatürk) organisiert und verwickelte die griechischen Soldaten in heftige Kämpfe, welche erst im Jahre 1922 mit einer Niederlage der Okkupationsarmee endeten.</p>
<p>Knapp zwei Millionen griechische Flüchtlinge aus Kleinasien setzten sich in der Folgezeit in Richtung Griechenland in Bewegung, wobei Thessaloniki einen zentralen Zufluchtsort darstellte. Gegen Ende der zwanziger Jahre entstammten 48 Prozent der Stadtbewohner einem Flüchtlingshintergrund. Dies führte zu Spannungen mit der alteingesessenen Bevölkerung, welche die zumeist mittellosen Neuankömmlinge für nicht integrierbar hielt. Tatsächlich gründeten viele Vertriebene ihre eigenen Vereine. Hierzu zählte auch der 1926 etablierte <em>Panthessalonikos Athlitikos Omilos Konstantinoupolitos</em> (PAOK), der Sportverein der Flüchtlinge aus Konstantinopel (i.e. Istanbul), der den byzantinischen doppelköpfigen Adler als Emblem wählte. Die Vereinsfarben schwarz und weiß symbolisierten wiederum die tragische Vergangenheit und den hoffnungsvollen Blick in die Zukunft.</p>
<p>Da sich die Gründerväter bereits in der osmanischen Hauptstadt in einem Sport- und Kulturverein organisiert hatten, reicht die Tradition des Klubs bis in das Jahr 1875 zurück. Damals war in der Stadt am Bosporus die <em>Athletische und Kulturelle Vereinigung Konstantinopels &#8211; Hermes </em>bei den örtlichen Behörden angemeldet worden.</p>
<p>In Thessaloniki entwickelte sich PAOK zum größten Verein der Flüchtlinge und damit einhergehend zum schärfsten sportlichen Konkurrenten der Schwarz-Gelben. Die gesellschaftliche Bruchlinie zwischen alteingesessener und neu hinzugekommener Einwohnerschaft machte sich nun auch im Fußball bemerkbar. Sie ging ferner mit dem ökonomischen Status der Anhänger einher. Aris entwickelte sich zum Klub der besser situierten Mittelschicht, während PAOK die zumeist mittellose Stadtbevölkerung ansprach.</p>
<p>Im Laufe der Jahrzehnte wurde diese Eingrenzung obsolet, da PAOK aufgrund seiner sportlichen Erfolge während der siebziger Jahre auch Bewohner ohne Flüchtlingshintergrund für sich begeistern konnte. So war PAOK die erste Mannschaft aus dem Norden Griechenlands, welche in der Nachkriegszeit die nationale Fußballmeisterschaft gewann. Dieses seltene Ereignis fand im Jahre 1976 statt und ließ den Flüchtlingsverein aus Istanbul zusätzlich zu einem sportlichen Aushängeschild Makedoniens werden.</p>
<p>In der jüngsten Vergangenheit konnte PAOK auch im Europapokal größere Aufmerksamkeit auf sich ziehen als die beiden Stadtkonkurrenten. Während Iraklis nur sporadisch im <em>internationalen Geschäft </em>mitmischt, muss Aris in der kommenden Saison sogar in der Zweiten Liga antreten. Die Rolle als dritte Kraft Thessalonikis wird dann Apollon Kalamarias übernehmen.</p>
<p>Diese Mannschaft ist im Stadtbezirk Kalamaria, unweit des internationalen Flughafens, beheimatet und wurde im Jahre 1926 von griechischen Flüchtlingen aus dem Pontus, dem türkischen Schwarzmeergebiet, gegründet. Die Popularität des Klubs beschränkt sich jedoch weitestgehend auf Kalamaria, was mit dem bisher fehlenden sportlichen Erfolg korrespondieren dürfte. Die Schwarz-Roten verbrachten die vorangegangenen zehn Jahre in der Zweiten Liga und kehrten erst in der Saison 2004/05 in die griechische Eliteliga zurück.</p>
<p>Die Fußballkultur in Thessaloniki ist so vielschichtig wie die Stadt selbst. Auch wenn sich mittlerweile vieles vereinheitlicht hat und der Erfolg ausschlaggebend für die Beliebtheit der einzelnen Vereine ist, so gibt es nach wie vor genügend Fans, welche ihren Klub aufgrund der oben beschriebenen Traditionen auswählen.</p>
<p>Erschienen in der Griechenland Zeitung XX</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jossifidis.de/?feed=rss2&#038;p=112</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>„Wir wollen nicht in fremden Teichen fischen“</title>
		<link>http://www.jossifidis.de/?p=107</link>
		<comments>http://www.jossifidis.de/?p=107#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 12:21:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Griechenland]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Gemeinde]]></category>
		<category><![CDATA[Evangelische Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Thessaloniki]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jossifidis.de/?p=107</guid>
		<description><![CDATA[In der nordgriechischen Hafenstadt Thessaloniki gibt es eine traditionsreiche Evangelische Kirche deutscher Sprache. Seit dem 1. September steht ihr mit Dr. Klaus Michael Führer ein neuer Pfarrer vor. Gespräche über das Gemeindeleben in einem krisengeschüttelten Staat Auf den ersten Blick &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=107">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>In der nordgriechischen Hafenstadt Thessaloniki gibt es eine traditionsreiche Evangelische Kirche deutscher Sprache. Seit dem 1. September steht ihr mit Dr. Klaus Michael Führer ein neuer Pfarrer vor. Gespräche über das Gemeindeleben in einem krisengeschüttelten Staat<span id="more-107"></span></p>
<p>Auf den ersten Blick ist Thessaloniki alles andere als eine schöne Stadt. Sie bedient nicht die Klischees touristischer Hochglanzprospekte. Hier liegt das Griechenland ohne Säulen und eine wohltuend salzige Seebrise fehlt ebenso. Thessaloniki ist laut, hektisch, schmutzig. Eine anstrengende Stadt, die in den zumeist unerträglich heißen Sommermonaten von den Bewohnern fluchtartig verlassen wird, sobald das Wochenende erreicht ist. Und dennoch bietet die größte Stadt der Provinz Makedonien für jeden Geschmack etwas. Sie besitzt orientalisch anmutende Märkte, versteckt gelegene frühbyzantinische Kirchen, eine dörflich wirkende Altstadt, studentisches Leben mit urigen Kneipen und eine unendlich erscheinende Hafenpromenade, von der aus bei guter Sicht der Götterberg Olymp zu erkennen ist. Diese Stadt ist die neue Heimat von Klaus Michael Führer. Er ist seit 1. September Pfarrer der Evangelischen Kirche deutscher Sprache in Thessaloniki. Mit sympathischer Stimme erzählt er von seinen ersten Eindrücken.</p>
<p>„Natürlich ist es zunächst einmal eine große Umstellung, wenn man aus der beschaulichen Erzgebirgsregion in diese hektische Großstadt kommt. Doch Thessaloniki zeigt sich zunehmend einladend. Ich beginne meine Arbeit hier im schönsten Sommerwetter. Die beschwerliche Hitze der vergangenen Wochen liegt hinter uns.“ Zur Stadt hatte er zuvor noch keine Verbindung. Das griechische Festland kannte er überhaupt nicht. „Man kann es Naivität oder Unvoreingenommenheit nennen, die mich bewogen, den Sprung ins Unbekannte zu wagen“, bemerkt er lachend und erzählt, dass er sich bei der EKD für die Auslandsarbeit beworben hätte. Zu seinem Bewerbungsprofil passte die Gemeinde in Thessaloniki, die sehr viel Wert auf die Ökumene legt. Tatsächlich möchte auch Klaus Michael Führer mit den anderen Konfessionen der Stadt in den Dialog treten. Seinen Schwerpunkt sieht er aber zunächst in der internen Arbeit. Die zirka 350 deutschsprachigen Gemeindemitglieder bewegen sich in einer für sie teilweise fremden Umwelt. Die Gemeinde soll ihnen Vertrautes, soll ihnen Halt geben. „Wir wollen nicht in fremden Teichen fischen. Wir wollen nicht missionieren. Wir wollen den deutschsprachigen Menschen der Stadt einen Anlaufpunkt bieten. Dies allerdings in bewusster Nachbarschaft zu den anderen Konfessionen Thessalonikis.“ Dass es in den vergangenen Monaten zu Spannungen im deutsch-griechischen Verhältnis kam, nachdem deutsche Medien die griechische Wirtschafts- und Finanzmisere mit der griechischen Mentalität in einen Zusammenhang brachten, ist auch Herrn Führer bewusst. „Ich habe an einem Kiosk eine Zeitschrift gesehen, aufgemacht vergleichbar dem SPIEGEL, da sah man Angela Merkel mit Stahlhelm und Hakenkreuz. Im Alltag sind mir die Menschen hier dagegen bisher sehr hilfsbereit und freundlich begegnet.“ Natürlich spüre auch er die Krise im Land. „Die Menschen sind verunsichert. Sie stellen sich die Frage, was die Zukunft bringen wird.“</p>
<p>Elke Wollschläger kennt diese Angst ebenfalls. Sie ist die erste Vorsitzende der Gemeinde und seit bereits 26 Jahren mit Griechenland vertraut. „Zunächst habe ich hier Urlaub gemacht und Freundinnen besucht“, erzählt sie in einer ebenso offenen wie herzlichen Art. Ein Jobangebot in der Textilbranche folgte und die Liebe zu einem Mann. „Und ehe ich mich versah, war ich häufiger in Griechenland als in Deutschland.“ Die Krise sei ein großes Thema. Doch in der Gemeinde würden auch Alltagsprobleme diskutiert. Gerade in griechisch-deutschen Familien käme es häufig zu Meinungsverschiedenheiten zum Beispiel bezüglich der Kindererziehung. „Wir nennen uns manchmal scherzhaft <em>Frauengemeinde“, </em>sagt Frau Wollschläger lachend und spielt darauf an, dass es viele deutsche Ehefrauen sind, die das Gemeindeleben prägen. Frauen von griechischen Männern, die zumeist als ehemalige Gastarbeiter oder Studenten in ihre Heimat zurückgekehrt sind. Oft würden sich diese Frauen alleine und in der Fremde fühlen. „So tut es auch mal ganz gut, mit ihnen und ihren Kindern deutsche Kinderlieder zu singen.“</p>
<p>Darüber hinaus hilft die Gemeinde in Not geratenen deutschen Urlaubern. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Generalkonsulat würden Behördengänge erledigt oder einfach nur Trost gespendet. Überhaupt sei die Zusammenarbeit mit anderen deutschen Institutionen der Stadt sehr intensiv. So könne die Gemeinde bei größeren Veranstaltungen auf die Aula der Deutschen Schule oder auf die Räumlichkeiten des Goethe Institutes zurückgreifen. Als ein in sich geschlossener deutscher Zirkel verstehe man sich aber nicht. „Gerade der Kontakt zu anderen Konfessionen und Religionen ist uns wichtig“, betont auch Frau Wollschläger „Wir pflegen Kontakte zur Griechisch-Orthodoxen Kirche, zur Katholischen Kirche und zur jüdischen Bevölkerung.“ Und auch innerhalb der Gemeinde müsse man nicht zwangsläufig evangelischer Christ sein. Es reiche ein christliches Bekenntnis. „Immerhin sind viele Kinder aus griechisch-deutschen Familien griechisch-orthodox getauft, denen wollen wir doch nicht unser Gemeindeleben verwehren.“ Dass es ein harter Kampf mit der EKD war, eine entsprechende Änderung der Satzung durchzusetzen, möchte sie noch anmerken. Dann heißt es, wieder an die Arbeit. Immerhin muss ein neuer Pfarrer mit der Gemeinde und der Stadt vertraut gemacht werden.</p>
<p>Infokasten zu Thessaloniki</p>
<p>Thessaloniki ist die zweitgrößte Stadt Griechenlands und zählt in ihrem Ballungsraum zirka 900.000 Einwohner. Sie ist das wirtschaftliche Zentrum im Norden des Landes und kann auf eine Geschichte von 2325 Jahren zurückblicken. Benannt ist Thessaloniki nach einer Halbschwester Alexanders des Großen. Zweimal besuchte Apostel Paulus die makedonische Stadt. Seine Briefe an die Thessalonicher erinnern an diese Beziehung. Während des Mittelalters war Thessaloniki die nach Konstantinopel bedeutendste Stadt des Byzantinischen Reiches. Die Osmanen eroberten sie 1430 und siedelten in der Folgezeit jüdische Flüchtlinge aus dem katholischen Spanien und Portugal an. Deren Nachfahren stellten bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts die größte Bevölkerungsgruppe Thessalonikis. Im Jahr 1912 kam die Stadt an Griechenland. Als Folge eines griechisch-türkischen Krieges zehn Jahre später verließen die Muslime Thessaloniki. Dagegen strömten zehntausende griechischer Flüchtlinge aus Kleinasien in die Stadt. Während des Zweiten Weltkrieges besetzten deutsche Truppen Thessaloniki und organisierten die Deportation der jüdischen Einwohnerschaft. Der Verlust an muslimischen und jüdischen Bewohnern machte aus der makedonischen Metropole eine primär griechisch-orthodox geprägte Stadt. Erst mit der Globalisierung nach dem Ende des Kalten Krieges entwickelte Thessaloniki wieder einen ausgeprägt multikulturellen Charakter mit Einwohnern aus allen Kontinenten. In diesem Umfeld hat die kleine evangelische Kirchengemeinde deutscher Sprache ihren Platz gefunden.</p>
<p>Infokasten zur Evangelischen Gemeinde Thessaloniki</p>
<p>Bereits 1895 wurde die Evangelische Gemeinde als Teil der Preußischen Landeskirche im damals noch osmanischen Thessaloniki gegründet. Die Gemeindemitglieder waren hauptsächlich Familienangehörige von Kaufleuten, Handwerkern und Eisenbahnern. Bis 1916 stellte die Preußische Landeskirche die Pfarrer. In den folgenden Jahrzehnten betreuten Pfarrer der Athener Gemeinde die Gläubigen in Thessaloniki. Erst 1981 erhielt die Gemeinde der Stadt mit der Diplomtheologin Dorothee Vakalis eine eigene Pastorin. Die Gemeinde besitzt mittlerweile den Status eines gemeinnützigen griechischen Vereins und ist seit 1988 offiziell als Kirche anerkannt. Das kleine Gemeindezentrum in der geschäftigen Stadtmitte ist Anlaufpunkt für evangelische Christen aus ganz Nord- und Mittelgriechenland.</p>
<p><em>Erschienen in &#8222;die kirche&#8220;<br />
</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jossifidis.de/?feed=rss2&#038;p=107</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Das verborgene «Jerusalem des Balkans»</title>
		<link>http://www.jossifidis.de/?p=19</link>
		<comments>http://www.jossifidis.de/?p=19#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 01 Aug 2007 10:00:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Griechenland]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Juden]]></category>
		<category><![CDATA[Thessaloniki]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jossifidis.de/?p=19</guid>
		<description><![CDATA[Salonikis kleine jüdische Gemeinschaft kämpft um die Erinnerung Anfang des Jahres, am 28. Januar 2007, beging die nordgriechische Hafenstadt Thessaloniki den alljährlichen Holocaust-Gedenktag. Politiker und Vertreter der jüdischen Gemeinde pilgerten zum Denkmal für die ermordeten Juden der Stadt. Sie legten &#8230; <a href="http://www.jossifidis.de/?p=19">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Salonikis kleine jüdische Gemeinschaft kämpft um die Erinnerung</span></h2>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Anfang des Jahres, am 28. Januar 2007, beging die nordgriechische Hafenstadt Thessaloniki den alljährlichen Holocaust-Gedenktag. Politiker und Vertreter der jüdischen Gemeinde pilgerten zum Denkmal für die ermordeten Juden der Stadt. Sie legten Kränze nieder, hielten Reden und stellten fest, dass die Einwohnerschaft auch in diesem Jahr wenig Interesse zeigte. Dabei war Thessaloniki noch vor hundert Jahren eine hauptsächlich von jüdischem Leben geprägte Stadt. Auswanderungsbewegungen und Deportationen während des Zweiten Weltkrieges beendeten dieses Kapitel der Stadtgeschichte. Eine kurze Spurensuche: «Hier gleich links befindet sich die Synagoge. Ich kenne die Gegend. Hier habe ich als Kind gewohnt und in den Straßen gespielt.» Der hilfsbereite ältere Herr mit den grauen Haaren und der modischen Brille führt zielsicher zur unscheinbaren und von einem Polizisten bewachten Synagoge. Sie liegt in der Syngrou-Straße, im geschäftigen Zentrum Thessalonikis. Es ist Schabbat, und dennoch finden sich keine Beter ein. «Die Synagoge wird nur noch sporadisch genutzt, beispielsweise an den Hohen Feiertagen», erklärt der freundliche Polizist vor dem Hauptportal und legt für ein paar Minuten seinen Roman beiseite. Wir stehen vor einer der drei verbliebenen Synagogen der Stadt. Vor dem Zweiten Weltkrieg repräsentierten 40 Gebetshäuser das jüdische Gemeindeleben. Sie sind weitestgehend aus dem Stadtbild verschwunden. Der Schutzmann empfiehlt den Besuch des nahe gelegenen Gemeindezentrums. Eine genaue Adresse kann er allerdings nicht angeben und diesbezüglich stößt auch die Ortskenntnis des netten älteren Herrn an ihre Grenzen. <span id="more-19"></span></span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Tatsächlich liegt das Gemeindezentrum versteckt im ersten Stock oberhalb einer wenig einladenden Einkaufspassage nur ein paar Häuserblöcke entfernt. Es ist über die Tsimiski-Straße 24 erreichbar, der Zugang ebenfalls von Polizisten gesichert. Hier arbeitet David Saltiel, ein Mann mit gepflegtem, grauem Schnurrbart. Er ist Präsident der Gemeinde, welche mittlerweile nur noch circa 1000 Personen zählt. Sie fallen in einer Stadt, die in ihrem Ballungsraum annähernd eine Million Menschen ausweist, kaum ins Gewicht. Eine Sekretärin überreicht eine zweisprachige Broschüre, die über die jüdische Geschichte Thessalonikis informiert. Sie erzählt von einer Bevölkerungsgruppe, die bis zum Ersten Weltkrieg über 60.000 Personen umfasste und damit sowohl die türkische als auch die griechische Einwohnerzahl übertraf. Sie berichtet aber auch von Deportationen während des Zweiten Weltkrieges, als die Wehrmacht gemeinsam mit der SS circa 46.000 jüdische Bewohner Thessalonikis in die nationalsozialistischen Konzentrationslager verschleppte. </span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">«Der Holocaust ist ein zentraler Punkt unserer Geschichte», betont David Saltiel, den folgerichtig der wachsende Antisemitismus in der Stadt beunruhigt. Besonders entsetzt reagierte das Gemeindezentrum auf eine Demonstration vor genau einem Jahr, am 1. August 2006. Israel befand sich im Krieg mit der Hisbollah. Die Medien sprachen von einem israelischen Angriffskrieg. In der Stadt dominierten antiisraelische beziehungsweise antijüdische Ansichten. Eine inhaltliche Trennlinie wurde nicht mehr gezogen, als an jenem Dienstag im August aufgebrachte Demonstranten das Denkmal für die ermordeten Juden Thessalonikis stürmten. Randalierer beklebten es mit Fotografien, die zivile libanesische Opfer des israelischen Feldzuges zeigten. In der Tsimiski-Straße 24 formulierte man prompt ein Protestschreiben. Gemeindevertreter wiesen in Presseerklärungen darauf hin, dass die mit dem Denkmal geehrten Toten des Holocausts in keinem Zusammenhang mit den aktuellen Krisen im Nahen Osten stehen. «Wir sind Griechen und wir waren immer Griechen!» gibt David Saltiel zu bedenken. Er verweist auf die unzähligen griechischen Soldaten jüdischen Glaubens, die in vergangenen Kriegen für Griechenland gestorben seien. Doch hatten die Juden Thessalonikis tatsächlich stets eine griechische Identität? Der griechische Staat ist schließlich noch sehr jung.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Wenige hundert Meter vom Gemeindezentrum entfernt, befindet sich das Jüdische Museum der Stadt. Es liegt in der kaum befahrenen Agiou-Mina-Straße. Ein wachhabender Polizist dient auch hier als Anzeiger für eine jüdische Einrichtung. Der klassizistische Bau aus dem Jahre 1904 beherbergte ursprünglich die regionale Dependance der Attika-Bank und Büroräume der jüdischen Zeitung «L‘Independent», welche in französischer Sprache erschien. Die umtriebige Leiterin des Museums stellt sich als Erika Perahia Zemour vor, wobei ihr Nachname bereits auf die Besonderheit der jüdischen Gemeinde Thessalonikis verweist. Ihre Mitglieder sind zu einem überwiegenden Anteil Nachfahren spanischer und portugiesischer Juden. Diese flüchteten im 15. Jahrhundert in das Osmanische Reich, nachdem die Katholischen Könige der Iberischen Halbinsel ihre Vertreibung initiiert hatten. Zentraler Anlaufpunkt in der neuen Heimat bildete die weitgehend entvölkerte Hafenstadt Thessaloniki, eine Stadt, die sich nur mühsam von ihrer osmanischen Eroberung aus dem Jahre 1430 erholte. Die Sultane erhofften sich durch die Ansiedlung der so genannten sefardischen Juden eine Revitalisierung des strategisch günstig gelegenen Ortes. Ihren Ansiedlungsofferten folgten schließlich 20.000 Vertriebene, welche fortan das ökonomische Rückgrat Thessalonikis stellten. Zusätzlich erblühte das kulturelle Leben der Stadt, und die religiöse Gelehrsamkeit zahlreicher Synagogen-Gemeinden fand europaweite Beachtung. Ein Grund für den inoffiziellen Beinamen «Jerusalem des Balkans», den die Stadt im 17. Jahrhundert trug. </span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Als vorherrschende Sprache innerhalb der Stadtmauern setzte sich allmählich das Judenspanische oder Ladino durch. Eine Sprache, die heutzutage nur noch von wenigen Einwohnern beherrscht wird. Frau Perahia Zemour gibt an, dass ihre Großmutter diese Sprache benutzte. Sie selbst musste sich Ladino als eine Zweitsprache mühsam erschließen. «Die Menschen interessieren sich überhaupt nicht für die jüdische Vergangenheit Thessalonikis.» Die Museumsleiterin kann ihre Enttäuschung hierüber kaum verhehlen. Vielleicht spielt es eine Rolle, dass der Niedergang der sefardischen Gemeinde bereits vor der Deportation nach Auschwitz unter deutscher Besatzung einsetzte? Es war ein schleichender Prozess, der im Jahre 1913 begann, als die Stadt infolge zweier Balkankriege an den griechischen Nationalstaat fiel. Während die jüdische Einwohnerschaft in osmanischer Zeit eine kulturelle Autonomie genossen hatte, sah sie sich in der Folgezeit einem von Athen aus gesteuerten Assimilierungsdruck ausgesetzt. Kriegsbedingte Flüchtlingsströme veränderten zudem das Stadtbild. Die moslemische Einwohnerschaft wanderte ab und wurde durch griechische Flüchtlinge ersetzt. Diese zumeist mittellosen Neuankömmlinge stellten in den dreißiger Jahren die Hälfte der Bevölkerung. Armut, Krankheiten und Hoffnungslosigkeit prägten Thessaloniki und entluden sich 1931 in anti-jüdischen Ausschreitungen. In einem solchen Klima hielt sich der griechische Patriotismus unter den sefardischen Juden Thessalonikis in verständlicherweise überschaubaren Grenzen. Die Zahl jüdischer Auswanderer stieg kontinuierlich und der Glanz vergangener Tage verblasste stetig.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Frau Perahia Zemour zeigte sich zum Abschied kämpferisch. «Thessaloniki begeht den Holocaust-Gedenktag auch 2008 am 28. Januar und damit einen Tag nach den Feierlichkeiten im übrigen Griechenland. Einige Schulklassen dürften so in diesem Kontext wieder den Weg in das Jüdische Museum unserer Stadt finden. Doch es ist noch viel Arbeit nötig, um den Einwohnern die jüdische Vergangenheit ihrer Stadt näher zu bringen.» Das engagierte Auftreten der Museumsleiterin lässt vermuten, dass ihr dieses Vorhaben zumindest ein Stück weit gelingen wird.</span></p>
<p>Thessaloniki, 1. August 2007 Erschienen in der Jüdischen Zeitung www.j-zeit.de/archiv/artikel.644.html</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jossifidis.de/?feed=rss2&#038;p=19</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
